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Dr. Daniel Müller sprach bei der Pressekonferenz auch über die Schneebruchschäden und deren gravierende Folgen. (Foto: Klein)

Bilanzpressekonferenz des Forstbetriebs Berchtesgaden: Klimawald für kommende Generationen

Berchtesgaden – Der Forstbetrieb Berchtesgaden setzt auf Nachhaltigkeit. Im Vordergrund steht dabei, den Wald so zu bewirtschaften, dass er nicht nur aktuellen Ansprüchen genügt, sondern dass diese auch in Zukunft erfüllt werden können. Aus diesem Grund präsentierte Dr. Daniel Müller bei einer Pressekonferenz neben einem ausführlichen Zahlenwerk auch die Projekte, die im Forstbetrieb angestoßen worden sind und erklärte, warum es so wichtig ist, den Wald zukunftsfähig zu machen.


»Wir wollen und müssen den Wald so bewirtschaften, dass er dieser und den nächsten Generationen dient«, so der Forstbetriebsleiter. Früher hätte man den Nutzen des Waldes oft auf das Holz beschränkt, heute weiß man, dass dieser auch als Wasserrückhalt und als Schutz vor Steinschlag, Muren oder Lawinen dient. »Hinzu kommen auch Faktoren wie Naturschutz, Biodiversität, Erholung und Lebensraum.«

In Zeiten des Klimawandels sei es deshalb besonders wichtig, den Wald in einen Klimawald umzubauen. »Nur ein genutzter Wald ist ein Klimawald.« Bäume speicherten CO2, wenn das Holz verarbeitet und später beispielsweise in Häusern verbaut werde. Würden die Bäume dagegen nur umfallen und verrotten, würde das CO2 viel schneller wieder in die Atmosphäre gelangen. Durch die Verwendung von Holz würde man auch das CO2 einsparen, das sonst beispielsweise bei der Herstellung von Zement entstehen würde.

Die Erderwärmung hat dabei gravierende Auswirkungen: In den letzten Jahren herrschte über die Sommermonate in Deutschland häufig Dürre. »Im Landkreis waren wir vor allem 2018 und 2019 betroffen«, sagtDr. Müller. Das führte dazu, dass die Transpiration, also die Verdunstung über Nadeln und Blätter, stieg. Auch der Boden trocknete aus. »Die Wälder stresste das.« 2021 habe es hingegen viel geregnet, die Bäume konnten sich revitalisieren und Harz bilden, was wiederum sehr wichtig sei, um den Borkenkäfer abwehren zu können. Problematisch sei aber gewesen, dass noch viele Schneebruchschäden aus den Jahren zuvor aufgearbeitet werden mussten. »Ich will meinen Mitarbeitern ein großes Lob aussprechen, denn hätten sie nicht alles gegeben, stünden wir jetzt nicht so gut da.« In Zahlen bedeutet das: Im Geschäftsjahr 2019 mussten rund 70 000 Festmeter aufgearbeitet werden, im Geschäftsjahr 2020 waren es 130 000. »Für 2021 blieben dann noch rund 10 000 Festmeter übrig«, so Dr. Müller. Durch die Schneebruchschäden stieg auch der Anteil an Käferholz. Zudem konnte der vorgesehene Einschlag von 103 000 Festmetern Holz weder im Jahr 2019 noch 2020 erfüllt werden. »2021 lagen wir mit rund 91 000 Festmetern aber wieder unter der Vorgabe.« Auch künftig wird der Forstbetrieb weiter einsparen müssen, um seine Einschlagsziele zu erreichen.

Übertroffen hat der Betrieb sein Soll in den Bereichen Jungwuchspflege, Jungdurchforstungspflege, Kulturflächen und Einschlag Fichte, Tanne sowie Buche. Das Geschäftsjahr 2021 schließt der Forstbetrieb Berchtesgaden mit einem Minus von 1,83 Millionen Euro ab. »Im Vergleich zu 2020 (minus 2,14 Millionen Euro) haben wir uns ein bisschen verbessert.« Das liege unter anderem daran, dass Kosten für Holzernteleistungen weggefallen sind. 2021 hingegen habe man viel in die Nachhaltigkeit investiert, »das ist aber gut investiertes Geld«.

Auch was die Abschüsse betrifft, hat der Fortbetrieb Berchtesgaden die Vorgaben erfüllt. In Summe sind 1 705 Tiere erlegt worden, das entspricht einem Jagderfolg von 109 Prozent. Zudem würden die Abschusszahlen zu tolerierbaren Verbisszahlen führen. Diese lagen 2021 bei 3,7 Prozent. »Es ist mir auch wichtig, klarzustellen, dass wir weder mehr jagen, wenn das Fleisch in der Wildboutique knapp wird, noch mehr Bäume fällen, wenn die Holznachfrage steigt«, sagt Dr. Daniel Müller.

Ein besonderer Höhepunkt sei das Bartgeierprojekt gewesen, das die Bayerischen Staatsforsten unterstützten. Zudem wurden auch wieder die Gämsen im Rahmen des Gamswildmonitorings gezählt. 2020 waren es 167, 2021 250. »Es wird ja immer wieder diskutiert, ob es nun zu viele oder zu wenig sind, die Untere Jagdbehörde gibt Entwarnung, der Bestand hat sich in den letzten 25 Jahren nicht verändert.« Um aus dem Monitoring verwertbare Daten ziehen zu können, muss dieses jedoch über viele Jahre hinweg durchgeführt werden. Glücklich ist Dr. Müller auch über das Eibenprojekt. Mit der Pflanzung neuer Bäume und der Zählung des Bestands will er den Baumbestand im heimischen Wald stärken.

LK