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Bestandssanierungen und ein Neubauprojekt vorgestellt

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Wurden für ihre 50-jährige Treue zur Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst von stellvertretendem Vorstand Georg Aigner (Mitte) geehrt: Johanna Hanel und Dietrich Sachs.

Traunstein – Mit großem Mitgliederinteresse, aber völlig ruhig und geordnet ist die Mitgliederversammlung der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Haidforst verlaufen, die in der Aula der Berufsschule I in Traunstein durchgeführt wurde. Neben der Bekanntgabe der Geschäftszahlen des vergangenen Jahres standen insbesondere Neuwahlen des Vorstands und des Aufsichtsrats im Vordergrund.


Bei der 1946 gegründeten Genossenschaft, die mit fünf Mitarbeitern (ohne Vorstand) einen Wohnungsbestand von 465 Wohnungen verwaltet, rumorte es im vergangenen Jahr kräftig beim größten Vermieter in Traunstein (wir berichteten mehrfach). Da stand der Vorwurf »Wahlmanipulation« bei der Mitgliederversammlung im Raum, zu der die Presse nicht zugelassen war. Daneben gab es verstärkt Kritik über Leerstände in Teilen der Mitgliederschaft. Nun scheinen sich die Wogen wieder geglättet zu haben.

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Sprechtage wurden neu eingeführt

Gleich zu Beginn der Mitgliederversammlung, bei der 80 der 479 Mitglieder anwesend waren, wurde den Anwesenden eine wichtige Personalveränderung mitgeteilt: Hans Pagatsch sei im Rahmen der letzten gemeinsamen Vorstands- und Aufsichtsratssitzung zurückgetreten. »Gesundheitliche Gründe haben dazu geführt«, sagte Georg Aigner als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender zu Beginn der Versammlung.

Weiter führte er aus, dass neu eingeführte Sprechtage sehr positiv aufgenommen worden seien. Man wolle Anregungen ernst nehmen und Beschwerden soweit möglich abarbeiten. »Im Großen und Ganzen war die Zusammenarbeit sehr gut«, blickte er auf das Zusammenwirken von Vorstand und Aufsichtsrat zurück. »Die Genossenschaft zukunftsfest machen« sei ein wichtiges Ziel, blickte Aigner nach vorne.

Die jahrzehntelange Treue von zwei Mitgliedern wurde vom stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden besonders herausgestellt: Johanna Hanel und Dietrich Sachs sind seit 50 Jahren Mitglieder der Genossenschaft und wurden dafür jeweils mit Blumen geehrt.

Stabiles Ergebnis und Zuversicht

Vorstandsvorsitzender Uwe Wieteck präsentierte die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres. Die Bilanzsumme für das Berichtsjahr weist 14,79 Millionen Euro aus, die Umsatzerlöse liegen bei 2,56 Millionen Euro. Die Genossenschaft weist einen Bilanzgewinn von 26 775,49 Euro aus, der den Ergebnisrücklagen zugeführt wird.

Im Rahmen des Geschäftsberichts ging der Vorstandsvorsitzende auf den bereits fertiggestellten und bezogenen Neubau von 30 barrierefreien Wohnungen (inklusive 13 Garagen) an der Watzmannstraße ein, das als KfW-Effizienzhaus 55 gebaut und mit einer Pelletsheizung betrieben wird.

Die Nachfrage in Traunstein nach qualitativ hochwertigen Wohnungen sei unverändert hoch. Durchschnittlich berechne man 4,95 Euro pro Quadratmeter, was eine leichte Steigerung bedeute. 26 Wohnungen im Gesamtbestand waren zum Bilanzstichtag – Ende des Jahres 2017 – nicht vermietet. Aktuell gibt es keine Leerstände, wobei derzeit fünf Wohnungen saniert werden. Diese seien aber bereits vermietet, wie der Vorstandsvorsitzende Uwe Wieteck auf Nachfrage des Traunsteiner Tagblatts sagte.

In der Versammlung sprach er von einer zufriedenstellenden Geschäftsentwicklung. Die Ertragslage und Vermögensstruktur sei gut. Für das Geschäftsjahr 2018 erwarte man ein ähnliches Ergebnis wie im vergangenen Jahr.

Auch ein weiteres Projekt für eine künftige Wohnbebauung mit zwölf Einheiten wurde vorgestellt. Unter den Mitgliedern besteht zu den Neubauprojekten teilweise ein Dissens. Besteht doch vereinzelt die Sorge, dass die finanziellen Mittel der Genossenschaft in zu hohem Maße in Neubauprojekte zu Lasten des Bestands fließen.

Alle 80 anwesenden Stimmberechtigten stimmten dem vorgelegten Jahresabschluss, dem Geschäftsbericht, dem Bericht über die gesetzliche Prüfung 2016 und dem Bericht des Aufsichtsrats 2017 ohne Gegenstimme zu. Bei der Abstimmung über die Verwendung des Bilanzgewinns gab es eine Gegenstimme. Der Vorstand wurde mit 15 Gegenstimmen, der Aufsichtsrat mit 16 Gegenstimmen entlastet.

Turnusgemäß wurden Vorstands- und Aufsichtsratswahlen durchgeführt, wobei gemäß Satzung nie die gesamten beiden Gremien komplett neu gewählt werden müssen. So wurden in den Vorstand Daniel Buslapp-Palfinger (neu), Manfred Dandl und Helga Kaufmann (neu, früher Aufsichtsrätin) gewählt. Abgewählt wurde überraschenderweise Ralph Wollmann, der dem Vorstand seit 2012 angehörte. Für ihn wurde Daniel Buslapp-Palfinger gewählt.

In den Aufsichtsrat wurden mit überzeugender Frauenquote Christine Heggblum, Andrea Märker und Alexandra Mayer gewählt. Neu im Aufsichtsrat sind Heggblum und Mayer, sie wurden für die frei werdenden Stellen von Pagatsch und Kaufmann bestimmt. Ein neuer Vorsitzender (beziehungsweise eine neue Vorsitzende) wird auf der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats bestimmt.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner bedankte sich als Repräsentantin der Stadt Traunstein. Es sei nicht selbstverständlich, dass bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt werde. Viele Wohnungen am Markt würden aus der Sozialbindung fallen. »Da steht die Mieterhöhung schon vor der Tür. Das ist für viele ein Riesenproblem.«

»Verfügung fürs Leben treffen«

Im Rahmen der Mitgliederversammlung informierte Karl Schulz, Leiter der Betreuungsstelle im Landratsamt Traunstein, über die Thematik Patientenverfügung und Betreuungsvollmacht. »Jeder 18-Jährige sollte eine Vollmacht erteilen und eine Patientenverfügung machen«, betonte Schulz und machte die Notwendigkeit einer klaren Regelung deutlich. Man verhindere damit auch, dass der Staat eingreifen müsse. »Überlassen Sie diese wichtigen Fragen ihres Lebens niemand anderem«, warb Schulz für eine klare und überlegte Regelung. awi/KR