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Bischofswieser »Know-how« am Olympiaberg

Bischofswiesen/München - Ein wenig hat Felix Neureu-ther seinen grandiosen Weltcupsieg vom Neujahrstag am Münchner Olympiaberg auch den Bischofswiesern zu verdanken. Immerhin schafften es der hiesige Wintersportverein (WSV) und die Firma Heitauer mit ihrer jahrelangen Götschen-Erfahrung und technischem Know-how, eine Piste zu präparieren, die locker bis ins Finale durchhielt. In Anbetracht des Tauwetters sicher eine Meisterleistung der Bischofswieser Techniker inklusive des Bischofswieser Rennleiters Bernhard Heitauer, über die sich 17 000 Zuschauer vor Ort und ein Millionenpublikum an den Fernsehbildschirmen freuen durften.

In roter Einheitskleidung waren die Bischofswieser Helfer auch während des Wettkampfes am Münchner Olympiaberg im Präparierungs-Einsatz. Fotos: privat

Es war unmittelbar nach Kriegsende im Jahr 1945, als im südlichen Randbereich des Münchner Oberwiesenfelds ein 1 300 Meter langer und bis zu 60 Meter hoher Hügel aus Bombenschutt aufgetürmt worden war. 40 Jahre später fanden dort Damen-, später Snowboard-Rennen sowie Abfahrten auf Schlittschuhen statt. 2011 machte erstmals der Herren-Weltcup mit einem Parallelslalom Station in München. Nach dem wetterbedingten Ausfall im letzten Jahr konnten heuer im Vorfeld so große Schneereserven angelegt werden, dass einer Weltcup-Wiederholung nichts im Wege stand.

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Keine Frage für die Bischofswieser, dass sie hier den Münchnern wie bereits vor zwei Jahren wieder helfend zur Seite stehen würden. Schließlich hatte der WSV schon bei den Weltcuprennen Ende der 90er-Jahre und Anfang des neuen Jahrtausends bewiesen, was er organisatorisch drauf hat. Zusammen mit der Firma Heitauer engagierten sich diesmal insgesamt 85 Helfer aus Bischofswiesen in München und unterstützten die Olympiaparkgesellschaft bei den Vorbereitungen des Parallelslaloms fernab von den »echten« Bergen.

Wegen des Tauwetters stand lange nicht fest, ob das Skispektakel tatsächlich stattfinden würde. Doch am 26. Dezember haben Hans Pieren vom Internationalen Skiverband FIS, OK-Chef Frank Seipp von der Olympiaparkgesellschaft, der Bischofswieser Rennleiter Bernhard Heitauer und Streckenchef Werner Böhm grünes Licht gegeben, was sich später als richtige Entscheidung herausstellen sollte.

Das Wetter hatte bekanntlich seit Weihnachten Kapriolen geschlagen, was auch den Bischofswiesern zum Verhängnis wurde. »Wir hatten 14 000 Kubikmeter Maschinenschnee produziert, alles sah sehr gut aus. Doch pünktlich an Weihnachten kam das Tauwetter und so sind circa 8 000 Kubikmeter der weißen Pracht wieder geschmolzen«, blickt Pistenchef und Rennleiter Bernhard Heitauer zurück. Daraufhin sprang Reit im Winkl ein und versorgte München mit noch einmal ausreichend Maschinenschnee. Nachdem der Reit im Winkler Schnee im Zielbereich zwischengelagert worden war, präparierte der verantwortliche Schneemeister und Pistenbullyfahrer Jakob Hallinger mit seinem Helfer Martin Graitl mit der Windenmaschine den Hang zwei Tage und Nächte lang.

Begonnen hatten die Arbeiten der Firma Heitauer mit fünf Arbeitskräften aber viel früher. Die Schneemeister wohnten bereits ab 16. November im Wohnwagen direkt am Olympiaberg. An Heiligabend standen die Schneemeister in Bereitschaft, konnten aber wegen der Wärme nicht schneien. Ab dem 28. Dezember befand sich auch der Weltcup-Renndirektor des Internationalen Skiverbandes, Hans Pieren, in jungen Jahren Weltklasserennläufer aus der Schweiz, im Dauereinsatz.

An den letzten zwei Tagen vor dem Weltcup wurde schließlich mit Injektions-Sprühbalken (siehe Kasten) und Salz gearbeitet. »Die Mischung und die Menge an Salz bleiben das Geheimnis von Hans Pieren und mir«, sagt Pistenchef Bernhard Heitauer, der ab dem 27. Dezember mit 25 Helfern vom WSV Bischofswiesen in München im Einsatz war.

Ganz nebenbei mussten ja auch noch die Zäune gebaut werden. Hierzu kamen für einige Stunden noch zehn Helfer vom SC Garmisch, die auch am Sprühbalken mithalfen, aber sich auf das »Know-how« der Bischofswieser Profis verließen. Warum der Fernsehkommentator dann immer wieder von den Garmischern als Pistenpräparatoren sprach, weiß man nicht. Den fleißigen Helfern des WSV Bischofswiesen jedenfalls gefiel es nicht, dass sie im Fernsehen ignoriert wurden. »Wir wissen nicht, was mit dem Fernsehsprecher los war. In sämtlichen großen Zeitungen und auch vom Streckensprecher wurde der WSV Bischofswiesen jedenfalls hervorgehoben und gelobt«, sagt Bernhard Heitauer.

Immerhin waren ja zwei Tage vor dem Wettkampf noch einmal 55 Helfer aus Bischofswiesen mit dem Bus nach München gekommen, sodass der WSV zusammen mit der Firma Heitauer mit insgesamt 85 Personen im Einsatz war. Am Ende gab es für 17 000 Zuschauer an der Strecke sowie für den Bischofswieser Tross ein schönes Abschlusserlebnis durch den Weltcupsieg von Felix Neureuther. cw