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Das Herz in die Hand nehmen

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Thomas Aschauer arbeitet seit 20 Jahren als Trainer für den Deutschen Skiverband. Derzeit trainiert er mit fünf Weltcupfahrern und erwartet in der nächsten Saison große Erfolge. Foto: Anzeiger/cw

Deutsche Speedfahrer sind zuletzt immer besser in Schuss gekommen. Pepi Ferstl vom SC Hammer hat als Dritter des Europacups sogar einen Fixstartplatz im Weltcup.


Thomas Aschauer: Unsere Speedfahrer waren in der letzten Saison mehrmals gut platziert. Wir haben neben Ferstl vier weitere Startplätze im Weltcup und das Team umfasst fünf Läufer. Wir können auch aus dem Europacup auffüllen, wenn sich ein Sportler mit besonderen Leistungen anbietet.

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Wer sind neben Ferstl die weiteren Teammitglieder?

Aschauer: Andreas Sander (WSV Ennepetal), Tobias Stechert (SC Oberstdorf), Stefan Keppler (WSV Ebingen) und Andreas Strodl (SC Partenkirchen).

Die Vorbereitung auf die Saison findet nicht nur auf Schnee statt.

Aschauer: Wir haben einen Lehrgang mit Radfahren auf Zypern absolviert und einen Leistungskurs in Kienbaum durchgeführt. In Kienbaum haben sich viele Athleten auf die Olympischen Spiele in London vorbereitet, das war auch für unsere Sportler sehr interessant. Danach gab es einen Vorbereitungslehrgang in Zermatt auf die Reise nach Chile, wo wir mit Ferstl, Sander und Stechert trainiert haben. Alle waren gut in Schuss, leider hat sich Stechert den Daumen gebrochen und musste früher die Heimreise antreten. Ferstl und Sander sind bei den Rennen in Chile sehr gut gefahren.

Welche Rolle spielt der Trainer in der Rennvorbereitung?

Aschauer: Wir analysieren mit den Läufern die Strecke, besprechen die Fahrweise und vergleichen mit den Konkurrenten, wie diese fahren. Die Trainer an der Strecke informieren auch über die jeweiligen Bedingungen, die sehr schnell wechseln können. Es ist ein Unterschied, ob ein Sprung 15 oder 50 Meter weit geht. Eine große Rolle spielen auch Pisten- und Lichtverhältnisse, worüber wir die Läufer sehr schnell informieren.

Sprünge sind ein wesentliches Kriterium im Abfahrtslauf. Trainiert ihr noch am Kälberstein?

Kitzbühel gilt als das »Nonplusultra« unter den Abfahrtsstrecken. Was geht in einem Rennläufer vor, wenn er in die »Mausefalle« einfährt?

Aschauer: Da muss der Rennläufer sein Herz förmlich in die Hand nehmen. Die Mausefalle ist unglaublich steil und pickeleisig, zudem kommen die Rennläufer mit zirka 130km/h in diese brutale Passage. Mit entscheidend für den weiteren Rennverlauf ist auch die Ausfahrt, weil dort eine extreme Kompression auf die Läufer einwirkt. Nur mit vollster Entschlossenheit kann ein Läufer dort bestehen.

Felix Neureuther hat geäußert, auch gerne die »Streif« zu absolvieren.

Aschauer: Das kann ich mir beim jungen Neureuther vorstellen. Inzwischen hat er jedoch Probleme mit dem Knie und so sind wir froh, wenn er um einen Slalomsieg kämpft, als wenn er in vier Disziplinen um Platz 20 fahren würde.

Wie wird seitens der Trainer das neue Trainingszentrum am Jenner beurteilt, das nächstes Jahr in Betrieb gehen soll?

Aschauer: Wir sind begeistert. Das kommt sowohl unserem Nachwuchs als auch den Nationalmannschaften zu- gute. Ab dem nächsten Jahr müssen wir nicht mehr nach Alternativen im Ausland suchen, dann können wir daheim trainieren.

Ist eine Weltcupabfahrt vom Jenner denkbar?