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Das Duo Gromes-Riem begeistert mit Romantik-Programm im Festsaal Sparz

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Raphaela Gromes und Julian Riem begeisterten ihr Publikum in Traunstein mit anspruchsvollen romantischen Werken. (Foto: Mergenthal)

Ein Glanzlicht des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach« haben die Besucher des Konzerts des jungen Münchner Duos Raphaela Gromes (Violoncello) und Julian Riem (Klavier) im Festsaal Sparz erlebt. Sie boten ein exquisites Programm mit anspruchsvollen romantischen Werken.


Mit ihrem natürlichen, sympathischen Auftreten und höchster Konzentration zogen die beiden Musiker ihr Publikum sofort in ihren Bann. Traumwandlerisch, mit geschlossenen Augen lächelnd, ließ Raphaela Gromes ihr weich und zugleich kräftig tönendes Instrument von Jean-Baptiste Vuillaume aus der Zeit um 1855 erklingen. Julian Riem bildete mit ihr eine Einheit und meisterte unprätentiös und elegant die schwierigsten Passagen.

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Die 27-jährige Raphaela Gromes schnupperte als Siebenjährige beim Konzert ihrer Eltern, beide ebenfalls Cellisten, erstmals Bühnenluft. Sie studierte in Leipzig, München und Wien und besuchte Meisterkurse namhafter Cellisten wie David Geringas, Yo-Yo Ma oder Natalia Gutman. Julian Riem, einer der vielseitigsten Pianisten und Klavierbegleiter in der aktuellen Klassikwelt, studierte bei Michael Schäfer in München, Michel Béroff in Paris und Rudolf Buchbinder in Basel. Beide brachten große Erfahrung in der Kammermusik und auch als Solisten mit.

Ansprechend führte Riem durch den Abend, der mit einem Adagio und Allegro (op.  70) von Robert Schumann begann. Das ausdrucksstarke, spritzige Stück wurde für das neu erfundene Ventilhorn geschrieben, doch bereits in der Erstausgabe erlaubte der Komponist auch die Aufführung mit Violine oder Cello.

»Arpeggione«-Sonate war der nächste Programmpunkt benannt, nach dem 1823 vom Wiener Geigenbauer Johann Georg Stauffer erfundenen Instrument, eine Kreuzung zwischen Gitarre und Geige, für das Franz Schubert auf Bitte eines Freundes etwas komponierte. Versuche, das kuriose Instrument wiederzubeleben, scheiterten. Beliebt ist indes die Aufführung mit Cello. Auch aufgrund der ständigen hohen Lagen gilt das Stück als eines der schwierigsten der Literatur. Gromes meisterte alle Herausforderungen mit Geschmeidigkeit und Leichtigkeit, ohne es bei den großen schubertschen Gesten voller Poesie und Weltschmerz an Tiefe missen zu lassen.

Bemerkenswert waren die Intensität der Kantilene beim Adagio und Gromes' Fähigkeit, den Ton auch bei ganz dezent und kontrolliert aufgesetztem Bogen im Pianissimo noch voll klingen zu lassen. Überströmende Freude kennzeichnete das Spiel, das in eine verzückte Reprise mündete.

Nach der Pause stimmten Gromes und Riem mit sechs Liedern, die von David Geringas für ihre Besetzung bearbeitet wurden, auf die von seiner Hamburger Herkunft geprägte Gedankenwelt von Johannes Brahms ein. Titel wie »Feldeinsamkeit«, »Liebestreu«, »Minnelied« und das bekannte Wiegenlied »Guten Abend, gut' Nacht« ließen der mit Hingabe zelebrierten romantischen Naturverbundenheit und Schwärmerei viel Raum. Riem bettete die unendlichen Melodien mit butterweichem Anschlag ein, glockenähnlich oder murmelnd wie ein Bach.

Die Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 2 F-Dur op. 99 von Brahms spielten beide Musiker auswendig und hatten so Freiraum für das Feuer, die Unmittelbarkeit, die Energie dieser orchestral angelegten Musik. Typisch brahmssche Feierlichkeit wechselte im Allegro vivace mit ungestümer Virtuosität und viel Chromatik, etwa im mit wellenförmig geführtem Bogen vom Cello erzeugten, düsteren Klangnebel, in dem das Klavier prägnante Akkorde aufleuchten ließ. In andere Dimensionen führte das innige Adagio molto mit seinem markanten Pizzikato-Thema. Im stürmischen »Allegro appassionato« spornten die Musiker sich gegenseitig an und mit liedhafter Versöhnlichkeit und einem furiosen Finale endete die Sonate im »Allegro molto«.

Für den begeisterten Applaus boten die konditionsstarken Interpreten zwei charmante Zugaben von ihrer CD »Serenata Italiana«: eine Bearbeitung der berühmten Tenorarie »Largo al factotum« aus »Der Barbier von Sevilla« von Giacomo Rossini und eine »Romanze« von Leone Sinigaglia. Veronika Mergenthal