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BVB unter Druck - Klopp: Fünf Minuten für Depressionen

Dortmund (dpa) - Selbst das Lob seines Münchner Kollegen konnte Jürgen Klopp nicht trösten. Den Hinweis von Pep Guardiola, gegen die «beste Kontermannschaft der Welt» gewonnen zu haben, quittierte der konsternierte Dortmunder Fußball-Lehrer reglos.

Gratulant
BVB-Coach Jürgen Klopp gratuliert Arjen Robben zum Sieg. Foto: Federico Gambarini Foto: dpa

Doch bei allem Frust über das am Ende viel zu deutliche 0:3 (0:0) im Bundesliga-Gipfel gegen den FC Bayern sprach er sich und seinen Spielern Mut für den nächsten Showdown zu. Denn schon am Dienstag steht sein Team im Champions-League-Duell mit dem SCC Neapel erneut unter Druck. «Ich habe den Spielern gesagt, ihr habt fünf Minuten für Depressionen, und dann geht es weiter», verriet Klopp und fügte an: «Wir haben gezeigt, dass wir von den Bayern nicht so weit weg sind.»

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Nach zuletzt drei Pflichtspiel-Niederlagen gegen den FC Arsenal, VfL Wolfsburg und den FC Bayern sehnt der Coach ein Erfolgserlebnis herbei. Schließlich läuft der ambitionierte Revierclub Gefahr, seine Ziele bereits nach gut einem Drittel der Saison aus den Augen zu verlieren. Auf nationaler Bühne liegt der übermächtige Rivale aus München bereits sieben Punkte vorn. Und in der europäischen Königsklasse muss ein Sieg her, um das frühe Aus in der Gruppenphase abzuwenden.

Ähnlich wie Klopp wollte auch Reinhard Rauball das 0:3 nicht als missratene Generalprobe für das Kräftemessen mit den Italienern werten. Kurz vor seiner Wiederwahl zum Vereinspräsidenten auf der BVB-Jahreshauptversammlung weckte der Jurist bei den anwesenden Mitgliedern neue Hoffnung: «Ich bin mir sicher, dass die Mannschaft am Dienstag das Gesicht zeigen wird, das wir von ihr erwarten.»

Die Zuversicht von Klopp und Rauball kommt nicht von ungefähr. Trotz großer Personalnot im Defensivbereich erwies sich der BVB lange Zeit als gleichwertiger Gegner. Doch wie so oft ließ die Chancenauswertung zu wünschen übrig. Robert Lewandowski, Marco Reus und Henrich Mchitarjan verpassten beste Gelegenheiten, um den seit nunmehr 38 Partien ungeschlagenen Triple-Sieger ins Wanken zu bringen.

«Spiele werden durch Tore entschieden. Und die machen wir nicht, wir sind nicht zielstrebig in den Aktionen», befand Roman Weidenfeller. Mit Wehklagen wollte sich der Keeper jedoch nicht lange aufhalten: «Ich denke, das Spiel am Dienstag ist noch viel wichtiger als das Spiel heute. Wir müssen gegen Neapel auf jeden Fall gewinnen.»

Als wäre die Situation nicht schwierig genug, muss Klopp erneut umstellen. Denn der von ihm trotz fehlender Spielpraxis überraschend in die Startelf beorderte Manuel Friedrich ist in der Champions League nicht spielberechtigt. Immerhin: Der im Sommer an der Hüfte operierte Außenverteidiger und in der 79. Minute eingewechselte Lukasz Piszczek feierte nach 182 Tagen ein Comeback. «Wir haben uns alle gewundert, wie weit er schon ist», kommentierte Klopp voller Hoffnung, den Polen schon in Kürze länger einsetzen zu können.

Zumindest ein Dortmunder empfand ansatzweise Freunde. Nur drei Tage nach seiner Blitzverpflichtung kehrte der ehemalige Nationalspieler Friedrich auf die Bundesliga-Bühne zurück. Die besondere Atmosphäre beim Duell der Branchenführer ging dem 34 Jahren alten und in den vergangenen Monaten vertragslosen Routinier nahe: «Unfassbar, dass ich bei so einem Spiel dabei sein durfte.» Selbstkritisch räumte Friedrich Defizite vor allem im Spielaufbau ein: «Ich habe gemerkt, dass Spielpraxis fehlt.»

Dass nicht nur der FC Bayern, sondern auch Bayer Leverkusen in der Tabelle mittlerweile besser dasteht als der BVB, stufte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lediglich als Momentaufnahme ein: «Unabhängig ob wir Dritter sind, ist Borussia Dortmund die zweite Kraft im deutschen Fußball.»