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Corona ist eine große Herausforderung für die Kliniken im Landkreis

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»Die Situation ist nach wie vor sehr angespannt und der personelle Aufwand für die medizinische Versorgung auf Isolier- und Intensivstationen ist enorm und bringt alle an Grenzen«, sagt Klinikensprecher Ralf Reuter. (Symbolbild: dpa) Foto: dpa

Traunstein – Die Situation in den Kliniken im Landkreis Traunstein »ist sehr angespannt«. Zum einen werden die Kapazitäten auf den Intensivstationen knapper, zum anderen infiziert sich auch immer wieder medizinisches Personal, sodass Pfleger, Krankenschwestern und Ärzte fehlen. Besonders »eng« war es um Weihnachten, wie das Traunsteiner Tagblatt erfahren hat. In dieser Zeit konnten Patienten vorübergehend nicht im nächstgelegenen Krankenhaus aufgenommen werden.


Insgesamt gebe es in Traunstein und Trostberg 45 Intensivbetten, »von denen meist mindestens 90 Prozent belegt sind«, sagt Ralf Reuter, Sprecher der Kliniken AG. Das seien jedoch nicht allein Covid-Patienten, wie er betont. »Die Situation ist nach wie vor sehr angespannt und der personelle Aufwand für die medizinische Versorgung auf Isolier- und Intensivstationen ist enorm und bringt alle an Grenzen.«

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Auf Nachfrage bestätigt der Klinikensprecher, »dass gerade vor Weihnachten die Lage sehr angespannt und eng war«. Es sei zwar gelungen, über das interne Disponentensystem im Klinikenverbund immer eine Versorgung von Patienten anzubieten, doch es sei nicht immer die nächstgelegene Klinik gewesen. Dass das nächste freie Bett rund um Weihnachten in Passau gewesen sein soll, stimme allerdings nicht. »Wir waren durchgehend aufnahmefähig«, betont Ralf Reuter. Doch im Rahmen der Krisenstäbe sei durchaus eine allgemeine Bettenknappheit im Umfeld registriert worden. »Angesichts der nach wie vor hohen Fallzahlen kann keine Entwarnung gegeben werden.«

Schwierige personelle Situation

Bekanntermaßen sei die personelle Situation in allen Kliniken bundesweit angespannt, betont Ralf Reuter auf eine entsprechende Frage – »auch bei uns«. Denn auch die Krankenhäuser haben mit vielen Erkrankten zu kämpfen. Zurzeit seien in den Standorten im Landkreis Traunstein insgesamt rund 50 Mitarbeiter positiv getestet, davon sieben Ärzte und rund 30 Pflegekräfte. »Die Zahl der tatsächlich symptomatisch Erkrankten ist dabei jedoch deutlich geringer«, betont der Sprecher der Kliniken AG.

Das Personal arbeite nach den aktuellsten Empfehlungen, Schutzmaterial sei genügend vorhanden und die Mitarbeiter würden regelmäßig von der Abteilung Krankenhaushygiene geschult. Doch man dürfe nicht vergessen: »Unsere Mitarbeiter sind mitten im Infektionsgeschehen – beruflich und als Teil der Bevölkerung.« Sie seien durch den hohen Anteil komplex erkrankter Patienten anderen Gefahren ausgesetzt als andere Betriebe, betont Ralf Reuter.

Einige Bereiche in den Kliniken seien derzeit nicht oder reduziert belegt, »um die personellen Kapazitäten für Isolier-, Verdachtsfälle und Intensivbereiche zu bündeln, aber auch weil nicht alle Leistungen angeboten werden«. Zudem lägen viele Patienten aus Schutz- oder Abklärungsgründen einzeln – was für das Personal mehr Arbeit bedeutet. »Viele planbare Eingriffe sind verschoben. Dieses reduzierte Angebot bedeutet allerdings nicht, dass lebenswichtige Operationen nicht stattfinden oder Verletzte nach Unfällen nicht versorgt werden können. Beides ist gewährleistet«, betont Ralf Reuter.

»Jeder tut, was er kann«

Doch was macht diese Ausnahmesituation mit den Mitarbeitern – eine enge Personaldecke, die ständige Angst vor einer Ansteckung und Dauerstress seit Wochen? »Jeder tut, was er kann, um dieser Herausforderung gerecht zu werden«, sagt der Klinikensprecher. »Es ist in der Tat eine anstrengende Ausnahmesituation, die uns seit Beginn der Pandemie – und auch besonders stark in der zweiten Welle – begleitet.«

Doch er spüre von Beginn an eine hohe Solidarität und Einsatzbereitschaft. »Täglich gibt es Krisenstäbe mit Verantwortlichen aller Standorte, um die Versorgung zu organisieren und Überlastungen zu minimieren. Das prägt alle und ist mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden.« Doch Ralf Reuter streitet nicht ab, dass es durchaus auch Ermüdungserscheinungen und Überlastungen gebe. »Das versuchen wir, so gut es geht, auszubalancieren.«

»Infektionsketten schnell durchbrechen«

Auf die Frage, warum sich die Kliniken AG zusätzlich noch um das Impfenzentrum kümmert – auch hier wird Personal gebunden, das dann nicht in den Krankenhäusern zur Verfügung steht – sagt Ralf Reuter: »Gerade weil die Pandemie uns so stark betrifft, sehen wir uns in Abstimmung mit beiden Landkreisen in der Verantwortung, die Impfung und den Gesundheitsschutz für die Bevölkerung rasch voran zu bringen. Zudem sind wir der größte medizinische Anbieter in beiden Landkreisen. Da liegt es nahe, sich verantwortlich einzubringen.«

Nicht jeder Mitarbeiter arbeite unmittelbar in der Patientenversorgung »und unser Leistungsangebot ist teilweise reduziert. So können wir das auch dank des herausragenden Engagements aller Mitarbeiter stemmen. Entscheidend ist einfach, die Infektionsketten durch die Impfung schnellstmöglich zu durchbrechen.«

KR

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