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Biedermann nach dominantem Jahrzehnt vor ungewisser DM

Wuppertal (dpa) - Die Zeiten haben sich auch für Paul Biedermann geändert. Vor einem Jahr sorgten er und Freundin Britta Steffen mit Kritik an der Führung des Deutschen Schwimm-Verbandes schon vor den nationalen Kurzbahn-Meisterschaften für Aufregung.

Entspannt
Paul Biedermann tritt bei den Kurzbahn-DM in Wuppertal über die 200 und 400 Meter Freistil an. Foto: Sebastian Kahnert Foto: dpa

Damals ließ der Weltrekordler seiner Attacke starke Leistungen und wenig später den WM-Titel folgen, nun ist die Situation vor den diesjährigen Titelkämpfen in Wuppertal eine andere. In der Schwimmoper ist der 27-Jährige nach einem Jahrzehnt seiner Dominanz angesichts seiner langen Pause nicht mehr automatisch der Topfavorit - eine Serie könnte reißen: Seit 2003 ist Biedermann bei jeder Teilnahme zu mindestens einen deutschen Kurzbahn-Titel geschwommen.

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Das wird nun aber alles andere als ein Selbstläufer. In der deutschen Rangliste ist Biedermann derzeit nur Vierter über 200 Meter Freistil und Sechster über die doppelte Distanz. Allerdings sind diese Zahlen nicht sehr aussagekräftig, da der Weltmeister von 2012 erst vor anderthalb Wochen in Riesa mit Vollbart seinen ersten Kurzbahn-Wettkampf des Jahres bestritt. «Ich bin gespannt, welche Leistung meinerseits möglich ist», hieß es von Biedermann per Pressemitteilung. In der vergangenen Woche gab der Weltmeister seinen Verzicht auf die EM in Herning/Dänemark (12. bis 15. Dezember) bekannt, weil er sich «international noch nicht für konkurrenzfähig» hält.

Wie schwer der Weg zurück nach längerer Pause ist, weiß Biedermann aus erster Hand. Lebensgefährtin Britta Steffen fand nach über einjähriger Pause 2011 nicht zur Form der Vorjahre, auch Franziska van Almsick machte zu ihrer aktiven Zeit diese bittere Erfahrung. Nach Britta Steffens Rücktritt ist Biedermann mehr denn je im Fokus, die nationale Konkurrenz wittert ihre Chance für einen Prestigeerfolg. «Er wird sich richtig reinhängen müssen, um vorne dabei zu sein, dass weiß er auch», sagt Chefbundestrainer Henning Lambertz.

Nur bei der DM und nicht bei der EM zu schwimmen, war wohl eher ein Kompromiss zwischen Verbandsinteressen und dem Wunsch Biedermanns, erst bei entsprechender Form zu starten. Sind andere schneller, «ist das für einen Paul Biedermann eine schwierige Situation, weil man von ihm erwartet, dass er national ein bis zwei Längen vor den anderen liegt», erklärt Lambertz und weiß um die Außenwirkung jedes Biedermann-Auftritts: «Wenn er bei der DM noch nicht in Topform an den Start geht, dann wird daraus ein Debakel gezaubert. Ich kann dann schon verstehen, dass ein Spitzenschwimmer überlegt: "Will ich das?"». Laut Lambertz hat Heimtrainer Frank Embacher Biedermann dahingehend überzeugt, «dass es nicht relevant ist, ob er in Wuppertal Erster, Zweiter oder Dritter wird, sondern man sieht, wo man steht und was müssen wir noch machen».

Biedermann erklärte in einem Interview der «Welt», dass seine Profession nach der Pause inzwischen eine andere Bedeutung für ihn habe. «Ich nehme meinen Sport nach wie vor ernst. Und es ist das Schönste, was ich machen kann. Aber ich gebe ihm nicht mehr diese krasse Bedeutung, wie ich es vor den Olympischen Spielen 2012 gemacht habe. Da hat sich alles nur noch ums Schwimmen gedreht», sagte der zweimalige Olympia-Fünfte über 200 Meter Freistil.

Auch wenn fünf deutsche Schwimmer in diesem Jahr schneller waren als Biedermann, sollte man seine vielleicht herausragendste sportliche Eigenschaft nie außer Acht lassen. «Paul ist ein absoluter Wettkampftyp, bei starker Konkurrenz läuft er zur Höchstform auf. Ich bin sehr optimistisch, dass wir 2014 einen sehr starken Paul Biedermann im Becken sehen werden», sagt Lambertz mit Blick auf die Heim-EM im August nächsten Jahres in Berlin.