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Dank Petrus endlich Premiere im Steinbruch

Inzell. Der erste Dank des jungen Regisseurs Max Holzner galt nach der gelungenen ersten Aufführung der bayerischen Räuberballade »Der Fetzer« dem heiligen Petrus: Nachdem zwei Generalproben und zwei Premierentermine ins Wasser gefallen waren, konnte die Inzeller Bauernbühne nun in einer lauen Sommernacht mit dem Dreiakter von Christian Kreß endlich Premiere feiern. Etwa 170 Besucher wollten sich das nicht entgehen lassen und waren begeistert. Bestens zum Stück passte die wildromantische, durch grünes Licht am Fels auch unheimliche Spielstätte – der alte Steinbruch am Falkenstein oberhalb der Max-Aicher-Arena.

»Der Fetzer« ist kein sogenannter Schenkelklopfer, sondern eher ein ernstes Stück. Anders als seine »Berufskollegen«, die zu Volkshelden wurden, wie Robin Hood im England des 12. Jahrhunderts oder der »Räuber Kneißl« im Raum Augsburg Ende des 19. Jahrhunderts wirkte der »Fetzer« genannte Räuber eher unsympathisch. Er macht aus seiner Grausamkeit keinen Hehl. Was er aber mit besagten anderen Räubern gemeinsam hat, ist, dass er der Gesellschaft mit ihrer Gier nach Macht und Geld einen Spiegel vorhält.

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Zur Handlung: Der Kreithmaier Veit (Gerhard Huber) haust mit seinen Neffen Ignaz und Zacharias, genannt Zacherl oder »Buale«, um 1874 in bitterer Armut auf einem Einödhof. Eines Tages taucht ein Fremder auf, der »Fetzer«. Die Rolle des skrupellosen, durchtriebenen Banditen, der im Grunde ein Gehetzter ist und von einem kleinen »Sacherl« mit ein paar Schafen in Neuengland träumt, spielt Thomas Nickel mit Bravour. Bald spannt er seine Gastgeber in seine Beutezüge ein. Beim Aufteilen des Geldes zeigt sich die immer größere Gier des einst so rechtschaffenen Onkels Veit, dessen herbe Charakterzüge Gerhard Huber bestens trifft. Und Ignaz, dessen Rolle Vinzent Plock wie auf den Leib geschnitten ist, wird zum ebenso durchtriebenen Kumpan des »Fetzer« und entfernt sich immer mehr von seinem gutmütigen Bruder Zacherl, den Valentin Schwaiger überzeugend darstellt. Die Weibsperson »Hannerl« (Gabi Steinbacher), die der Fetzer mitgebracht hat und die ihre Wirkung auf die Männer nicht verfehlt, zeigt eine gegenläufige Entwicklung: Sie bereut es, dass sie sich dem Fetzer und später mit Ignaz, von dem sie ein Kind im Leib trägt, eingelassen hat, und gesteht Zacherl ihre Liebe und will mit ihm fliehen. – Wie das Stück ausgeht, soll natürlich nicht verraten werden.

Eine wichtige Rolle im Stück nimmt auch Bepp Ausfelder als quasi Schicksal spielender Kartenleger vor der Kapelle ein: Seine Kommentare untermauern die Hintersinnigkeit der teils tragischen Begebenheiten. Auf jeden Fall ist Max Holzner mit seinem gesamtem Team das Regiedebüt geglückt. Die nächsten Spieltermine sind am Samstag, 7. Juli, Freitag, 27. Juli, Samstag, 11., 18. und 25. August sowie Samstag, 1. September, jeweils um 20 Uhr. vm