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Die Ausnahmemusiker von »Dreiviertelblut« begeistern beim Zeltl'n-Festival in Waging

Das Hier und Jetzt genießen

Der Auftritt der bayerischen Band »Dreiviertelblut« war einer der Höhepunkte des Zeltl'n-Festivals in Waging. Die Band feiert derzeit mit ihrem zweiten Album »Finsterlieder« eindrucksvoll den Mut, den Tod anzunehmen, ja ihn willkommen zu heißen. Anstatt sich von der Endlichkeit alles Irdischen desillusionieren zu lassen, gilt es, dem Sterben, dem Schmerz und dem Abschied humorvoll und lebensbejahend ins Gesicht zu sehen und das Hier und Jetzt zu genießen.

Die bayerische Band »Dreiviertelblut« gab beim Zeltl'n-Festival in Waging ein umjubeltes Konzert mit Liedern aus ihrem neuen Album »Finsterlieder«. (Foto: Müller)

Das ist es, was die großartigen Musiker Florian Rein (Schlagzeug), Luke Cyrus Götze (elektrische Gitarre), Dominik Glöbl (Trompete/Gesang), Florian Riedl (Klarinette/Bassklarinette) und Benjamin Schäfer (Kontrabass) um die beiden Bandleader und unterhaltsamen Ansager Gerd Baumann (akustische Gitarre/Gesang) und Sebastian Horn (Gesang) in ihren Liedern vorleben – mal sarkastisch-ironisch, mal scharfzüngig, bissig und derb, aber immer hintergründig, tiefsinnig und einfach sympathisch.

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Was »Dreiviertelblut« so einzigartig macht, sind die unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen von bayerischer Volksmusik über Jazz bis hin zu Rock und Pop, die die sieben Musiker gekonnt zu ihrem unverwechselbaren »Heimatsound« vereinen. Dazu gehört auch die tiefe sonore Stimme von »Bananafishbones«-Frontman Sebastian Horn und die instrumentelle Perfektion – nicht nur Trompeter Dominik Glöbl und E-Gitarrist Luke Cyrus Götze ernteten zu Recht stehende Ovationen.

Vor lauter Begeisterung ließen sich die Besucher sogar bereitwillig von Stechmücken drangsalieren (mit dem Lied »Blutsauger«) und auf unheimliche Friedhöfe (»I lieg am Ruckn«) entführen. Das ansonsten so einschläfernde Schafe – Zählen (»Schaf«) wurde sogar zu einem klanggewaltigen Muntermacher. Besonders einprägsam war auch der »Mia san ned nur mia«-Appell an die Welt gegen Ausgrenzung und Fremdenhass.

Da die Musiker bis auf den Kontrabassisten Benjamin Schäfer während des Konzerts alle saßen, entstand eine Atmosphäre der Gemeinsamkeit, eine entspannte Zirkuszelt-Runde, die immer wieder Überraschungen bereithielt. Mittendrin Tausendsassa und Menschenfänger Horn, studierter Biologe, ehemaliger Ministrant und Punk, der mit seinem kongenialen Bandkollegen Filmkomponist Baumann in den vergangenen Jahren auch die Liedtexte für das Münchner Nockerberg-Singspiel unter der Regie von Marcus H. Rosenmüller schrieb.

Mit den Liedern »Der Sturm« und »Ois is koid« erinnerte »Dreiviertelblut« an zwei dieser Inszenierungen. Mit Rosenmüller arbeitet Baumann indes schon länger erfolgreich zusammen. Auch die Musik zu dessen Kultfilm »Wer früher stirbt ist länger tot« entstammt Baumanns Feder.

Die alten »Dreiviertelblut«-Fans und die in Waging neu hinzugekommenen bekamen von dieser Musik gar nicht genug – zum Glück galt das auch für die Musiker selbst und so ging es kurzerhand in die Verlängerung. Markus Müller