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Besuch beim »Farbenfürsten von Feldwies«

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Das noch im Originalzustand erhaltene Künstler-Haus von Julius Exter mit großem Atelier und seinem farbenprächtigen Staudengarten im Stile von Claude Monet fasziniert jährlich 15 000 Besucher aus ganz Deutschland. (Foto: Effner)

Gerade in diesem heißen Sommer kann man es gut nachvollziehen, dass die »Sommerfrische« auf dem Land für Künstler, gekrönte Häupter und jeden, der es sich leisten konnte, um die Jahrhundertwende ein besonderes Erlebnis war. Ein wahres Paradies hat sich der als »Farbenfürst von Feldwies« titulierte Julius Exter unweit des Chiemsees geschaffen.


In seiner zur Künstlervilla mit großem Atelier umgebauten Bauernhaus aus dem 16. Jahrhundert mit dem farbenprächtigen Staudengarten im Stile Monets hat sich der in München seinerzeit hochangesehene Malerfürst seit 1902 seinen privaten Traum verwirklicht. Von hier aus brach er mit Anhängern seiner Malerschule zu Landschafts- und Aktstudien in Chiemseenähe auf.

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Naturidylle und Ruhe früherer Zeiten

Angesichts der Besuchermassen, die heute in den Sommermonaten die Ufer in der Feldwieser Bucht überschwemmen, mag es eine Wohltat sein, sich die Naturidylle, Ruhe und Entspanntheit früherer Zeiten vor Augen zu führen. Zu einer willkommenen Auszeit im hektischen Getriebe lädt noch bis 9. September ein Besuch der aktuellen Ausstellung »Julius Exter (1863 bis 1939) – Moore, Bäche, See« im Haus des Ehrenbürgers von Übersee ein.

Ein glücklicher Umstand mag dabei sein, dass von den wenigen noch erhaltenen Künstlerhäusern das von Julius Exter fast vollständig im Originalzustand erhalten ist, komplett generalsaniert ist und über einen nahezu unglaublichen Gemäldebestand von 700 Werken aus allen Schaffensperioden verfügt. Die Bayerische Seen- und Schlösserverwaltung als Besitzer zeigt einen Teil davon als Dauerausstellung im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift auf Her-renchiemsee. Immer wieder andere, zum Teil neu restaurierte Bilder sind jedes Jahr ergänzend im Exter-Kunsthaus zu sehen. Sie zeugen vom enormen Schaffensdrang des Künstlerfürsten, der nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zunehmend verarmte und zuletzt sogar Entwurfspappen zerschnitt, um malen zu können.

Ein Selbstporträt von Exter im großen Atelier von 1931 zeigt einen Mann, der sich selbst und seiner Umgebung fremd geworden ist und dessen wie manisch hingeworfene farbgewaltige Miniaturen wohl auch Teil einer Art Selbsttherapie waren. »Er ist vielleicht die stärkste Persönlichkeit unter unseren Koloristen«, schrieb ein Kommentator der Münchner Neuesten Nachrichten in der Kritik zur VI. Internationalen Ausstellung im Münchner Glas-palast 1892. Seinerzeit war Exter mit eigenem Atelier hoch angesehen und lieferte sich künstlerische Duelle mit anderen Malerfürsten wie Franz von Stuck. 1901 wurde er Ehrenmitglied der Münchner Akademie und erhielt 1902 den Titel »Königlicher Professor«.

Dass der Künstler bis zuletzt die vielfältigen Aus-drucksmöglichkeiten der Farbe als genialischer Schöpfer immer wieder neuer, beeindruckender und überraschender Landschafts- und Lichtstimmungen einzusetzen wusste, zeigt die aktuelle Ausstellung im Exter-Haus. In Ihnen klingt das Erbe der Expressionisten im Stil der französischen »Fauves« (die Wilden) nach. Im Fokus der Ausstellung stehen Landschaftsbilder und Naturausschnitte, die nach 1917 entstanden sind. In dieser Zeit fand Exter seine Motive in unmittelbarer Nachbarschaft zu seinem Wohnhaus: den Chiemsee, Landschaften mit Kampenwand, das Moor der »Kendlmühlfilzen«, Dampfersteg und Fischerhütten, den Mühlbach so-wie Badende am Strand oder Akte im Schilf.

Emotional und atmosphärisch verdichtet

Mit pastosem Pinselstrich, sich verstärkenden Kom-plementärkontrasten und farblich übersteigerten Vexierspielen auf Wasseroberflächen, Bäumen oder im Himmel lässt Exter die Motive auf seinen Bildminiaturen zu emotional und atmosphärisch stark verdichteten Momenteindrücken werden. Das macht sie auch nach über 100 Jahren noch modern. Wie formulierte eine Besucherin doch kürzlich ihre Eindrücke zusammenfassend: »Der Exter geht mitten ins Herz«.

Öffnungszeiten der Ausstellung sind Dienstag bis Sonntag von 17 bis 19 Uhr oder für Gruppen ab 20 Personen nach vorheriger Anmeldung unter Telefon 08642/895083. Am Tag des offenen Denkmals (9. Sep-tember) ist das Exter-Haus letztmals von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Axel Effner