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»Das wäre eine Todesfalle für Insekten«

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Bischofswiesen Insekten
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Schotter aus Kalkstein, Latschen, Alpenrosen und das Nationalpark-Logo. Nicht jedem gefällt die Gestaltung des Kreisverkehrs. Warum Wildblumen aber in diesem Falle nicht gut für die Insekten wären, erklärten die Nationalpark-Experten auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Der Nationalpark Berchtesgaden hat gemeinsam mit dem Landratsamt und dem Straßenbauamt den Kreisverkehr im Stangenwald neu gestaltet. Wo zuvor Wildblumen angepflanzt waren, ist nun Kies aufgeschüttet, durchsetzt mit Latschen und ein paar Alpenrosen. Das missfällt so manchem »Anzeiger«-Leser. »Was ist mit den Wildbienen?«, fragte einer kürzlich bei einem Besuch in der Redaktion. Der stellvertretende Nationalpark-Chef Ulrich Brendel und Kulturmanager Oliver Pohl bringen Licht ins Dunkel.


Oliver Pohl war mit für die Gestaltung zuständig, im Team rund um Ulrich Brendel. »Wir haben uns für die Gestaltung nach dem Corporate Design des Nationalparks entschieden«, so Pohl auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. Denn der »rostige Stahl« und der Kies seien auch rund ums »Haus der Berge« verwendet worden. »Zudem haben wir heuer an allen Zugängen zum Nationalpark Steine mit unserem Logo aufgestellt«, daher auch das Nationalpark-Logo in der Mitte des Kreisverkehrs.

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Was die Materialien und auch die Pflanzen betrifft, habe man auf Regionalität gesetzt, fügt der Kulturmanager noch hinzu. Daher wurden Latschen und Alpenrosen ausgewählt sowie Kies aus Kalkstein. Dieser hat laut Pohl nicht nur eine Deko-Funktion. »Die Steine nehmen die Energie auf, wenn ein Auto in den Kreisverkehr rast.« Somit wirkt der Kies wie ein Dämpfer. Die Korngröße wurde sogar wissenschaftlich berechnet, damit dieser Effekt eintreten kann. »Wie etwa bei der Formel 1 entlang der Rennstrecke«, vergleicht Oliver Pohl.

Der »Berchtesgadener Anzeiger« konfrontierte »Haus der Berge«-Leiter Ulrich Brendel mit der Kritik der Leser, dass der Naturschutz bei der Gestaltung des Kreisverkehrs zu kurz gekommen sei, da nun die Wildblumen für die Insekten fehlen würden. Brendel entgegnete: »Aus naturschutzrechtlicher Sicht weiß man heute, dass Wildblumen auf Verkehrsinseln oder auf dem Grünstreifen neben einer Straße eher Todesfallen sind, als hilfreich.«

Man locke damit Krabbler und Fluginsekten an. Die Folge: »Die Fluginsekten enden an der Windschutzscheibe, die Krabbler werden überfahren.« Auch vergifte man die Insekten nach und nach, denn die Pflanzen auf dem Kreisverkehr seien stark belastet, da sie den konzentrierten Schadstoffen aus dem Verkehr ausgesetzt sind.

Im Winter sei der Salzeintrag durch das Streusalz auf der Fahrbahn enorm und habe Auswirkungen auf die Flora. »Die Bienen nehmen die schädlichen Stoffe über den Nektar auf«, so Brendel. »Es wäre also keine Hilfe für die Insekten.« Eine Wildblumenwiese anzupflanzen, sei viel vernünftiger.

Aus ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet, blühen diese Blumen nur wenige Monate im Jahr, fügte der »Haus der Berge«-Leiter hinzu. »Den Rest des Jahres schaut es dann auch fad aus.«

Der Nationalpark habe die Chance erhalten, diesen Kreisel zu gestalten, und wollte einen gewissen Wiedererkennungseffekt erzielen, erklärte der Nationalpark-Experte. »Das entspricht einfach unserer Landschaft.«

Als Besonderheit nannte Brendel abschließend, dass das Nationalpark-Logo auf dem Kreisverkehr ab sofort nachts beleuchtet wird. Annabelle Voss