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Brasilien staunt über »FIFA-Gate«

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"Fifa Go Home"
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"Fifa Go Home": 2013, ein Jahr vor der Fußball-WM, entlud sich die Wut der Brasilianer über die horrenden Kosten des Spektakels. Foto: Sebastiao Moreira/Archiv Foto: dpa

Rio de Janeiro (dpa) - Weltmeister Romário ließ eigentlich nie einen Zweifel daran, was er von der FIFA und Brasiliens Verband CBF hält: Verbrecher, Diebe, skrupellose Korrupte und Ratten - so titulierte er seit Jahren die Top-Funktionäre der Fußballwelt.


Dort war er einst als hitziger Star-Stürmer unterwegs. Als Politiker und Senator hat er von seinem Temperament nichts eingebüßt. »Diebe müssen ins Gefängnis«, polterte er und freute sich über den Coup, bei dem auch der frühere CBF-Chef José Maria Marin ins Netz ging. Der 83-Jährige war vielen Brasilianern suspekt.

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Das kommt nicht von ungefähr. Der ehemalige Politiker in der Diktaturzeit (1964-1985) wurde schon früher mit Korruption in Verbindung gebracht und stand als CBF-Boss in einer unrühmlichen Tradition.

Sein Vorgänger Ricardo Teixeira verließ das Amt nach massiven Korruptionsvorwürfen und auch der frühere CBF-Präsident und mächtige FIFA-Boss João Havelange (99) überstand die Korruptionsskandale letztlich nicht ganz ungeschoren. Er musste den Stuhl des FIFA-Ehrenpräsidenten räumen und flog beim IOC raus. Ausgerechnet Brasilianer, denen eigentlich der Fußball über alles geht, haben sich mit Fouls besonders hervorgetan. Immer ging's um Millionen.

Tageszeitungen, Nachrichtensendungen und Online-Portale sind in Brasilien seit Mittwoch übervoll mit den Vorgängen rund um »FIFA-Gate«, wie der Skandal in den Medien genannt wird. Die FIFA hatte in Brasilien nie besonders viele Sympathisanten. Das bekam der Verband 2013 - ein Jahr vor der WM - zu spüren, als Hunderttausende auf die Straße gingen und dabei die Korruption in der Regierung und soziale Missstände anprangerten, aber auch den Weltverband attackierten und »FIFA go home« riefen.

Bis jetzt wurden keine ernsthaften Vorwürfe laut, dass es möglicherweise bei der WM-Vergabe an Brasilien nicht ganz sauber lief. Für die Zeitung »Folha de São Paulo« wäre dies ein Schreckensszenario: »Man stelle sich vor, was passierte, wenn sich herausstellte, dass die Wahl Brasiliens nicht nur der Naturschönheit geschuldet war und der Leidenschaft für den Sport, den die FIFA kommandiert. Das wäre ein immens größerer Schock als das 7:1, das Deutschland Brasilien zufügte.«

In Brasilien ordnete Justizminister José Eduardo Cardozo Ermittlungen an. Die Staatsanwaltschaft soll Sponsorenverträge und Abmachungen für Übertragungsrechte unter die Lupe nehmen. Der CBF zeigte sich kooperativ und übergab der Ermittlungsbehörde bereits Vertragsdokumente. Auch Präsidentin Dilma Rousseff äußerte sich zu den Vorgängen. »Ich finde alle Weltmeisterschaften, alle Aktivitäten müssen untersucht werden«, so Rousseff, die damit auch das Vergabeverfahren für die Fußball-WM 2014 in Brasilien meinte.

CBF-Chef Marco del Nero reiste indes vorzeitig aus Zürich ab und kam am Freitag in aller Früh in Rio an. Ihm wurde die Debatte in Brasilien zu heiß, um sie aus der Ferne in der Schweiz zu verfolgen. »Die Festnahme von Marin hat mich tief geschockt, jetzt werden wir die Ereignisse abwarten«, sagte er bei seiner Ankunft in Rio. Er wurde am Freitag in dem 2014 eingeweihten Verbandsgebäude in Rio erwartet. Bis Donnerstag hieß das CBF-Headquarter übrigens noch José Maria Marin. Der Schriftzug wurde nach der Festnahme des Ex-Präsidenten sicherheitshalber entfernt.

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