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Chinesen blättern 15 Milliarden für kanadische Ölfirma hin

Calgary/Hongkong (dpa) - China sichert sich mit einem Schlag riesige Öl- und Gasvorkommen rund um den Globus: Der von Peking kontrollierte Ölkonzern CNOOC will die kanadische Förderfirma Nexen für 15,1 Milliarden US-Dollar in bar (12,4 Mrd Euro) schlucken.

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Der von Peking kontrollierte Ölkonzern CNOOC will die kanadische Förderfirma Nexen für 15 Milliarden US-Dollar in bar (12,4 Mrd Euro) schlucken. Foto: How Hwee Young/Archiv Foto: dpa

Damit bekäme die Volksrepublik Zugriff auf Öl- und Gasreserven in Kanada, Nigeria, dem Golf von Mexiko und in der britischen Nordsee.

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Das Management beider Unternehmen sei sich einig, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung vom Montag. Der CNOOC-Verwaltungsratsvorsitzende Wang Yilin sprach von «spannenden Möglichkeiten», die sich durch den Zukauf ergäben. Die Mitarbeiter von Nexen würden eine wichtige Rolle beim internationalen Wachstum der Firma spielen, ergänzte CNOOC-Konzernchef Li Fanrong.

Nach Angaben von US-Medien handelt es sich um die größte Übernahme eines chinesischen Unternehmens im Ausland überhaupt. Nexen beutet unter anderem Ölsand-Vorkommen in seinem Heimatland aus und bohrt in der Tiefsee nach Öl und Gas. Die Volksrepublik war bereits in der Vergangenheit dadurch aufgefallen, dass sie sich jenseits ihrer Grenzen große Rohstoffreserven zusammengekauft hatte, um ihren immensen Bedarf an Energie und Material zu stillen.

Nur eine Stunde nach der Verkündung des Megazukaufs wurde ein weiteres chinesisches Milliardengeschäft bekannt: Der ebenfalls staatliche Energieriese Sinopec beteiligt sich für 1,5 Milliarden Dollar an der Öl- und Gasförderung der kanadischen Firma Talisman in der britischen Nordsee.

Die Megaübernahme von Nexen muss allerdings noch von den Behörden in Kanada, den USA, China und möglicherweise der EU gebilligt werden. Beim letzten großen Versuch, einen kanadischen Rohstoffkonzern zu schlucken, hatte sich die Regierung des Landes quergestellt: Der australische Bergbaukonzern BHP Billiton zog vor zwei Jahren sein 39-Milliarden-Dollar-Angebot für den Kaliförderer Potash zurück.

Auch CNOOC hatte schon einen herben Rückschlag in Nordamerika hinnehmen müssen: Die Chinesen waren im Jahr 2005 daran gescheitert, die US-Ölgesellschaft Unocal für 18,5 Milliarden Dollar zu übernehmen. US-Politiker hatten sicherheitspolitische Bedenken geltend gemacht. Am Ende griff der US-Ölkonzern Chevron zu.

In Kanada hat CNOOC bereits weitreichende Zugeständnisse gemacht, um die Regierung gnädig zu stimmen. So versicherten die Chinesen, dass das bisherige Management im Amt bleibe und auch kein Stellenabbau drohe. Überdies solle die Zentrale des gesamten Nord- und Zentralamerikageschäfts in Calgary angesiedelt werden.

Die Nexen-Aktionäre, die auch noch zustimmen müssen, ködert CNOOC wiederum durch einen satten Preisaufschlag von 61 Prozent zum Schlusskurs von letzter Woche. Sie sollen 27,50 Dollar je Stammaktie erhalten. Nexen-Anteilsscheine werden an den Börsen in New York und Toronto gehandelt.

Nexen-Mitteilung

Taslisman-Mitteilung

WSJ-Bericht