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Britische Shoegaze-Ikonen Ride: So geht Comeback

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Ride erfreuen sich an ihrer neu gefundenen Kreativität. Foto: Steve Gullick Foto: dpa

So manches Comeback ergibt keinen großen Sinn, im schlechtesten Fall riecht es nach Fan-Abzocke. Beim zweiten Album der Shoegaze-Ikonen Ride nach langer Abwesenheit kommt dieser Verdacht nie auf.


Berlin (dpa) - Fast alles kehrt irgendwann zurück im Pop, so auch der in den späten 80er und 90er Jahren als Shoegaze bekannt gewordene Alternative-Rock um Gitarrenbands wie Slowdive, Lush, My Bloody Valentine - und Ride.

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Letztere feierten 2017 ein sehr solides Comeback nach 20 Jahren Abstinenz mit »Weather Diaries«, das Platz 11 der britischen Albumcharts erreichte. Auf ihrem neuen Werk »This Is Not A Safe Place« (Wichita Recordings) spielt sich die Band - erneut unter der Produzenten-Aufsicht von Erol Alkan - so richtig frei. Die Platte dürfte mit ihrem Mix von klassischem Brit-Gitarrenrock, Dreampop, Postpunk und großen Hymnen das abwechslungsreichste der 1988 beginnenden Ride-Karriere sein.

Das Quartett aus Oxford mit den beiden Frontmännern Mark Gardener und Andy Bell (beide Gesang/Gitarre) findet auf seinem erst sechsten Studioalbum seit 1990 den perfekten Mittelweg: zwischen Schroffheit (im Opener »R.I.D.E.«), schwärmerischen Melodien (»Clouds Of Saint Marie«, »Jump Jet«), hypnotischen Balladen (»Shadows Behind The Sun«) und epischen Songstrukturen (in »Dial Up« oder dem neunminütigen Closer »In This Room«).

Besonders hervorzuheben sind daneben »Eternal Recurrence«, das den Terroranschlag auf den Pariser »Bataclan«-Club im November 2015 zum Thema nimmt, und vor allem »15 Minutes«. Wenn hier nach eineinhalb Minuten hochentspannten Softpops plötzlich dröhnende Grunge-Gitarren in die Idylle einbrechen, wird das Stück zu einem der tollsten Songs dieses Sommers.

»This Is Not A Safe Place« wurde innerhalb weniger Wochen 2018/19 »in einer Flut aus neu gefundener Kreativität und der Freude, wieder zusammen zu spielen« eingespielt, verrät das Ride-Label. Man kann die Euphorie, als nun nicht mehr jugendliche Shoegaze-Band einige neue Wege einzuschlagen, tatsächlich hören. Ja, so darf ein Comeback klingen, ohne den Verdacht einer Altfan-Abzocke zu erwecken.

Konzerte im Januar/Februar 2020: 30.01. Köln - Gloria, 31.01. Hamburg - Grünspan, 02.02. Berlin - Festsaal Kreuzberg, 03.02. München - Strom

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