Berliner geraten in den Reibwänden am Gebersberg in Bergnot
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Foto: Leitner, BRK BGL

Berliner geraten in den Reibwänden am Gebersberg in Bergnot

Bad Reichenhall/Bayerisch Gmain – Das anhaltend schöne Bergwanderwetter fordert aktuell die Einsatzkräfte der Bergwachten Bad Reichenhall, Freilassing und Teisendorf-Anger, die täglich bei Rettungsaktionen gefordert sind.


Am Donnerstagnachmittag gegen 13.40 Uhr ging ein Notruf vom Zwiesel Karlstein ein, wo rund 300 Wegmeter unterhalb des Zennokopf-Gipfels ein 21-jähriger ortsansässiger Bundeswehr-Soldat umgeknickt war und mit einer Bänder-Verletzung im Sprunggelenk nicht mehr auftreten konnte. Der Einsatzleiter konnte die Unfallstelle telefonisch nicht mehr erreichen und rief deshalb an der Alm an, wo die Wirtin den Vater des Verunfallten fand, der dort bereits wartete, vom Unfall seines Sohns noch gar nichts gewusst hatte und wiederrum seine Frau anrief, die beim Sohn war und weitere Infos liefern konnte.

Die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ war zunächst noch bei einem Einsatz mit der Bergwacht Ramsau an der oberen Watzmann-Südspitze gebunden, flog den Patienten von dort zum Klinikum Traunstein, kehrte direkt darauf zum Zwiesel zurück, konnte dort landen, den jungen Mann versorgen und zur Kreisklinik Bad Reichenhall fliegen. Drei Reichenhaller Bergretter disponierten den Einsatz und standen zur Unterstützung am Tallandeplatz bereit, wobei sie gute eineinhalb Stunden gefordert waren.

Am Mittwochabend brauchte kurz nach 18 Uhr eine 31-jährige Oberösterreicherin mit einer schweren Fußverletzung am Dötzenkopf (Bayerisch Gmain) notärztliche Hilfe. Die Besatzung des Traunsteiner Rettungshubschraubers „Christoph 14“ hatte gerade zusammen mit der Bergwacht Ramsau einen akut intern erkrankten Patienten von der Stubenalm am Watzmann zur Kreisklinik Bad Reichenhall geflogen, war in der Kurstadt wieder einsatzklar und flog direkt weiter zum Dötzenkopf, wo sie die Einsatzstelle im dichten Bergwald zwischen Wappachkopf und Dötzenkopf längere Zeit suchen musste. Während die Reichenhaller Bergwacht per Fahrzeug über die Forststraße und zu Fuß in Richtung der Unfallstelle unterwegs war, setzte der Heli den Notarzt mit der Winde am Wappachkopf ab, der dann zu Fuß weiter zur Patientin aufstieg und anschließend mit den Bergrettern die Versorgung übernahm. „Christoph 14“ flog danach einen weiteren Bergretter mit dem Luftrettungssack zum Wappachkopf und direkt weiter zum Schneewinkl-Landeplatz in der Schönau, wo die Bergwacht Berchtesgaden mit ihrem Kerosinanhänger die nur noch knappen Sprit-Reserven wieder auffüllte. Dann holte der Heli die von der Bergwacht zur Lichtung am Wappachkopf transportierte im Luftrettungssack gelagerte Patientin mit dem Notarzt per Winde ab und flog sie direkt zur Kreisklinik Bad Reichenhall.

Am Dienstagabend ging kurz nach 20 Uhr ein Notruf aus den steilen und brüchigen Reibwänden auf der Nordwestseite des Gebersberg (Karlstein) am Thumsee ein. Ein Urlauber-Paar aus Berlin hatte sich auf der Gebersberg-Umrundung von der Kugelbachalm hinab zum Thumsee verlaufen, hatte den Abstieg zur Wegscheid am Antoniberg verpasst und war weiter östlich Richtung Thumsee in die Reibwände hineingequert. Der Einsatzleiter schickte drei Gruppen von unten über die Wegscheid und von oben über das Paul-Gruber-Haus los, um die Verstiegenen zu suchen und zu retten. Trotz der Daten aus ihrer Wander-App, der Beschreibung ihres absolvierten Wegs und einer Handy-Ortung konnten die Einsatzkräfte die Verstiegenen in dem tief zerklüfteten und dicht bewachsenen Gelände zunächst weder sehen noch hören, weshalb drei Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Bayerisch Gmain die Bergretter mit einer Wärmebild-Drohne aus der Luft unterstützten, die bereits vorab gegen 22 Uhr erstmals Rufkontakt herstellen konnten. Die beleuchtete Drohne schwebte als Referenz direkt über der Einsatzstelle, um den nachrückenden Kräften die Orientierung im unübersichtlichen Gelände zu erleichtern. „Trotz dieser Hilfe war der Zustieg zu den Verstiegenen aufgrund der tief eingeschnittenen Gräben und der dichten Vegetation aufwendig und zeitintensiv, so dass die ersten Retter erst gegen 23 Uhr bei dem Paar ankamen“, berichtet Bergwacht-Pressesprecher Marcus Goebel. Die Einsatzkräfte versorgten die Unverletzten mit Getränken und Energie-Riegeln und stiegen dann eine viertel Stunde später gemeinsam zum Paul-Gruber-Haus auf, wo die Fahrzeuge für die Rückfahrt ins Tal bereitstanden. Um 0.40 Uhr waren alle an der Kugelbachalm und um 1 Uhr wieder wohlbehalten in der Bergrettungswache im Tal zurück, wobei die Geretteten in ihr Hotel am Thumsee zurückkehren konnten. Zwölf Reichenhaller Bergretter waren fünf Stunden lang gefordert und freuten sich über die Beschäftigten der Aral-Tankstelle, die sich den hungrigen Bergrettern nach ihrem kräftezehrenden Einsatz erbarmten und zu später Stunde noch diverse Brezen im Ofen aufbackten. Sämtliche Lokale hatten bereits geschlossen oder ihre Küchen war bereits kalt.

fb/red