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Besatzaktion mit Seeforellen-Eiern im Alpbach

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Diplom-Biologe  Patrick Türk  vom Landesfischereiverband  Bayern (Mitte)  sowie  die  Biologie-Praktikanten Robert Hagemann und Katharina Keiz füllten die Seeforellen-Eier in Brutboxen im Alpbach im Mündungsbereich der Tiroler Achen. (Foto: Reichenbach)

Schleching – Im Rahmen einer großen Besatzaktion mit insgesamt 80 000 Seeforellen-Eiern in den Zuflüssen zur Tiroler Achen und der Großache in Tirol setzten auf bayerischer Seite Diplom-Biologe Patrick Türk vom Landesfischereiverband Bayern in München gemeinsam mit den Biologie-Praktikanten Robert Hagemann und Katharina Keiz rund 25 000 Eier in den Alpbach und im Mühlbach ein. Vom Anglerbund Chiemsee begleiteten Vorsitzender Josef Haiker und Kassier Günther Rieperdinger die Besatzaktion.


Die Seeforelle – 2013 in Deutschland und Österreich zum Fisch des Jahres gewählt – gehört zu den stark gefährdeten Wanderfischen. Durch die gemeinsame, große Besatzaktion möchten die Landesfischereiverbände Bayern und Österreich, die regionalen Fischereiverbände Tirol und Oberbayern sowie die Fachberatung für Fischerei des Bezirks Oberbayern ein Zeichen setzen und auf den Erhalt der Seeforelle aufmerksam machen.

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Als größter See in Bayern ist der Chiemsee einer der wichtigsten angestammten Lebensräume der Seeforelle. Obwohl der »Chiemsee-Lachs«, wie der Fisch hier genannt wird, die meiste Zeit seines Lebens im See verbringt, ist er für eine natürliche Fortpflanzung auf durchgängige Bäche und Flüsse angewiesen. Zum natürlichen Fortbestand müssen die Elterntiere die Laichplätze in den Oberläufen erreichen, die absteigenden Jungfische benötigen später den See als Lebensraum. Die Tiroler Achen hat als größter Zufluss des Sees seit jeher eine herausragende Bedeutung für den Fortbestand dieser Fischart.

Die Bedingungen zum Erhalt der Seeforelle in der Tiroler Achen seien verglichen zu anderen Seeforellen-Gewässern im Alpenvorland noch günstig, sagte Türk. Auf mehr als 25 Kilometer Länge befindet sich in Bayern nur ein einziges Wanderhindernis in Marquartstein. Die Wanderhilfe am dortigen Wehr reicht jedoch für den großen und schweren »Chiemsee-Lachs« (je nach Alter bis zu 80 Zentimeter lang und bis zu 5 Kilogramm Gewicht) nicht aus, so Haiker. Erforderlich seien eine raue Rampe und eine Lockströmung mit größerer Wassermenge. Als wünschenswert bezeichnete Haiker ein Drittel der Wassermenge für die Natur und zwei Drittel für die Energiegewinnung. Die in jüngster Zeit untersuchten Ausbaumöglichkeiten der Wasserkraft an der Tiroler Achen würden die derzeit vergleichbar günstigen Wanderbedingungen zwischen Chiemsee und Oberlauf drastisch verschlechtern, was extrem bedauerlich wäre, zumal auf Tiroler Seite mit viel Geld und Aufwand bereits zahlreiche Lebensraumverbesserungen umgesetzt wurden. Türk forderte außerdem, Kies nur »trocken« aus der Ache zu baggern. Die inzwischen mehrfach angelegten Buhnen der Kiesbänke dienen als Unterschlupf für die Jungfische, die mit etwa 25 Zentimeter Länge die Wanderung zum See aufnehmen.

»Die Ursprungspopulation der Seeforelle ist fast ausgerottet«, erklärte Türk. Bereits seit einigen Jahren werde mit Besatzaktionen versucht, die Seeforelle in den Oberläufen wieder anzusiedeln. Unter anderem wurden 2013 auf Tiroler Seite im Loferer Bach 10 000 Setzlinge ausgebracht. Eine weitere Aktion mit Setzlingen folgte im Frühjahr 2014 in Schleching. Nur durch Besatz über einen langen Zeitraum sei ein Erfolg gesichert, betonte auch Haiker, deshalb sollte nichts unversucht bleiben.

Bei der jüngsten Aktion in Schleching war ein ganzer Tag Arbeit erforderlich, um die Seeforellen-Eier im »Augenpunktstadium« mit circa fünf Millimeter Größe auszubringen. An zwei Stellen im Alpbach setzte Türk mit Helfern die Eier in kleinen Brutboxen, in Körben gesichert, in Kiesgruben aus. Dabei musste grober Kies zunächst von Sedimenten befreit werden, damit die Eier beim Wasserdurchfluss genügend Sauerstoff erhalten. Die Brutboxen mit Öffnungen zum Schlüpfen bieten Schutz vor dem zu frühen Wegschwemmen der Eier. Die gesicherten Körbe wurden anschließend mit groben Steinen bedeckt. Als zweite Möglichkeit legte die Gruppe im Alpbach vier »Laichnester« in vorbereiteten Kiesgruben an, die sie über ein Rohr mit den Eiern füllten. Die noch verbliebenden Eier kamen in Kiesgelege im Mühlbach, wobei die Biologen, wie die Seeforellen, die Eier in die Kieslücken »wedelten«. bre