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Bergkobra zwischen Wüstenstrukturen

Wie magische, geheimnisvolle Gestalten bevölkern die aus verbranntem Holz geschaffenen Skulpturen von Franz Xaver Angerer derzeit die nüchternen Geschäftsräume der Firma Unidienst GmbH in Freilassing. Dazwischen ziehen die leuchtenden Farben der Wüstenbilder und anderer Gemälde von Doris Felicitas Wihr in Bann und treten in Dialog mit den schwarzen Stelen. Der Inzeller Bildhauer und die Münchner Malerin stellen noch bis 27. September in Kooperation mit der »Plattform Kunst« in der Lindenstraße 23 aus. Geöffnet ist die Ausstellung montags bis donnerstags von 14 bis 17 Uhr.

Die gebürtige Regensburgerin Wihr studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München als Meisterschülerin bei Professor Tröger und stellt seit 1987 im In- und Ausland aus. Inspirationsquellen ihrer Bilder sind vor allem die Eindrücke auf ausgedehnten Reisen durch alle Kontinente. Zu einigen der in Freilassing gezeigten Gemälde regten sie die Weite, das Licht und die Farbigkeit namibischer Landschaften an. Ihre »Wüstenbilder« in Acryl sind keine klassischen Landschaftsbilder, sondern Wihr abstrahiert das Vorgefundene. Die Horizontale dominiert. Wie Zeilen sind horizontale Streifen übereinander geschichtet und werden von stilisierten Bergen, Dünen oder angedeuteter karger Vegetation durchbrochen. Jedes Wüstenbild ist ein Spiel mit Farbe, Form und Struktur. Meist beschränkt sich die Malerin auf wenige Farbtöne, zum Beispiel Gelb-Türkis- oder Dunkelrot-Dunkelblau-Klänge. Öfter wirken die Farbstreifen unscharf und ähneln der Wahrnehmung aus einem fahrenden Zug. Mit der Wahrnehmung spielt die Münchnerin auch beim Ölbild »Boote«, bei dem unter dem Hellgelb des Wassers dunklere Farbschichten durchleuchten. Die Boote wirken gleichförmig und gleichmäßig im Raum verteilt, doch dieser Schein trügt. Ein diagonaler Sog treibt sie alle in dieselbe Richtung.

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In anderen Werken lässt sich Wihr von Symbolen und der Mythologie (»Sonnenkreis«), der Kraft von Farbflächen, Elementen wie Luft und Wasser oder der Art, wie Kinder zeichnen, animieren. Organische Formen werden zu einer Art Geheimsprache. Dazu passen gut die an Ebenholz erinnernden Skulpturen von Franz Xaver Angerer. Ebenholz, bekannt vom Märchen von Schneewittchen, deren Haar so schwarz wie Ebenholz war, wird oft eine magische Wirkung zugeschrieben. Angerer verwendet die verschiedensten Hölzer, wie Eiche, Birne, Ahorn, Kirschbaum oder Weide, die alle ihre typischen Wuchsformen und Strukturen haben. Das Verkohlen des Holzes, eine Konservierungs-Methode, und das anschließende Wachsen erzeugen einen Verfremdungseffekt, der die Werke mit einer geheimnisvollen, auch ein bisschen unheimlichen Atmosphäre umgibt.

Interessante natürliche Formen oder Astansätze bezieht Angerer in seine künstlerische Gestaltung des Holzes ein, das er mit zahlreichen Lamellen oder gitterähnlichen Strukturen noch weiter verfremdet. Die entstehenden Objekte haben keine Hauptansicht, sondern laden ein, sie zu umschreiten. Es könnten schemenhafte Frauengestalten sein, die der Bildhauer »Drehende« oder »Schwingende« nennt. Häufig sind sie schlicht und einfach als »Feldzeichen« betitelt. Auch ein »Windkamm« und eine »Bergkobra« entstanden durch diese Art der Holzbearbeitung. Besonders interessieren den Inzeller die Möglichkeiten, verschiedene Lamellen-Strukturen wie eine »Verzahnung« oder »Verschneidung« ineinander greifen zu lassen. Veronika Mergenthal