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Das »Wunder von Hallbergmoos« blieb aus

Als Bayernliga-Vizemeister beendeten die Ringer des TV Traunstein die Saison. Allerdings blieb am letzten Kampftag der Saison das »Wunder von Hallbergmoos« aus: Die Ringer des TV Traunstein verloren das Spitzenduell beim Ex-Bundesligisten SV Hallbergmoos vor 500 Zuschauern mit 8:25. Die Gastgeber ließen sich hinterher gebührend als Bayernligameister feiern.

Mit einer außergewöhnlichen Energieleistung legte Borislav Dobrev (blaues Trikot) vom TV Traunstein den 20 Kilogramm schwereren Thomas Kaufmann aufs Kreuz und holte einen Schultersieg. Weitere Bilder von der Begegnung in Hallbergmoos gibt es unter www.traunsteiner-tagblatt.de zu sehen. (Foto: Wittenzellner)

Ein Sieg wäre für den Gewinn der Meisterschaft für den TVT Pflicht gewesen, aufgrund des Hinrundenergebnisses (16:19) hätten die Traunsteiner mit vier Punkten Unterschied gewinnen müssen – ohnehin eine fast unmögliche »Mission«.

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Der TVT erreichte mit dem zweiten Platz das beste Ergebnis seit dem Aufstieg in die Liga im Jahr 2006/2007. »Vor unserer Mannschaft habe ich hohen Respekt. Das war eine ausgezeichnete Saisonleistung. Einen solchen Erfolg hatte ich unserem Team zum Saisonbeginn noch nicht zugetraut«, sagte Abteilungsleiter Hartmut Hille und hofft auf ein »Zusammenbleiben« der Mannschaft.

Der TVT musste im Spitzenduell verletzungsbedingt auf Halbschwergewichtler Vitali Zeleznjak verzichten. Auch sonst waren sich die Mannschaftsbetreuer Petar Stefanov und Christoph Huber klar: »Wir gewinnen nur mit einer Risikoaufstellung.« Diese ging dann insbesondere mit dem Hochstellen von Borislav Dobrev auf, der dann aber im Mittelgewicht fehlte. Die Kämpfe im Einzelnen:

55 kg (griechisch-römisch): Einen ganz harten Brocken bekam Artur Tatarinov mit dem französischen Olympiateilnehmer Zoheir El Quarraqe vorgesetzt. Der junge Traunsteiner lieferte trotz Rückstandes eine gute erste Runde. In der zweiten lief er in einen Konter des Franzosen und kam nicht mehr aus der Brücke heraus – 0:4.

120 kg (Freistil): Als »Überraschung« und mit viel Vorschusslorbeeren bedacht, präsentierten die Hallberger den zu Kadetten-Zeiten bis zur Europameisterschaft gekommenen Thomas Kaufmann.

»Volles Risiko«

Die TVT-Betreuer Stefanov/Huber gingen volles Risiko und setzten Borislav Dobrev hoch, dessen 20-kg-Gewichtsnachteil Schlimmes ahnen ließ, zumal Kaufmann den Traunsteiner gleich zu Beginn über die Matte »trieb«. Das Ganze währte aber nur knapp zwei Minuten, dann »donnerte« Dobrev seinen Gegner mit einer unglaublich kraftvollen Aktion mit einem Ausheber auf die Matte und schulterte ihn – 4:4.

60 kg (F): Ein gut aufgelegter und in Führung gehender Stanislaw Dziopak machte deutlich, dass er die Hinrunden-Niederlage gegen Manuel Striedl egalisieren wollte. Nach einem Konter befand sich der TVT-Ringer aber plötzlich in der Brücke, aus der es kein Entrinnen mehr gab – 4:8.

96 kg( G): Nichts zu bestellen hatte der ins Halbschwer aufgerückte Alexander Georg gegen den Litauischen Meister Aldas Lukosaitis, der nicht nur aufgrund seiner 16 Kilogramm Mehrgewicht klar überlegen war und in der ersten Runde mit Technischer Überlegenheit gewann – 4:12.

66 kg (G): Ilja Vorobev bekam es mit dem 23 Jahre älteren Christian Edfelder zu tun, mit dem er sich in der ersten Runde schwertat. In den zweiten drei Kampfminuten stellte er sich besser auf seinen Gegner ein. Der Traunsteiner konnte aber eine Niederlage nicht mehr verhindern – 5:15 zur Pause.

84 kg (F): Hier überraschte das TVT-Team mit dem mehrmaligen Deutschen Judomeister Adrian Kulisch, der seinen ersten Ringerkampf bestritt. Sein Gegenüber Christian Bauer siegte mit technischer Überlegenheit – 5:19.

66 kg (F): Eine Spitzenleistung lieferte wie schon in der Vorrunde Eduard Tatarinov gegen den Hallbergmooser Thomas Kopp ab. Tatarinov zeigte mit unglaublicher Nervenstärke und blitzschnellen Aktionen wer »Chef« auf der Matte war. Kopp hielt dagegen, der Traunsteiner war aber zumeist einen Tick schneller. Der 11:7-Punktsieg war für den 16-Jährigen unter dem Jubel der rund 30 mitgereisten TVT-Fans völlig verdient – 7:20.

84 kg (G): Gut aus der Affäre zog sich Gökan Tetik gegen den bundesligaerfahrenen Markus Niedermair. Der TVT-Ringer ließ keinen Punkt zu, konnte aber auch selbst keine Wertung schreiben. So blieb – aufgrund einer Verwarnung – am Ende eine hauchdünne 0:1-Niederlage für Tetik – 7:21.

74 kg (G): Eine ganz starke Leistung lieferte Alexej Patalaschko gegen den Hallbergmooser Michael Prill ab. Doch der zeitweise Rückwärtsgang und einzelne Griffverhinderungen des Gastgeberringers wurden vom Kampfrichter aber nicht geahnt. Unter wütenden Protesten des Traunsteiner Anhangs entschied Prill die Begegnung letztlich mit 4:0 Zählern für sich. Der verärgerte TVT-Ringer bekam wegen »Meckerns« anschließend die Gelbe Karte – 7:23.

74 kg (F): Ein spannendes Duell entwickelte sich erwartungsgemäß zwischen Traunsteins Bulgaren Ivan Dobrev und dem in dieser Saison unbesiegten Mathias Frisch. Auch hier kritisierte der TVT-Tross heftig eine vom Kampfrichter an Dobrev ausgesprochene Verwarnung. Der gerechte 6:6-Gleichstand nach sechs spannenden Minuten führte letztlich zum Sieg für den Gastgeberringer zum 8:25 aus Traunsteiner Sicht, zu dem die TVT-Vertreter den Gastgebern gratulierten.

Nachwuchs holt vierten Platz

Spannend machten es die Nachwuchsringer des TV Traunstein zum Saisonabschluss auswärts beim TSV Trostberg. In einem spannenden Duell holte die Truppe um die beiden Betreuer Rico Zeiser und Petar Stefanov einen 21:18-Sieg. Nach einem Jahr, in dem einige Leistungsträger aus Altersgründen nicht mehr antreten durften, holte die Mannschaft einen guten vierten Platz in der Grenzland-Liga. Siegreich waren für den TVT Tobias Einsiedler (38 kg), Ben Wittenzellner (46 kg), Luca Zeiser (50 kg), Philipp Schrag (60 kg) und Johann Teterja (76 kg). Der junge Andre Stump (29 kg) steuerte einen Punkt zum Sieg bei.

Eine herausragende Bilanz verzeichneten dabei Einsiedler und Wittenzellner: Sie beendeten alle ihre 14 Kämpfe siegreich, Zeiser brachte es mit 13:1 ebenfalls auf ein ausgezeichnetes Ergebnis. Aber auch weitere junge Ringer, wie beispielsweise Leopold von Ellerts oder Robert Stump fügten sich gut in die Mannschaft ein. awi