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Bergener hatten zahlreiche Fragen zu Asylbewerbern

Bergen. Rund 70 Anwohner und Mitglieder des Gemeinderats kamen zu der kurzfristig einberufenen Informationsveranstaltung für Bewohner des Ortsteiles Bernhaupten zum Thema Einquartierung von Asylbewerbern im Hotel Hochfelln (ehemals Hotel Sonnenbichl). Grund der Zusammenkunft war der Vertrag des Pächters mit dem Landratsamt Traunstein über die Belegung des Hotels mit Asylbewerbern – vorerst 24 bis maximal 40 Personen. Der Vertrag tritt bereits nächste Woche am Donnerstag in Kraft.

Rudolf Mühlbauer, Leiter des Sachgebietes Gesundheit und Soziales im Landratsamt Traunstein, erläuterte über das Zahlenwerk hinaus die Grundlagen zum Asylrecht, ausgehend von der Regierung von Oberbayern über das Landratsamt bis hin zu den aufnehmenden Kommunen. Derzeit sind nach seinen Angaben im Landkreis Traunstein 372 Asylbewerber untergebracht. Bis Ende des Jahres rechne er mit etwa 700 bis 800 Personen.

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74 Prozent der Asylbewerber im südlichen Landkreis

In Engelsberg sind derzeit 89, in Grassau 90, in Ruhpolding 80, in Unterwössen 48, in Traunstein 22, in Bergen bisher 20, in Schnaitsee 12 Asylsuchende untergebracht. Hinzu kommt demnächst noch die Gemeinschaftsunterkunft in Inzell, die auf 50 Asylbewerber ausgelegt sei. Mühlbauer stellte fest, dass 74 Prozent der Asylbewerber auf den südlichen Landkreis entfallen. Nach seinen Ausführungen liege der hohe Anteil an dem großartigen Engagement der dortigen Kommunen, aber auch an den guten Unterbringungsmöglichkeiten.

In der anschließenden Diskussion wurden viele Fragen an den Vertreter des Landratsamtes gestellt, deren Inhalt sich schwerpunktmäßig auf folgende Problemstellungen bezog. Viele hielten die derzeitige Verteilung von Asylbewerbern im Landkreis für nicht richtig und meinten, dies müsste ausgewogener sein. Mühlbauer sagte dazu: »Wir sind verpflichtet, Asylbewerber menschenwürdig unterzubringen und aus den südlichen Gemeinden erhalten wir die meisten Angebote.«

Beim Thema Tourismus wurde die Sorge des Wegfalls von Gästebetten in Hotels und Pensionen angesprochen, da besonders in den südlichen Gemeinden des Landkreises viel Geld in die touristische Infrastruktur gesteckt werde. Des Weiteren wurde die Frage nach Kindergarten- und Kinderkrippen-Gebühren sowie dem Raumbedarf gestellt, wenn Familien der Asylbewerbern mit Kindern dieser Altersgruppe kämen. Ähnliche Fragen bezogen sich auf schulpflichtige Kinder von Asylbewerbern, insbesondere was das Erlernen der deutschen Sprache betrifft.

Die Sprecherin des Bergener »Netzwerks Asyl«, Maria Kraus-Osenstetter, bot an, die Erfahrungen bisheriger Aktivitäten an interessierte Bürger weiterzugeben. Weitere Fragen der Anwesenden bezogen sich auf die durchschnittliche Verweildauer bis zum Abschluss des Asylverfahrens und auf Möglichkeiten der Beschäftigung von Asylbewerbern.

Sie bleiben im Schnitt sechs Monate

Zur Verweildauer sagte Mühlbauer, nach bisherigen Erfahrungen könne man von durchschnittlich sechs Monaten ausgehen. Sollten keine Unterbringungsmöglichkeiten gefunden werden, könne es sein, dass die Regierung von Oberbayern auf Turnhallen zurückgreifen werde. Er informierte noch, dass für Asylbewerber in Unterkünften ein striktes Alkoholverbot besteht.

Als Fazit der Zusammenkunft stellte sich heraus, dass die zuständigen Behörden wie Landratsämter und Regierungen möglichst schnell personell aufgerüstet werden müssten, um fachlich ausgebildete Ansprechpartner mit entsprechender Hilfestellung am Ort anbieten zu können. Auf Dauer können Ehrenamtliche diese Aufgaben nicht leisten.

Abschließend würdigte Bürgermeister Bernd Gietl die angeregte, aber jederzeit sachliche Diskussion. Fragen der Bevölkerung zum Thema Asyl müssten alle ernst genommen werden. Vor allem aber müsse ein strukturiertes Vorgehen der zuständigen übergeordneten Behörden unterstützt werden. Die Gemeinden allein können diese Aufgaben auf Dauer nicht leisten, stellte der Bürgermeister fest. OH