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Das abstrakte Phänomen der Unendlichkeit

Im Rahmen der ARTS Akzente-Ausstellung im Traunsteiner Kunstraum Klosterkirche, wo derzeit unter dem Titel »Im geistigen Raum« Skulpturen von Heinrich Kirchner und seinen Schülern Lothar Fischer, Paul Fuchs, Jürgen Hochmuth und Egon Stöckle zu sehen sind, ist nun auch im Park am Wochinger Spitz wieder eine neue Skulptur aufgestellt worden: »Spirale Eolica« von Paul Fuchs.

Die »Spirale Eolica« von Paul Fuchs steht im Park am Wochinger Spitz in Traunstein.

Der 1936 in München geborene Bildhauer Paul Fuchs studierte bei Professor Heinrich Kirchner an der Akademie der Bildenden Künste in München, stand diesem als Freund und kongenialer Handwerker zur Seite und verfolgte gleichzeitig seinen eigenen, sich von der bildhauerischen Arbeit des großen Lehrers abgrenzenden künstlerischen Weg. Einen herausragenden Stellenwert haben dabei seine avantgardistischen Musikexperimente mit neu erfundenen und selbst hergestellten Klanginstrumenten in den 1960er Jahren und seine zahlreichen Großskulpturen, die mittlerweile an vielen öffentlichen Plätzen in ganz Deutschland zu finden sind.

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Der seit etlichen Jahren in der Toskana lebende und arbeitende Künstler hat sich dort in einer rauen Gegend einen phantastischen »Giardino dei Suoni«, einen Garten der Klänge, geschaffen, wo sich bildende Kunst und neue Ton- und Klangwelten mit der Natur zu einem beeindruckenden Gesamtkunstwerk vereinen. Aus diesem Garten der Klänge stammt auch die nun für einige Monate im Park am Wochinger Spitz aufgestellte, hoch in den Himmel aufragende »Spirale Eolica« aus dem Jahr 2004.

Gesichert durch eine massive Bodenplatte steigt, wie ein Fahnenmast, ein schlankes Metallrohr in schwindelnde Höhe, an dessen Ende sich ein filigranes, zweiteiliges Windspiel aus Stahl befindet, das sich – je nach Witterungsverhältnissen – langsamer oder schneller bewegt. Die namensgebende Doppelhelix beschreibt dabei eine sich kontinuierlich und gegenläufig in die Höhe und Tiefe schraubende Linie, die – zumal vor dem Hintergrund eines blauen Himmels – ein beeindruckendes Beispiel für die bildnerische Darstellung des abstrakten Phänomens der Unendlichkeit ist. In diesem kinetischen Kunstwerk, dessen Antrieb von Kräften gesteuert wird, die vom Künstler nicht zu beeinflussen sind, ist die allein durch den Wind verursachte Bewegung ein integraler ästhetischer Bestandteil. Gerade das Wechselspiel von Natur und Kunst macht die Skulptur »Spirale Eolica« von Paul Fuchs zu einem besonders geeigneten Kunstwerk für die von der Stadt Traunstein konzipierte Reihe »Kunst im Park«.

Bevor die »Spirale Eolica« aufgestellt wurde, war es ein Betonohr von Hannes Stellner, das, halb eingegraben in die Wiese, ins Innere der Erde lauschte. Nun lädt die stählerne »Spirale Eolica« den Spaziergänger dazu ein, seinen Blick in die Höhe zu richten und in kontemplativer Betrachtung inne zu halten. »Kunst im Park« lotet einmal mehr die vielfältigen Möglichkeiten von Kunst im öffentlichen Raum aus.