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Brennpunkte in Traunstein: Daxerau und Bahnhofsviertel

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Tennishallen-Abriss in der Daxerau und Bahnhof waren Themen bei Bürgerversammlung in Traunstein
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Anwohner wehren sich gegen das neue Wohngebiet mit 13 Gebäuden, das nach dem Abriss der Tennishalle in der Daxerau entstehen soll. (Foto: Reiter)

Traunstein – Angesichts der extremen Schneefälle in den vergangenen Wochen durfte man annehmen, dass dies das wichtigste Thema bei der ersten der vier Bürgerversammlungen in Traunstein sein würde. Weit gefehlt – es gab nicht eine einzige kritische Wortmeldung zum Räum- und Streudienst, der in der Großen Kreisstadt immer wieder im Mittelpunkt der Kritik steht.


Im Gegenteil: Waltraud Blach dankte dafür, dass alles so gut geklappt habe. Sie habe sich geärgert, dass »Leute aus Siegsdorf in Leserbriefen den Räumdienst in Traunstein kritisieren.« Ihr Hauptanliegen, so Blach, sei jedoch das Feuerwerk an Silvester. Angesichts der enorm hohen Feinstaubbelastung wollte sie von Oberbürgermeister Christian Kegel wissen, ob die Stadt das nicht verbieten könne; allein schon wegen der Brand- und Verletzungsgefahr. Dazu habe die Stadt kein Recht und es gebe dafür keine Satzung, antwortete das Stadtoberhaupt.

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Kegel hatte in seinem gut halbstündigen Bericht Themen wie den Stillstand im Bahnhofsbereich ebenso ausgeklammert wie die Problematik der Bebauung in der Daxerau. Beides wurde jedoch in der anschließenden Fragerunde angesprochen. Klaus Kauf kritisierte, dass beim »Schandfleck Güterhalle« seit Jahren nichts seitens der Stadt geschehe. Und auch der Stillstand der Planungen im Bahnhofsbereich sei schwer zu verstehen. Zu letzterem sagte der Oberbürgermeister, die Stadt sei der kleinste Grundstücksbesitzer in diesem Bereich, habe jedoch die Planungshoheit. Bis Mai solle das Bieterverfahren der Firma Bundeseisenbahnvermögen abgeschlossen sein. Dann müsse die Stadt entscheiden, ob sie ihr Vorkaufsrecht ausüben werde.

Aufgebrachte Anwohner der Daxerau meldeten sich ebenfalls zu Wort. Sie befürchten, dass ihre Häuser und Grundstücke »absaufen«, wenn das geplante Wohnbauvorhaben auf dem Gelände der ehemaligen Tennishalle verwirklicht wird. Evi Kern und Alexander Callegari als direkt Betroffene äußerten ihre Befürchtungen und fragten unter anderem, ob die Stadt die Haftung übernehmen werde, wenn es so schlimm kommt, wie sie befürchten. »Die Stadt kann keine Haftung übernehmen«, sagte dazu unmissverständlich der Oberbürgermeister. Er betonte, dass renommierte und »vereidigte Büros« die Gutachten machen und man darauf vertrauen könne. Zu der von Evi Kern angesprochenen Kritik der Gemeinden Nußdorf, Traunreut und Altenmarkt sagte Kegel, »ich finde es nicht in Ordnung, was da abläuft.«

Alexander Callegari kritisierte Aussagen der Pressesprecherin der Stadt, wonach keine Bauanträge für den Bereich Daxerau vorlägen. Tatsächlich gebe es Anträge, wie man ihm von anderer Seite in der Stadtverwaltung bestätigt habe. Der Leiter des Baurechtsamts bei der Stadt, Bernhard Glaßl, beschwichtigte mit Blick auf die geplante Wohnbebauung, »es gibt keine Auswirkungen auf die Nachbarschaft – sagt der Gutachter«.

Weitere Anfragen gab es zum Thema Abwassergebühren und zur Elektromobilität. Dr. Christoph Luckas, der ein Elektroauto fährt, bezeichnete das Angebot an Elektro-Ladestation im Stadtbereich als nicht attraktiv. Die Preisgestaltung liege bei den Stadtwerken, sagte dazu der Oberbürgermeister. Die Kritik, dass man zum Beispiel am Bahnhof und am Karl-Theodor-Platz an den Ladestationen auch noch die Parkgebühren bezahlen müsse, wies er zurück. In der Zeit des Aufladens könne man ja Erledigungen machen und müsse deshalb genauso Parkgebühren bezahlen wie jeder andere Nutzer des Parkplatzes.

Vor der Fragerunde der Bürger hatte Oberbürgermeister Christian Kegel in einem gut halbstündigen Vortrag über die Traunsteiner Stadtpolitik berichtet. Er informierte die zahlreichen Besucher über Eckdaten des Haushalts und die finanzielle Situation. Zum Thema Klosterkirche wusste er nichts Neues zu berichten. »Die Arbeiten haben leider so ihre Tücken« und »die Stadt muss in den sauren Apfel beißen« waren Aussagen zur zeitlichen Verzögerung und zur Kostenexplosion an dieser Baustelle. Sicher war es für die Teilnehmer der Bürgerversammlung kein Trost, dass es auch beim Bau der Turnhalle am Annette-Kolb-Gymnasium zeitliche Verzögerungen gibt. »Auch die Kosten sind enorm gestiegen«, sagte der Redner. Wenn die Halle im Herbst fertig sein wird, werde das für die Stadt, die sich mit 5,5 Millionen Euro an dem Bauprojekt beteiligt, ein Gewinn sein.

Kegel ging auch auf den Wohnungsbau in Traunstein ein. Er erwähnte den Neubau der Stadt im Haidforst, wo für 2,8 Millionen Euro zwölf neue Wohnungen geschaffen werden. Derzeit habe Traunstein rund 300 Wohnungen, die vorwiegend von sozial schwachen Menschen angemietet sind. In diesem Jahr sind zwei Millionen Euro für den Ankauf von Grund vorgesehen. Man hoffe Land zu erwerben, um Baugrund im Ansiedlungsmodell ausweisen zu können.

Nächste Themen waren die Abwasserbeseitigung sowie der Kanal- und Straßenbau in Traunstein. Die Kosten für die Feuerwehren werden im Vergleich zu 2018 von rund einer halben Million auf 1,3 Millionen Euro steigen. Hauptgrund dafür ist der Bau des neuen Feuerwehrhauses auf dem Hochberg. Wenn der Schuldenstand der Stadt von 28,4 Millionen Euro bis 2021 auf 32,9 Millionen Euro steigen werde, so geschehe das deshalb, um eine nachhaltige Stadtentwicklung zu erreichen, betonte Kegel.

Die nächste Bürgerversammlung findet am morgigen Donnerstag in Rettenbach im Gasthaus Jobst statt. Am Dienstag, 12. Februar, legt Kegel in Haslach im Pfarrsaal Rechenschaft ab und Donnerstag, 14. Februar, im Brauereiausschank Schnitzlbaumer. Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. -K.O.-

 

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