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Corona-Pause vorbei: Bundesliga spielt wieder

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Revierderby
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Die Spieler von Borussia Dortmund wärmen sich vor dem Revierderby gegen Schalke im Signal-Iduna-Park Spiel auf. Foto: Martin Meissner/AP-Pool/dpa Foto: dpa

Fußball auf Bewährung: Heute beginnt ein ganz besonderer Spieltag der Bundesliga. Dabei geht es in Zeiten der Corona-Krise um mehr als nur um die Ergebnisse.


Berlin (dpa) - Die Bundesliga hat 66 Tage nach dem letzten Spiel vor der Coronavirus-Zwangspause ihren Spielbetrieb wieder aufgenommen.

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Mit Partien ohne Stadionpublikum in Dortmund, Leipzig, Düsseldorf, Augsburg und Sinsheim startete die Eliteklasse des deutschen Fußballs in die Endphase der regulären Saison, die am 27. Juni mit dem 34. Spieltag enden soll. Zwischenfälle vor den Stadien wurden zunächst nicht bekannt. Die von einigen Kritikern des Neustart-Konzepts der Deutschen Fußball Liga befürchteten Fanansammlungen blieben rund um den Anpfiff aus.

Für die wenigen zugelassenen Menschen in den Arenen begann der Spieltag mit ungewohnten Maßnahmen. So wurde vor der Partie von RB Leipzig gegen den SC Freiburg am Einlass bei allen Personen Fieber gemessen, zudem standen zahlreiche Desinfektionsspender bereit. Das Stadion durfte nur mit Maske betreten werden.

Ungewohnt war das Bild auch für die TV-Zuschauer. Alle Reporter des TV-Senders Sky trugen bei ihren Auftritten vor Anpfiff in den Bundesliga-Stadien einen Mund-Nasen-Schutz. Laut Konzept der DFL müssen alle Personen in den Stadien mit Ausnahmen der aktiven Spieler und Schiedsrichter eine solche Maske tragen. Für die Trainer hatte die DFL die Maskenpflicht erst am Freitag aufgehoben. Interviews wurden zudem mit Abstand und aus einer speziellen Perspektive geführt.

Schon vor dem Anpfiff des Neustarts der Fußball-Bundesliga gibt es viel über die Partien des 26. Spieltags zu berichten:

BORUSSIA DORTMUND - FC SCHALKE 04

Hans-Joachim Watzke empfindet den Wiederbeginn als »surreal«. »Das ist schon gewöhnungsbedürftig«, sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund im TV-Sender Sky. Er sei zudem »sehr angespannt. Das hat zwei Gründe: Die sportliche Perspektive, aber auch, dass alles glatt geht.« Er habe sich deutlich für den Neustart der Bundesliga ausgesprochen, »da spürt man natürlich eine große Verantwortung«.

Watzke hält die Partien ohne Zuschauer in der Corona-Pandemie weiter für alternativlos. »Ich bin froh, dass es jetzt weitergeht«, sagte der 60-Jährige. Risikofaktoren für das Konzept der Deutschen Fußball Liga sieht er vor allem bei »menschlichem Versagen. Das ist nun einmal so«. Er habe aber »großes Vertrauen« in seine Spieler, sagte Watzke. »Wenn wir jetzt beweisen, das dieses Konzept trägt, wird auch die Zustimmungsrate in einigen Wochen eine ganz andere sein.«

Borussia Dortmund startet ohne Jadon Sancho in das Revierderby gegen den FC Schalke 04. Anders als erwartet, sitzt der englische Nationalspieler vom Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga im ersten Spiel nach der zehnwöchigen Corona-Zwangspause zunächst auf der Bank.

Sancho hatte schon in der Vorbereitung auf den Neustart über Muskelprobleme in der Wade geklagt. Zudem muss der BVB kurzfristig auf Giovanni Reyna verzichten. Der eigentlich für die Startelf vorgesehene Angreifer klagte beim Aufwärmen über Probleme und wurde durch Thorgan Hazard ersetzt. Gänzlich verzichten muss BVB-Coach Lucien Favre auf die Stammkräfte Axel Witsel, Emre Can, Marco Reus und Dan-Axel Zagadou. Den Gästen fehlen Omar Mascarell, Benjamin Stambouli und Ozan Kabak.

Schalke-Trainer David Wagner ist traurig über die leeren Ränge beim Revierderby bei Borussia Dortmund. »So ein Spiel hat ein anderes Ambiente verdient«, sagte der 48 Jahre alte Coach dem TV-Sender Sky. Aber angesichts der Lage in der Corona-Pandemie müsse man die besonderen Umstände annehmen. »Es hilft nichts, in der Vergangenheit zu schwelgen«, sagte Wagner. Statt vor mehr als 80.000 Zuschauern im Dortmunder Stadion wurde auch das traditionsreiche Derby wie alle Spiele der 1. und 2. Liga ohne Zuschauer ausgetragen.

RB LEIPZIG - SC FREIBURG

Vor dem Spiel zwischen RB Leipzig und dem SC Freiburg ist die Lage vor der Red Bull Arena ruhig geblieben. Weder auf der Festwiese direkt vor dem Stadion noch in den Fankneipen im Umfeld der Arena hatten sich gut eine Stunde vor dem Anpfiff Fans versammelt. Der Club hatte seine Anhänger zuvor eindringlich aufgefordert, nicht zum Stadion zu kommen. Über dem Gelände und dem Wohnviertel rund um die Arena kreiste zeitweise ein Helikopter. Es war allerdings unklar, ob es sich dabei um einen Polizeihubschrauber handelte. Der RB-Bus verließ das Gelände rund 70 Minuten vor dem Spiel, nachdem er die Mannschaft abgesetzt hatte.

Am Einlass zum Stadion wurde bei allen Personen Fieber gemessen, zudem standen zahlreiche Desinfektionsspender bereit. Das Stadion durfte nur mit Maske betreten werden.

Über die Stadionlautsprecher lief während des Aufwärmens der Teams Musik, allerdings deutlich leiser als sonst. Auch der Stadionsprecher schlug bei seinen Durchsagen eine moderate Tonlage an.

RB Leipzig verteilte vor dem Spiel Lunchpakete am Einlass. Darin enthalten: eine Banane, ein Apfel, ein belegtes Brötchen, ein Müsliriegel und ein Desinfektionsgel. Auf eine Dose seines Hauptsponsors verzichtete der Club. Den Medienvertretern auf der Tribüne war es zudem erlaubt, eigene Verpflegung mitzubringen.

Für Freiburgs Trainer Christian Streich ist der Bundesliga-Neustart ein besonderer Moment. »Für mich ist es eines der erfreulichsten Spiele, die ich bis jetzt hatte in der Bundesliga, auch unter eigenartigen Umständen«, sagte der 54 Jahre alte Coach vor der Partie bei RB Leipzig dem TV-Sender Sky. »So komisch es klingt, ich freue mich total. Weil ich nicht gewusst habe, wann wir wieder spielen können und ob wir überhaupt nochmal in der Saison wieder spielen können«, erklärte Streich.

Nach der Ankunft im Stadion hatte sich der SC-Trainer auch mit den Schiedsrichtern über die ungewöhnliche Situation mit Geisterspielen wegen der Corona-Pandemie ausgetauscht. Dabei sei man sich schnell einig gewesen: »Es geht darum, dass wir unserem Job nachgehen. Wir freuen uns wahnsinnig auf dieses Spiel«, sagte Streich.

Dass keine Fans im Stadion die Gastgeber aus Leipzig unterstützen durften, sah Streich indes nicht als Vorteil. »Es ist ein bisschen komisch, das wird es sein«, sagte er. »Wenn du auswärts spielst und die gegnerischen Fans sind voll da, das pusht dich auch als Auswärtsmannschaft«, fügte Streich hinzu.

FC AUGSBURG - VfL WOLFSBURG

Obwohl sie nicht ins Stadion dürfen, haben die Fans des FC Augsburg im ersten Bundesligaspiel nach der Corona-Pause ein Protestbanner im Stadion angebracht. Vor der Heimtribüne prangte ein Plakat mit der Aufschrift: »DER FUSSBALL WIRD LEBEN - EUER BUSINESS IST KRANK!« Die Augsburger empfangen den VfL Wolfsburg zum Auftakt der restlichen Saison.

Gegen wen das Plakat konkret gerichtet ist, war nicht ersichtlich. Viele Fan-Organisationen hatten in den vergangenen Wochen Kritik geübt am Plan der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Vereine, die Spielzeit unter diesen Voraussetzungen zu Ende bringen zu wollen.

Nach seinem Quarantäneverstoß verfolgt der neue Augsburger Cheftrainer Heiko Herrlich (48) das Spiel gegen den VfL Wolfsburg aus einer Loge im Stadion. »Der Abstand zur Mannschaft ist gegeben«, sagte FCA-Manager Stefan Reuter dem TV-Sender Sky.

Herrlich hätte eigentlich gegen Wolfsburg seinen Einstand auf der Bank der Augsburger geben sollen, verzichtete jedoch freiwillig, nachdem er öffentlich über einen unerlaubten Einkauf in einem Supermarkt während des Quarantäne-Trainingslagers Auskunft gegeben hatte.

»Das zeigt, dass er völlig gedankenlos war in dem Moment«, sagte Reuter zu dem Fauxpas. Herrlich habe schnell seinen Fehler eingesehen und die Konsequenzen gezogen. »Es tut ihm wahnsinnig leid und darauf sollten wir es beruhen lassen«, sagte der Manager.

Nach Rücksprache mit der Deutschen Fußball Liga hätte Herrlich das Geisterspiel gegen Wolfsburg sogar von einem Tribünenplatz anschauen dürfen. Laut Reuter sei der Logenplatz für den Coach aber »entspannter und ruhiger«. Am Spielfeld wird Herrlich von Co-Trainer Felix Zellner vertreten.

1899 HOFFENHEIM - HERTHA BSC

Bruno Labbadia geht trotz der erschwerten Bedingungen durch die Corona-Pandemie optimistisch in sein Debüt bei Hertha BSC. »Wir wollen nicht jammern, sondern Lösungen finden. Wir haben versucht, das Beste daraus zu machen«, sagte Labbadia im TV-Sender Sky vor der Partie bei der TSG Hoffenheim. Die Situation ohne Zuschauer und mit strengen Hygiene-Vorschriften sei »sicherlich nicht so, wie es normalerweise sein sollte«, sagte Labbadia, der vor gut fünf Wochen das Amt als Cheftrainer bei den Berlinern angetreten hatte.

Labbadia startet sein erstes Bundesliga-Spiel mit Hertha BSC ohne die Winter-Neuzugänge Krzysztof Piatek und Santiago Ascacibar. Beide sitzen beim Gastspiel bei der TSG 1899 Hoffenheim zunächst auf der Bank. In der Offensive setzt Neu-Coach Labbadia im ersten Spiel nach der gut zweimonatigen Corona-Pause auf Kapitän Vedad Ibisevic und Dodi Lukebakio. Bei Hoffenheim verzichtet Trainer Alfred Schreuder zunächst auf Mittelfeldspieler Dennis Geiger. Im Mittelfeldzentrum spielen stattdessen Sebastian Rudy und Florian Grillitsch.

FORTUNA DÜSSELDORF - SC PADERBORN

Rund um das Abstiegsduell Fortuna Düsseldorf gegen den SC Paderborn waren zunächst keine Menschenansammlungen erkennbar. Am Stadion neben dem Messe-Gelände am Rhein waren nur wenige Menschen unterwegs, Fans waren überhaupt nicht zu erkennen. Die Polizei kontrollierte mit etlichen Einsatzwagen das Gelände.

Im Stadion war es ruhig, nicht einmal Musik oder Ansagen eines Stadionsprechers gab es am Samstag über die Mikrofone. Beim Aufwärmen waren Kommandos oder Kommentare der Spieler und Trainer beider Teams teils deutlich zu hören.

Das Spiel ist vor allem für den Tabellenletzten SC Paderborn brenzlig. Verlieren die Ostwestfalen, wächst der Abstand auf Düsseldorf und den Relegationsrang bereits auf neun Punkte.

Beim Bundesliga-Letzten SC Paderborn kehrt Kapitän Uwe Hünemeier im Abstiegsduell bei Fortuna Düsseldorf in die Startelf zurück. Der 34 Jahre alte Routinier wurde von Trainer Steffen Baumgart zum ersten Mal seit dem sechsten Spieltag (2:3 gegen Bayern München) wieder in die Anfangsformation berufen.

Der Drittletzte Fortuna beginnt erstmals seit dem 19. Spieltag wieder mit Marcel Sobottka. Der 26 Jahre alte Defensivspieler ist Nutznießer der über zweimonatigen Spielpause aufgrund des Coronavirus. Der von etlichen Verletzungen geplagte Sobottka konnte sich in den vergangenen Wochen wieder an die Mannschaft heranarbeiten. Trainer Uwe Rösler setzt Torjäger Rouwen Hennings wie schon vor der Corona-Pause zunächst nur auf die Bank. Für beide Teams ist es das erste Geisterspiel in der Bundesliga überhaupt.