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Bürgermeister Nitschke: »Übersee ist stark, engagiert und aktiv«

Übersee. Eine geballte Ladung Ortsgeschehen und Gemeindepolitik sowie Zukunftsperspektiven hatte Übersees Bürgermeister Marc Nitschke in seiner 90-minütigen Rede für die rund 200 Besucher der Bürgerversammlung im Wirtshaus D´ Feldwies vorbereitet. Dabei zeichnete er ein Bild von einer aktiven, bürgernahen, investitionsfreundlichen und sozial hoch motivierten Gemeinde. »Übersee ist stark, engagiert und kann was bewegen«, sagte Nitschke unter Beifall.

Die Einwohnerzahlen von Übersee sind stetig und im Landkreisvergleich sogar überdurchschnittlich angestiegen. Mit 4934 Hauptwohnsitzen sei man nach den Worten des Rathauschefs auf dem bisherigen Höchststand angekommen – mit weiterhin steigender Tendenz. »Es ist wichtig, dass unsere Gemeinde attraktiv bleibt, um den Dreiklang Arbeiten, Wohnen und Freizeit zu erfüllen und damit die Zukunftsfähigkeit zu sichern.«

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Zu den wichtigsten Investitionen im vergangenen Jahr zählte Nitschke die Kinderkrippe St. Nikolaus für zwei Gruppen. Der Abschluss der Brandschutzmaßnahmen im Wirtshaus D´ Feldwies mit Kosten von rund 230 000 Euro war laut Bürgermeister darüber hinaus eine wichtige Maßnahme.

150 000 Euro für Straßensanierungen

Ein neues Schmuckstück für die Gemeinde habe man mit dem über 10 000 Quadratmeter großen Erholungs- und Freizeit-Areal des Chiemseeparks mit Liegeflächen, Grünbereichen, Spielplatz, Erlebnispfad, Bänken, Aussichtsplattform sowie getrennten Geh- und Radwegen geschaffen. Zudem seien die Julius-Exter-Promenade verschönert und verbreitert sowie die Parkplätze neu strukturiert und ihre Zahl verdoppelt worden. Weitere 150 000 Euro habe man in die Straßensanierungen im gesamten Gemeindegebiet gesteckt.

In punkto Bauen und Wohnen sei man laut Nitschke immer wieder bemüht, der großen Nachfrage nach Wohnungen und verbilligten Grundstücken nach dem Einheimischenmodell Rechnung zu tragen. In Planung seien zur Zeit 17 Parzellen am Waldweg, überwiegend für Überseer Familien.

Erfreulich hat sich nach den Worten des Rathauschefs die Situation bei den Firmen Deutz und Aircraft Philipp, Übersees größten Arbeitgebern, entwickelt. Investitionen, neue Arbeitsplätze und zukunftsfähige Konzepte sprächen für eine stabile Lage. Wermutstropfen gebe es dagegen in der Landwirtschaft. Von 1999 bis 2010 habe man 33 Betriebe verloren und stehe aktuell bei 60.

Negative Zahlen seien laut Nitschke heuer auch im Tourismus hinzunehmen. Bis zum 30. September seien die Gästezahlen um 14,67 Prozent und die Übernachtungen um 8,33 Prozent eingebrochen. Als Gründe machte er das Hochwasser im Juni und 8000 weniger Besucher beim »Chiemsee Reggae Summer« aus. In diesem Zusammenhang stellte er den Bürgern den Pinzgauer Mike Wielandner als neuen Leiter der Tourist-Info vor, der zum Jahresende Georg Schobersteiner ablösen wird.

In Sachen »Chiemsee Reggae Summer« gibt es laut Nitschke ein neues Konzept. Die Veranstaltung heißt künftig »Chiemsee Summer«, bietet ein breiteres Musikprogramm und dauert von Mittwoch bis Sonntag. Schon beim nächsten »Chiemsee Summer« vom 13. bis 17. August 2014 soll jeder Überseer eine Freikarte für einen Tag seiner Wahl bekommen.

Chiemseeufer: Entscheidung nicht vor 10. Dezember

Einen kurzen zeitlichen Abriss gab der Bürgermeister dann noch einmal über das mehrjährige Änderungsverfahren »Chiemseeufer«, an dessen Ende im Mai das Bürgerbegehren mit 928 Unterschriften stand. »Damals hat die Dorfgemeinschaft einige Schrammen davongetragen, und auch für mich war diese Zeit nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig«, gestand Nitschke.

Aufgrund von drei eingeholten Rechtsmeinungen habe der Gemeinderat das Bürgerbegehren für unzulässig erklären müssen. Begründet worden ist die Entscheidung mit einer unrechtmäßigen Fragestellung und drohenden Schadensersatzansprüchen durch eine mögliche Aufhebung von Baurechten. Eine Entscheidung über die von der Bürgerinitiative eingereichte Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof sei nicht vor 10. Dezember zu erwarten.

Einen breiten Raum widmete der Gemeindechef dem Hochwasser vom vergangenen Juni: »Das Ausmaß der Katastrophe war gigantisch, aber unter dem Strich sind wir noch mit einem blauen Auge davongekommen.« Privathaushalte, Landwirtschaft und Gewerbe hätten 275 Anträge auf Sofortgeld über 543 000 Euro und 14 Anträge auf Soforthilfe über 48 000 Euro gestellt. Auch die gemeindliche Infrastruktur hätte mit den Überschwemmungen in der Turnhalle und den Räumen des Schützenvereins sowie am Chiemseeufer und zahlreichen Straßen schwere Schäden von etwa 700 000 Euro davongetragen.

Mit einem Blick in die Zukunft ging er auf weitere große Herausforderungen ein. Da im Ort ein weiterer Bedarf für Krippenplätze besteht, soll noch heuer über eine mögliche Erweiterung des Kindergartens »Zellerpark« entscheiden werden. Als großes Thema, das die Gemeinde noch länger beschäftigen werde, bewertete der Bürgermeister die Gestaltung der Ortsmitte. Nach dem momentanen Stand sollen im alten Schulhaus das Rathaus und im jetzigen Rathaus ein Gemeinde- und Bürgerzentrum untergebracht und das alte Feuerwehrhaus abgerissen werden. Eine genauere Planung startet 2014.

Am Bahnhof will die Gemeinde dem gestiegenen »Park & Ride«-Bedarf mit 22 weiteren Parkplätzen und 65 Fahrradstellplätzen gerecht werden. Darüber hinaus seien Sanierungen von Straßen, Brücken und vom Kanalnetz zu bewältigen. Auf der Agenda stünden zudem weiterhin ein Senioren- und Pflegeheim und die Gestaltung der Feldwieser Straße. (Ein Bericht über die anschließende Diskussion folgt.) bvd