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Berührende Menschwerdung Gottes

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Überzeugten in ihren Rollen: Angela Meisl als Maria und Pastoralreferent Georg Gruber als Josef. (Foto: Schick)

Ruhpolding – Es ist wieder Waldweihnachts-Zeit in der Laubau: An die 1000 Besucher erlebten eine großartige Premiere des Mysterienspiels im Holzknechtmuseum, das der Trachtenverein »D' Miesenbacher« in Zusammenarbeit mit der Heimatbühne alle drei Jahre zur Aufführung bringt. An die 160 Mitwirkende sind vor einer prächtigen Kulisse an der Aufführung beteiligt.


Hatte der Regen während der Generalprobe die Stimmung noch etwas gedrückt, so war den Darstellern und Organisatoren tags darauf diese Sorge genommen. Die Erleichterung darüber merkte man Vorstand Anton Senoner auch gleich sichtlich an, die er in Reim-Form an die erwartungsfrohen Zuschauer richtete.

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Gespannt war man natürlich darauf, in welchen historischen Handlungsspielraum Drehbuch-Autor und Regisseur Christian Burghartswieser das biblische Geschehen um die Geburt Christi zwischen die verträumt wirkenden Holzergebäude und -hütten zaubern würde. Eine Steilvorlage lieferten ihm nicht nur die aktuellen, sondern auch die vergangenen kriegerischen Auseinandersetzungen, deren Folgen die Bewohner Ruhpoldings im Laufe der Jahrhunderte schmerzlich verspüren mussten. Als thematischer Hintergrund diente ihm hier im speziellen der preußisch-österreichische Krieg von 1866, an dem auch 24 Ruhpoldinger Soldaten an der Seite Habsburgs kämpften.

Ausgehend vom lebendig nachempfundenen Dorfgeschehen mit Wirtshaus, dem Kramerladen und den säumenden Troadfuhrwerken, die von der Traunsteiner Schranne kommend hinüber nach Tirol kurze Station machen, entwickelte sich der mitreißende Stoff, der in raffinierter Weise das biblische Geschehen mit besagten Kriegszeiten überblendet. Am Menkenbauern-Hof an der Seehauserstraße ist heute noch eine Wandmalerei mit einem dieser typischen Gespanne zu sehen.

Burghartswieser ist in eindrucksvoller Manier ein zeitgeschichtlicher Spagat mit der Parallele zweier Paare gelungen, die – zwar im Abstand von fast zwei Jahrtausenden und unterschiedlicher Voraussetzung – die selbe Bandbreite menschlicher Ängste, Sorgen und Nöte zu spüren bekommen. Das gilt für das Vronerl (Emily Haßlberger) und ihren Franzl (Fritzi Fischer) in der Wohnstube der Waldhäuslin (Antonie Feichtenschlager) ebenso wie für das Heilige Paar, Maria (Angela Meisl) und Josef (Georg Gruber). Zuversicht und Zuspruch erfahren die Liebenden in Gestalt eines überirdischen Begleiters (Volker Schweidler). So überstehen sie alle Anfeindungen und Zweifel in ihrer prekären Situation, ein lediges Kind zu erwarten. Gerade diese Passagen sind großartig inszeniert und von den Darstellern sehr authentisch interpretiert: Vronerls tiefgründige Sorge um eine gesunde Heimkehr ihres Geliebten sowie die innere Zerrissenheit des Josef, der sich von den überdimensionierten Fratzen der spöttischen Zweifelsgeister in die Enge getrieben sieht.

Spannende Höhepunkte erzeugten auch die beiden hereinpreschenden Strickreiter, die scheinbar ihre temperamentvollen Pferde nur mit Mühe im Zaum halten können; einmal zum Beispiel als sie den Zimmermann Josef auf Geheiß König Herodes' (Hermann Hipf) verpflichten, dem machtbesessenen Unterdrücker seine Herrschersitze zu bauen. Einer Legende zufolge erwartete sich Herodes durch das Mitwirken eines Nachkommen aus dem Hause Davids mehr Akzeptanz unter dem jüdischen Volk. Das andere Mal, um die Volkszählung unter Kaiser Augustus gebieterisch zu proklamieren.

Vorausgegangen war die denkwürdige Szene, wie die listigen Berater den bauwütigen Herrscher beeinflussen, um Kapital aus dem Zensus zu schlagen.

Die einzelnen biblischen Stationen, die zumeist in gesanglicher Form erfolgen, finden natürlich ihren gebührenden Platz: der Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth (Johanna Neumaier) ebenso wie die Erscheinung des Verkündigungsengels (Marlena Sojer).

Als Reminiszenz an den Veranstaltungsort ist wohl der Almabtrieb gemeint, symbolisch vom Museumshügel herab mit Hirten und Sennerinnen, um pünktlich dabei zu sein, wenn sich die Flügeltüren des Stalls zur finalen Krippenszene öffnen.

Umrahmt wird das 90- minütige Schauspiel von den Perlseer-Dirndln aus dem Landkreis Rosenheim, einem Projektchor sowie dem Orchester.

Alle Laien-Darsteller meisterten ihre Rollen mit Bravour, wobei man beim »Heiligen Paar« nicht umhin kommt, es besonders zu erwähnen. Angela Meisl in ihrer ersten Rolle als Maria überzeugte mit jugendlich glockenreinem Sopran, wobei sie auch die »Gehpassagen« auf dem Freigelände mit sicherer Stimme meisterte. Mit Pastoralreferent Georg Gruber hat sie einen erfahrenen Sänger als Partner an ihrer Seite, der die Rolle des Josef bereits zum dritten Mal mimt. Einer, der das Maria-Debüt seiner Enkelin besonders aufmerksam verfolgt haben dürfte, ist Peter Beilhack. Seiner Idee vor über 30 Jahren ist die heute deutschlandweit bekannte Waldweihnacht entsprungen.

Die nächsten Aufführungen sind am kommenden Samstag und Sonntag sowie am 15. und 16. Dezember, jeweils um 18 Uhr. Karten dafür gibt es unter Telefon 08663/12 12. ls