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Beseelte »Alte Musik«

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Unter Leitung von Patrick Pföß und zusammen mit den Musikern Hanna Vinzens, Ulf Dressler und Gordon Safari bot der Kirchenchor Siegsdorf bei seinem Konzert ein einmaliges Klangerlebnis. (Foto: Mergenthal)

Ein einmaliges Klangerlebnis und Einblicke in die Vielfalt der Renaissance- und Barockliteratur rund um die im Mai verehrte Gottesmutter Maria haben der Kirchenchor Siegsdorf unter Leitung von Patrick Pföß und drei Instrumentalisten ihrem Publikum geboten. Pföß war es gelungen, drei Ausnahmemusiker für die Dorfkirche zu engagieren: den norddeutschen Lautenisten Ulf Dressler sowie die Cellistin Hannah Vinzens und den Organisten Gordon Safari, beide aus Salzburg.


Dem in Traunstein und Teisendorf verwurzelten Komponisten Patrick Pföß ist hier ein Gesamtkunstwerk gelungen, das die Konzertbesucher beeindruckte. Er hatte dafür wenig bekannte und selten aufgeführte Marienkompositionen ausgewählt. Und es war ihm gelungen, den Funken der Begeisterung auf die ambitionierten Laiensänger mit einer – auch altersmäßig – ausgewogenen Zusammensetzung schöner Naturstimmen überspringen zu lassen.

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Mit tänzerischen Renaissance-Rhythmen eröffnete der Chor im »Ave Maria« von Johann Degen das eineinhalbstündige, dichte Programm, gefolgt von einem virtuosen, reich verzierten Entre für Theorbe solo von Robert de Visée, Lautenist am Hof des »Sonnenkönigs« Ludwig XIV., dargeboten von Ulf Dressler. Im Laufe des Abends wechselte dieser auch mal zur Barockgitarre.

Zwei Lesungen, bewegend vorgetragen von Michael Gallinger, brachten die Bedeutung der Marienverehrung in Grenzsituationen zum Ausdruck. Die Erzählung »Maria im Niemandsland« handelte davon, wie sich ein deutscher und ein russischer Soldat aufgrund der Suche des Deutschen nach Wasser zufällig zwischen den Frontlinien treffen und einander als Menschen und Christen erkennen und anfreunden, unabhängig von ihrem militärischen Auftrag. Der Gottesmutter als »Hilfe der Sterbenden« war ein Ausschnitt der Heiligenlegenden um Don Bosco gewidmet.

Wie es in der Renaissancezeit durchaus üblich war, begleiteten die Instrumente den Chorgesang – mal die Laute alleine wie bei »Ave vera virginitas«, mal alle drei Instrumente wie bei »Omni die dic Mariae« von Grzegorz Gerwazy Gorczycki, der als »polnischer Händel« bekannt ist. Ein unsichtbares Band war zwischen Chorleiter und Chormitgliedern, die durch Präsenz und Konzentration, gute Intonation, Homogenität im Klang, souveräne Stimmgruppen und prägnante Aussprache überzeugten. Die geringe Zahl der Männer wurde durch deren Stimmgewalt ausgeglichen. Besonders reizvoll waren bei Gorczycki die Wechsel in Takt, Tempo und Dynamik.

In der Sonata IV RV 45 B-Dur von Antonio Vivaldi, interpretiert durch die drei Musiker, glänzte die in München geborene Cellistin Hannah Vinzens, die sich am Mozarteum Salzburg in die historische Aufführungspraxis vertieft hat, mit ihrem wundervoll warm tönenden, neapolitanischen Cello von 1756. Wie sie die liedhaften Melodien aus ihrem Instrument strömen ließ, sich dem Fluss der leichtfüßigen Verzierungen und des Tanzes hingab, auf den Höhepunkt hinarbeitete und elegante Schlusswendungen setzte, in tiefer Einheit mit ihren ebenso versierten Kollegen, war ein Erlebnis, auch bei den Variationen »Les Folies d’Espagne« des Franzosen Marin Marais.

Eine feierliche Note verlieh der Chor dem barocken »Ave Regina coelorum« von Antonio Lotti, gefolgt von dem von fünf gut harmonierenden Sängerinnen unisono zur Laute angestimmten Lied »Ein' schöne Ros'« aus dem Clausener Gesangbuch. Schöne Schlusswendungen der Alti und leicht erklommene Höhen der Sopräne prägten »Sie ist mir lieb, die werte Magd« von Michael Praetorius, in dessen beschwingt gesetztem Lied »Übers Gebirg' Maria geht« die Tenöre und Bässe gut zur Geltung kamen. Die aus dem Chor stammende Sopransolistin Barbare Bindrum überzeugte im poetischen »Ay santa Maria« mit Theorben-Begleitung und im Wechsel mit dem Chor in einer sehr schönen, selten gehörten, spätbarocken Stabat-Mater-Komposition des Spaniers Juan Francés de Irribarren. Mit Oster-Jubel im festlichen Gruß an die Himmelskönigin von Gregor Aichinger, einem Schüler Orlando di Lassos, und einer Zugabe des Chors klang der eindrucksvolle Abend aus. Veronika Mergenthal

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