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Foto: David Ebener/dpa-Archivbild

Besuch bei Ex-Freundin in Laufen eskaliert – Kellner wirft schweren Stein gegen Bruder

Laufen – Die Sache liegt bereits zweieinhalb Jahre zurück. Aber sie hätte übel ausgehen können, denn gegen Mitternacht flog ein etwa 15 Zentimeter großer Stein zunächst in Richtung Kopf eines heute 43-jährigen Polen. Geworfen hatte den Brocken ein in Salzburg lebender Deutscher vor der Laufener Wohnungstüre seiner Ex-Freundin. Dass der 37-jährige Kellner gegen einen Strafbefehl über acht Monate auf Bewährung Einspruch eingelegt hatte, erwies sich im Laufener Gerichtssaal als Fehler, denn daraus wurden neun Monate – ohne Bewährung.


Richter Martin Forster gestand nach der Urteilsverkündung, dass er den Strafbefehl bereits mit »Bauchweh« unterschrieben habe. Doch der Einspruch bot ihm nun Gelegenheit zur Korrektur. Was war passiert? Der 37-jährige Kellner tauchte gegen Mitternacht vor der Laufener Wohnung seiner Ex-Freundin auf, doch die wollte seine Geschenke nicht annehmen.

Aus Sorge, der Salzburger könnte wiederkommen, hatte die Frau ihren Bruder um Schutz gebeten. Der Pole war dann auch in der Wohnung, als der Angeklagte erneut und betrunken auftauchte. »Aus etwa drei Meter Entfernung hat er den Stein in Richtung meines Kopfes geworfen«, schildert der 43-Jährige das Zusammentreffen vor der Wohnungstüre. Nur ein schnelles Ausweichen habe einen Treffer etwa in Hüfthöhe verhindert, der schwere Stein war anschließend gegen die Wohnungstüre geknallt.

Rechtsanwalt Peter Hofmann erklärte für den Angeklagten, der habe den Stein aus Wut und Ärger lediglich auf den Boden geknallt, und von dort sei er weiter gegen die Türe geschlittert. Das Eingeständnis des Zeugen, er habe schon zuvor Streit mit dem Ex seiner Schwester gehabt, ließ ihn vom Verteidiger im »feindlichen Lager« verorten. Eine Beamtin der Polizeiinspektion Laufen schilderte, was ihr die junge Frau, die wegen einer Erkrankung nicht erschienen war, unmittelbar nach dem Eintreffen berichtet habe. »Er hat ihr gedroht, sie würde es mit Blut bezahlen.« Auch der Bruder werde sein Einschreiten noch bereuen.

Der deutschstämmige Kellner hat bereits sechs Einträge im Bundeszentralregister, drei davon wegen Körperverletzung. Eine Bewährung war widerrufen worden, doch die Strafe von einem Jahr konnte nicht vollstreckt werden, weil der Mann nicht mehr greifbar gewesen war. Staatsanwalt Thomas Langwieder glaubte dem Zeugen, dass der allein durch sein Ausweichen dem schweren Stein entgangen war. Langwieder beantragte elf Monate ohne Bewährung.

»Die Einlassung meines Mandanten ist glaubwürdig«, erklärte hingegen Rechtsanwalt Peter Hofmann, und die Beschädigung der Türe im bodennahen Bereich bestätige dessen Version. Der Verteidiger behauptete: »Der Zeuge war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.« Weil auch der Wohnungseigentümer keinen Strafantrag wegen Sachbeschädigung gestellt habe, sei der Angeklagte freizusprechen. Richter Martin Forster hatte dagegen keinen Zweifel an der versuchten gefährlichen Körperverletzung und der Sachbeschädigung, lediglich der Hausfriedensbruch, also das Betreten der Wohnung, sei nicht nachzuweisen. »Dem Angeklagten ist Körperverletzung nicht wesensfremd«, blickte auch der Strafrichter auf dessen Vorleben. Forster wollte von keinem »Vollrausch« ausgehen, allenfalls eine alkoholische Enthemmung sei anzunehmen. Und schließlich sei auch der Schaden von rund 200 Euro nicht bezahlt worden. Mangels positiver Sozialprognose mochte Forster dem Angeklagten auf die neunmonatige Freiheitsstrafe keine Bewährung mehr zugestehen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

höf