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»Dein ist mein ganzes Herz«

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Die Solisten prosten sich fröhlich zu beim Lied »Im Feuerstrom der Reben« aus der Operette »Fledermaus« von Johann Strauß. (Foto: Heel)

Sie lebt noch, die gute alte Operette, auch wenn ihr das Musical längst den Rang abgelaufen hat, zumindest was die Zuschauerzahlen betrifft. Ein (recht munteres) Lebenszeichen war jetzt das Gastspiel des Salzburger Operettentheaters im gut besuchten Saal des Traunreuter k1, bei dem die Zuschauer eine Zeitreise in die »goldene Ära« der Wiener Operette unternehmen konnten.


Zum Auftakt spielte das Orchester des Theaters unter der Leitung von Christian Pollack die Ouvertüre zu Johann Strauß’ »Fledermaus«, gefolgt von »Ich lade gern mir Gäste ein«, einem der schönsten Lieder aus eben dieser Operette. Hoch her ging es auch bei Emmerich Kálmáns »Csárdásfürstin«, von der vier Lieder auf dem Programm standen, darunter »Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht«, perfekt arrangiert und mitreißend dargeboten. Mit »Dein ist mein ganzes Herz« aus Franz Lehárs »Das Land des Lächelns« erklang noch das Motto des Abends, bevor im ersten großen Finale mit Dorit Machatsch, Elisabeth Starzinger, Christian Bauer, Josef Krenmair und Thomas Reisinger alle fünf Solisten »Im Feuerstrom der Reben« (»Fledermaus«) auf der Bühne standen. Fünf erstklassige Sänger/innen, die nicht nur stimmlich allen Herausforderungen gewachsen waren, sondern die einzelnen Nummern auch temperamentvoll mit Leben füllten. Angespielte Szenen brachten dabei zusätzlichen Schwung auf die Bühne und sorgten für authentisches Operetten-Flair.

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Nach der Pause und der Ouvertüre zu Richard Heubergers »Der Opernball« drehte sich dann alles um den »Bettelstudenten«, mit dem Karl Millöcker 1882 den Zenit seines Schaffens erreicht hatte. Ein Werk wie aus einem Guss, heiter, humorvoll, volkstümlich, melodisch und rhythmisch inspiriert. Eröffnet wurde der Reigen mit dem Lied »Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst«, dem ein halbes Dutzend weiterer folgten, ergänzt von einer glänzenden Ballett-Einlage bei »Mazurka«.

Moderiert wurde die mit stürmischem Applaus bedachte Gala so charmant wie unterhaltsam von Robert Kolar, selbst ein renommierter Schauspieler, Kabarettist und Autor, der neben seinen Ansagen an drei Kollegen erinnerte, die in der österreichischen Musik- und Kabarettszene einst eine wichtige Rolle gespielt hatten. Der erste war Fritz Grünbaum (1880 bis 1941), von dem Kolar das schwarzhumorige Gedicht »Der türkische Bariton« vortrug, der zweite Armin Berg (1883 bis 1956), von dem er eine hübsche Anekdote zu dessen (missglücktem) Auftritt in Shakespeares »Richard III« zu erzählen wusste. Der dritte im Bunde war der legendäre Karl Farkas (1893 bis 1971), dessen höchst amüsanter Text »Urlaubssorgen« beim Publikum ebenfalls bestens ankam.

Eine Zugabe aus der »Csárdásfürstin«, zu der nochmals alle Mitwirkenden die Bühne füllten, ließ die in jeder Hinsicht gelungene Gala ausklingen. Wolfgang Schweiger