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Das volle Dutzend: Per Hammar auf Dreifach-Vinyl

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Per Hammar
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Pflege des traditionellen Handwerks: Der schwedische Techno-Produzent, Label-Betreiber und DJ Per Hammar bei der Arbeit. Foto: Izabella Englund/dpa Foto: dpa

Von Malmö nach Berlin in die Drogerie: Per Hammer veröffentlich auf seinem Label Dirty Hands mit »Pathfinder« zwölf durchgängig bewegende Tracks.


Hamburg (dpa) - Der aus Schweden stammende und in Berlin lebende Techno-Produzent Per Hammar hat Anfang Mai sein bemerkenswertes Debütalbum »Pathfinder« veröffentlicht.

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Per Hammar machte seine ersten künstlerischen Gehversuche in der lebendigen Musikszene der schwedischen Stadt Helsingborg zunächst in einer Band. In dieser Szene begann er dann auch seine reduzierte und treibende Version von Techno zu produzieren, die mittlerweile auf respektierten Labels wie Break New Soil, Danse Club Records oder Infuse zu hören ist.

Aber dieses musikalische Standbein allein genügte ihm wohl nicht. Bereits 2011 rief er die Partyreihe »Kiloton« in Malmö ins Leben und gründete mit guten Freunden zusätzlich vor einigen Jahren die Labels 10Years und De Vloer. Seit 2014 existiert sein eigenes Label Dirty Hands, auf dem nach mehreren Maxis und Mixtapes nun auch sein erster, zunächst nur auf Vinyl erhältlicher, Longplayer erscheint.

Der Name Dirty Hands soll dabei Programm sein und eine Plattform für »dub and dusty sounds« bieten. Tatsächlich lauert Dub(-Techno) hinter fast jeder Ecke und der minimalistische Labelsound ist immer treibend, schnörkellos und konzentriert gehalten. Bei genauerem Hinhören wird allerdings die ausgefeilte Produktion erkennbar, bei der häufig liebevolle Sounddetails unter der »staubigen« Oberfläche hervorschimmern. Das erinnert in vieler Hinsicht an den Kollegen Marc Antona, der seinen primär perkussiven Techno-Entwurf ebenfalls mit Liebe zum Klangdetail auf seinem eigenen Label Dissonant ohne Kompromisse und jederzeit wiedererkennbar verfolgte.

Auch Per Hammar hat seinen ganz eigenen Sound gefunden, den er in Kombination mit geschmackssicheren musikalischen Zitaten auf »Pathfinder« gradlinig verfolgt. Das zeigt sich bereits beim Opener »Mother« und seinem perfekten Spannungsaufbau, der mit einem Field Recording, übrigens in einer Drogerie in Berlin-Neukölln aufgenommen, beginnt. Nach und nach setzen spacig-housige Sounds ein, die an gute alte Force-Tracks-Zeiten erinnern. Zwei Minuten später kommt der mächtige Basslauf ins Spiel und nach einer weiteren Minute hebt der Track mit der Bass Drum vollends ab. Perfekt!

Auf »Mother« folgt die stoisch-stampfende Dub-Meditation »F Dubb 1000«, wiederum gefolgt vom lupenreinen Dub-Techno Track »DX Sport« mit eindeutigen Basic-Channel-Anleihen und einem extrem effizienten Break. Sehr effizient funktioniert auch der gelungene Spannungsaufbau vom fünften Stück »Low Bats«, das Hörer und Tänzer nach knapp zwei Minuten mit einem heftig schiebenden Bass belohnt.

Etwas verpeilter, aber bestens gelaunt, geht es mit dem »If You Have A Mind It Will Wonder« weiter, das so auch auf ganz alten Traum-Schallplatten oder Trapez-Veröffentlichungen seinen Platz gefunden hätte. Das würdige Albumende wird einige Tracks später dann mit dem zwölften Stück »Manchester Lone Star« eingeläutet, das von der ersten Sekunde an wie eine gut geölte Maschine groovt, kompetent dosierte Stimmen-Samples einsetzt und mit seinen melancholischen Sounds zudem an den genialen Landsmann Anders Ilar erinnert.

Mit diesem runden Dutzend Tracks auf »Pathfinder« hätte auch die nun leider abgesagte Release-Tour in den Clubs große Freude bereitet. Besonders, da Per Hammar nicht nur auf Vinyl veröffentlicht, sondern auch jenseits von USB-Sticks und CDJs seine Platten gekonnt auflegen kann. Die ausgefallen Tour wird aber bei nächster Gelegenheit nachgeholt und bis dahin lenkt das neue Album mit seiner bewegenden Musik auch auf den heimischen Anlagen sehr gut von der Isolations-Tristesse ab.

© dpa-infocom, dpa:200504-99-927354/5

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