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Chinas Heimvorteil gefährdet Friedrich-Mission

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Bob-Bundestrainer
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Beklagt den Heimvorteil der Chinesen als Ungerechtigkeit: Bob-Bundestrainer René Spies. Foto: Tobias Hase/dpa Foto: dpa

Das fünfte WM-Double für Friedrich ist abgehakt, jetzt zählt nur noch Olympia 2022. Da möchte er als erster Pilot überhaupt seinen Doppel-Olympiasieg wiederholen. Doch mit André Lange könnte ausgerechnet der erfolgreichste Olympia-Pilot das Projekt verhindern.


Altenberg (dpa) - Die olympischen Rennen in Peking werden die bislang größte Herausforderung für Bob-Dominator Francesco Friedrich. Denn noch nie war der Heimvorteil so enorm wie in dieser corona-bedingten Situation.

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Sowohl die Homologierung - sprich die Zulassung der Bahn mit ausgesuchten Piloten - als auch die Olympia-Generalprobe mit dem Weltcup inklusive Trainingswoche wurden abgesagt. »Das ist völlig ungerecht, wir haben 40 Fahrten, die Chinesen locker zig hunderte Läufe - das ist ein unfassbarer Vorteil und hat mit Fairness nichts zu tun«, sagte Cheftrainer René Spies der Deutschen Presse-Agentur.

Er sieht auch die Regelung, dass die Heimmannschaft beliebig viel trainieren darf, längst überholt. Pikant: Normalerweise müssten die Chinesen vor Olympia mindestens drei Weltcup-Rennen absolvieren. Diese Regelung sei wegen Corona wohl ausgesetzt. Erste Fahrten im Yanqing Sliding Center sind für die Deutschen und die internationale Konkurrenz erst vom 5. Oktober bis zum 2. November möglich - das gab es noch nie.

Bislang durfte nur eine kleine Rodel-Delegation mit Julia Taubitz auf der komplett überdachten Bahn etwa 80 Kilometer nordwestlich von Peking im Gebiet des Xiaohaituo-Gebirges trainieren. »Ich hatte Tränen in den Augen. Die Bahn ist ein optisches Highlight«, sagte die Weltmeisterin und fügte an: »Die Länge ist vor allem mental belastend.« Denn die gut 1,6 Kilometer bis zur Ziellinie sind eine weitere Herausforderung.

Und auf diese sind die Chinesen dank Bob-Ikone André Lange, der seit 2018 Bob-Trainer in China ist, bestens eingestellt. Gemeinsam mit dem kanadischen Cheftrainer Pierre Lueders soll Lange die Schlittengarde des Riesenreiches für die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking fit machen. Lueders führte schon 2014 in Sotschi den Russen Alexander Subkow zum olympischen Double, ehe ihm die Medaillen wegen des Dopingskandals in Russland aberkannt wurden. In Pyeongchang führte Lueders als Cheftrainer den Südkoreaner Won Yun-jong im Viererbob zu olympisches Silber. »Er weiß genau wie es geht. Daher ist die entscheidende Frage? Was können sie am Start leisten. In der Bahn haben sie ja klare Vorteile«, meinte Spies, der allerdings die Wettkampfhärte unter Druck bei Olympia als Vorteil von Friedrich sieht. »Wohin kippt das Pendel?«, meinte Spies.

Der Thüringer Lange meinte mit seinem typisch verschmitzten Lächeln: »Ich kenne die Bahn genau, sie ist etwas ganz Spezielles.« Monatelang waren seine Sportler an der Bahn zum Training, da sie »aufgrund von Corona nicht raus durften. Sie haben so viele Fahrten absolviert, wie man sonst nur in zwei Saisons schafft«, betonte Lange. 2019 schaffte Ying Qing als Achte in Calgary schon den ersten Top-Ten-Platz im Zweierbob der Frauen, Shao Yijun debütierte bei den Männern als 14. im Weltcup. Die Grundlagen dafür schuf zuvor Ex-Weltmeister Manuel Machata, der die Chinesen ab 2015 das ABC des Bobfahrens lehrte, ehe die erfahrenen Olympioniken Lange und Lueders geholt wurden.

© dpa-infocom, dpa:210215-99-448219/3

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