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Beste Unterhaltung mit Anspruch

3.5
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Natürlich präsentierte Rainhard Fendrich bei seinem Auftritt in Schloss Triebenbach auch seine alten Hits. (Foto: M. Heel)

Mag ja sein, dass Rainhard Fendrich früher mehr das weibliche Publikum angesprochen hat, vor allem dank seines Schmachtfetzens »Weilsd a Herz hast wia a Bergwerk«, und Männer von ihren Frauen häufig gedrängt wurden, ein Konzert von ihm zu besuchen. Aber diese Zeiten sind definitiv vorbei, und außerdem, geben wir es ruhig zu: Sympathisch, vergnüglich und vielseitig ist der 1955 in Wien geborene Liedermacher, Schauspieler und Entertainer schon immer gewesen, ob mit Gassenhauern wie »Strada del Sole«, amüsant sozialkritischen Songs wie »Tango Korrupti«, oder dem populären Partylied »Macho Macho«.


Jetzt ist Reinhard Fendrich im Rahmen der Salzachfestspiele auf Schloss Triebenbach bei Laufen aufgetreten, wo er, begleitet von dem Pianisten Dieter Kolbeck und dem Gitarristen Martin Roth, erneut seine Qualitäten als erstklassiger Sänger/Songschreiber unter Beweis stellte. Aber es waren nicht nur die Lieder, ob altbekannte oder neuere wie »Schön shoppen« oder »Besser wird’s nicht«, mit denen er sein Publikum in der einzigartigen Atmosphäre des Schlosshofs begeisterte. Auch als Entertainer nahm er die Besucher sofort für sich ein und erzählte gutgelaunt und mit viel Witz aus seiner nun schon weit über drei Jahrzehnte währenden, höchst erfolgreichen Karriere.

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So gab er einige Anekdoten aus seiner Schulzeit in einem katholischen Internat zum Besten, wo er häufig zur Strafe in der Ecke stehen musste, zum Ausgleich auf dem Schulhof aber Frieda, »die Göttin der Hofpause« bewundern durfte. Interessant waren auch seine Anmerkungen zum Paralleluniversum, das uns die Werbung vorgaukelt, und zur virtuellen Welt, die uns immer mehr in Beschlag nimmt. Denn wie hat sein Sohn doch neulich gefragt: »Möcht’ wissen, wie die Leut’ früher ohne Computer ins Internet gekommen sind?«

Aber auch zum lieben Geld und zur Freiheit, die uns allen angeblich so wichtig ist, hatte Rainhard Fendrich einiges zu sagen. »Die ganze Welt hat Schulden - bitte, bei wem?« fragte er und verwies darauf, wie leichtfertig unsere Politiker inzwischen mit Milliarden jonglierten. Ähnlich leichtfertig, so Fendrich weiter, würden unsere Politiker auch bei Fragen der Sicherheit agieren, Stichwort: NSA. Denn wer die Freiheit der Sicherheit opfert, wird am Ende beides verlieren (Benjamin Franklin).

Nach der Pause standen dann seine älteren Hits auf dem Programm, neben den bereits erwähnten zum Beispiel noch »Blond« und natürlich auch »I am from Austria«, Österreichs heimliche Nationalhymne. Und wie bei jedem seiner Konzerte erinnerte Fendrich auch an diesem Abend an seinen 2007 viel zu früh verstorbenen Freund und Austria-3-Kollegen Georg Danzer, den »uneingeschränkten König des Wiener Chansons«, mit dessen »Lass mi amoi no d’Sunn aufgeh’ segn« er wohl Besucher rührte. So wie jedem wohl das Herz aufging, als er gegen Ende seines gut zweistündigen Konzerts »Weilsd a Herz hast wia a Bergwerk« anstimmte. Beste Unterhaltung mit Anspruch und Haltung, kann man da nur sagen. Wolfgang Schweiger