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Das Kehlsteinhaus bleibt 2020 geschlossen

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Berchtesgaden: Das Kehlsteinhaus bleibt 2020 geschlossen wegen Sanierung
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In diesem Jahr stehen umfassende Sanierungsarbeiten auf der Straße und am Kehlsteinhaus selbst an. Das und die Regeln zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus sorgten für die Entscheidung, das Haus heuer geschlossen zu lassen. (Archivfoto: Ulli Kastner)

Berchtesgaden – Die Betreiber der Kehlsteinstraße und des Kehlsteinhauses haben sich dazu entschlossen, in der Saison in diesem Jahr Sanierungsarbeiten durchzuführen und das Haus nicht für Besucher zu öffnen.


Der Beschluss dazu wurde im nichtöffentlichen Teil der Sitzung des Zweckverbands Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK), die am Donnerstagabend stattfand, gefasst. Die Sanierungsarbeiten wären sonst innerhalb der kommenden Jahre vor und nach der Kehlstein-Saison durchgeführt worden. Darüber informieren Hannes Rasp und Kehlsteinwirt Norbert Eder den »Berchtesgadener Anzeiger«.

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Hannes Rasp war zuvor im öffentlichen Teil der Sitzung zum neuen TRBK-Vorsitzenden gewählt worden. Ein Bericht über die Wahl und die öffentliche Sitzung folgt in einer der kommenden Ausgaben.

Witterungseinflüsse beeinträchtigen die Befahrbarkeit der Kehlsteinstraße ebenso wie laufende unter Sicherheitsaspekten getroffene Vorkehrungen, wie zum Beispiel Felsputzarbeiten. Es war ursprünglich geplant, die Straße in den nächsten Jahren fünf bis sechs Wochen vor und nach der Saison zu sperren.

Stattdessen werden heuer die Absturzsicherungen saniert, also die Steinpfeiler und Leitplanken. Die Kehlsteinstraße soll auch neu asphaltiert werden. Der kontaminierte Teer wird aber nur soweit abgefräst, wie es für die Aufbringung des neuen Belags erforderlich ist. Dadurch fallen etwa 6000 Tonnen belasteter Teer (rund 200 Lkw-Ladungen) an. Der verbleibende kontaminierte Teerbelag ist unter der Asphaltschicht verschlossen. »Die Sanierungsarbeiten sind mit dem Staatlichen Bauamt Traunstein abgesprochen«, erklärt Hannes Rasp.

Die Corona-Pandemie in diesem Jahr hat bis zum jetzigen Zeitpunkt eine Öffnung ohnehin verhindert. Hygiene- und Abstandsregeln würden mit einer Öffnung einhergehen, die auch für Pächter Norbert Eder, alle Mitarbeiter und Besucher eine Herausforderung darstellen würden.

»Wir waren im Vorfeld der Entscheidung schon in Beratungen eingebunden, und haben verschiedene Konzepte geprüft«, berichtet der Kehlsteinwirt. »Aber keines davon wäre wirtschaftlich für alle Beteiligten.« Es gelte vor allem – das sei wichtiger als wirtschaftliche Interessen – kein Risiko einzugehen, was die Ansteckungsgefahr betrifft. Denn die Gänge und Räumlichkeiten sind nicht groß und breit genug, um stets alle Abstandsregeln einzuhalten. Auch die Toilettenanlagen müssten reduziert werden, es käme hier zu Warteschlangen.

Für Besucher zählt laut TRBK eindeutig die Nutzung des historischen Aufzugs zum Kehlsteinerlebnis dazu. Das Problem ist aber, dass hier normalerweise bis zu 40 Personen Platz haben. Jedoch ist es mit der derzeit geltenden Abstandsregel nur möglich, vier oder fünf Personen zu transportieren. »Wir hätten unter den Umständen am Tag maximal 400 Gäste oben, und das lohnt sich nicht«, erklärt Norbert Eder. Zur Entscheidung der TRBK sagt er: »Für mich persönlich war es in den vergangenen Tagen und Wochen ein Wechselbad der Gefühle. Ich war mein Lebtag jeden Sommer am Berg. Aber wenn man es sachlich abwägt, ist es die richtige Entscheidung.«

Nun muss sich das Ehepaar Eder mit Management-Aufgaben befassen. »Wir müssen Gespräche mit Partnern, Verpächtern, Versicherungen und auch Lieferanten führen.« So wurden zum Beispiel Souvenirs schon auf den Kehlstein gebracht, die nun keiner braucht. Seine Mitarbeiter treffe es härter als ihn selbst, so Eder. Ein Großteil sei bis jetzt auf Abruf gewesen, ein anderer Teil aber gar nicht erst angereist.

Der Wirt selbst ist Trailrunner und hat sich viel für den Sommer vorgenommen. »Vielleicht geht sich mal ein 100-Kilometer-Trail aus«, überlegt er laut. »Außerdem schaff ich es eventuell mal, ins Schornbad zu gehen.« av/fb