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Kurienerzbischof Dr. Georg Gänswein wurde Ehrenmitgliedschaft der Gebirgsschützenkompanie Traunstein verliehen

Bei den Ehrungen den »Bayerischen Olymp« erklommen

Traunstein – Im historischen Saal des Hofbräuhauses verlieh die Gebirgsschützenkompanie Traunstein Kurienerzbischof Monsignore Dr. Georg Gänswein die Ehrenmitgliedschaft.

In der Pfarrkirche St. Oswald feierte Erzbischof Dr. Georg Gänswein am Sonntag einen Festgottesdienst.

Neben der Ehrenurkunde übergaben Hauptmann Sebastian Knittler und Oberleutnant Thomas Gätzschmann Gänswein einen Schützenhut sowie als Gastgeschenk einen Schutzengel mit Schützenhut und bayerischer Fahne.

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In seiner Laudatio wies Oberleutnant Gätzschmann darauf hin, dass Gänswein aus einfachen Verhältnissen stamme, denn sein Vater führte in der siebten Generation eine Schmiede. Dies wiederum brachte er mit der Geschichte vom Schmied von Kochel, der einer der Anführer in der Sendlinger Mordweihnacht 1705 gewesen sein soll, in Verbindung. Auch der Chiemgau sei von jeher ein Durchreiseland gewesen, wodurch ein Schutz über viele Jahrhunderte stets erforderlich gewesen sei.

Die Traunsteiner Landfahne zog zum Beispiel 1471 mit etwa 150 Mann in den Kampf gegen die drohende Türkengefahr. Die Wiedergründung der Gebirgsschützenkompanie Traunstein geht auf diesen historischen Nachweis zurück. Aus 1584 wird berichtet, dass das »Traunstein Fähndl« ausziehen musste, um kecke Salzburger aus den Stollen zu treiben, die sich an den Blei- und Galmeigruben des Inzeller Kienbergs zu schaffen machten. Auf Erlass von Kurfürst Maximilian IV. Joseph wurde 1805 auch in Traunstein ein Corps bayerischer Gebirgsschützen gegründet. Auch im damaligen Grenzdistrikt Traunstein wurde diese Institution eingeführt. Nach verschiedenen Auflösungen und Wiedereinführungen wurde die Gebirgsschützenkompanie Traunstein 1986 wiedergegründet.

Dass die bayerischen Gebirgsschützen ihre Heimatverbundenheit auch immer wieder im Vatikan zeigen könnten und insbesondere Papst Benedikt XVI. besuchen dürften, sei auch ein großer Verdienst Gänsweins, weil er im Hintergrund agierend die Türen und Tore öffne, so Gätzschmann. Gemeinsamkeiten sah er zwischen Gänswein und den Gebirgsschützen auch in dessen bischöflichen Wahlspruch »Für die Wahrheit Zeugnis ablegen«. Dies bedeute, so der Oberleutnant, Einstehen für die wahren Werte der Heimat, des christlichen Glaubens und der Tradition.

Anfrage »gerne, sehr gerne angenommen«

Die Anfrage der Traunsteiner Gebirgsschützen zur Annahme der Ehrenmitgliedschaft habe der Erzbischof mit »gerne, sehr gerne« beantwortet. Etwa zwölf hohe Auszeichnungen habe Gänswein mittlerweile erhalten, darunter 2015 den Bayerischen Verdienstorden. Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft habe er jetzt fast alles erreicht, sozusagen den »Bayerischen Olymp« erklommen, denn mehr gehe fast nicht mehr, meinte Gätzschmann augenzwinkernd.

Über seine Mutter habe er als Kind seine Liebe zu Bayern entdeckt, sagte der Erzbischof. Später habe er sieben Jahre in München studiert. In Rom habe er Kardinal Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI., kennengelernt, dessen Privatsekretär er geworden sei. Es gebe keinen Ort in Bayern, über den im Vatikan mehr gesprochen werde als über Traunstein. Papst Benedikt wandere oft im Geiste von Hufschlag nach Traunstein und zurück. Gänswein überbrachte auch dessen Grüße und Segenswünsche.

Für ihn sei die Ehrenmitgliedschaft eine große Ehre, so Gänswein. Wer außerhalb der Heimat lebe, habe den Vorzug, die Heimat besser schätzen zu lernen, weil er in zwei Welten lebe. Das Brauchtum der Gebirgsschützen sei nicht übergestülpt, sondern es komme aus dem Herzen. Alles, was lebe, brauche Wurzeln. Bei den Gebirgsschützen seien diese der Glaube und die Wahrung der Treue.

Landrat Siegfried Walch sprach von einer großen Ehre für die ganze Region. Die Annahme und Verleihung der Ehrenmitgliedschaft zeige seine Verbundenheit. Die Gebirgsschützenkompanie Traunstein sei stolz auf ihr neues Ehrenmitglied. Aber auch für ihn sei es in Zeiten des Wandels und der Bindung zur Heimat als Alternative eine Ehre. Die Verbindung mit den Traditionsvereinen sei dabei besonders wichtig.

Die Region sei reich an Sozialstrukturen, weil die Menschen sich ihrer Heimat, Werte und Traditionen verpflichtet fühlten. Die Gebirgsschützen brächten es zum Ausdruck, wie wichtig es sei, zur Heimat zu stehen. Die Ehrenmitgliedschaft sei deshalb ein Zeichen der besonderen Verbundenheit mit unserer Region, so Walch.

»Stolz, dass er nach Traunstein gekommen ist«

Bereits als Sekretär von Kardinal Joseph Ratzinger sei durch zahlreiche Begegnungen und Treffen in Rom eine besondere Verbindung entstanden, erklärte Oberbürgermeister Christian Kegel. Mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft werde Gänswein als Gebirgsschütze ein Teil dieser Gemeinschaft, die für unsere bayerische Heimat und unseren christlichen Glauben einstehe, und die für uns wichtige Werte verkörpere und bewahre. Dem Erzbischof dankte er dafür, dass er der Stadt die Ehre erweise, die Gebirgsschützen wertschätze und ihr Ehrenmitglied werde. Alle seien stolz, dass er nach Traunstein gekommen sei. Die Stadt freue sich, wenn er sie bald einmal wieder besuche.

Vor der Feier im historischen Hofbräuhaussaal, an dem nur geladene Gäste teilnahmen, hatten die Bürger die Gelegenheit, den Kurienerzbischof zu begrüßen. Mit ihrem Musikzug holten die Gebirgsschützen ihn vom Pfarrhof am Maxplatz ab und geleiteten ihn zum Rathaus, wo er sich in das Ehrenbuch der Stadt eintrug. Anschließend war ein Empfang auf dem Stadtplatz. Nachdem der Musikzug einige Märsche gespielt hatte, von denen Dr. Gänswein einen selbst dirigierte, schritt er zusammen mit Hauptmann Sebastian Knittler die Ehrenformation der Gebirgsschützen ab.

Grüße von Papst Benedikt überbracht

Am gestrigen Sonntag feierte Erzbischof Gänswein mit einigen Konzelebranten einen Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Oswald. Eingangs überbrachte der er den Gläubigen die Grüße von Papst Benedikt. Er sei geistig bei ihnen und mit ihnen verbunden. Benedikt habe ihm oft von St. Oswald erzählt, wo er seine Primiz gefeiert habe. In seiner Predigt ging der Erzbischof auf die Liebe ein. Jesus liebe denjenigen, der das Wort Gottes bewahre und auch tue. Aber darin liege die große Not, weil die meisten Christen das Wort Gottes nicht kennen würden. Viele meinten gar, dass man es mit den Geboten Gottes nicht so ernst nehmen dürfe. Andere wollten die Gebote ernsthaft halten, schafften es aber nicht. Für sie gebe es Beistand von zwei Seiten. Der eine sei Jesus selbst und der andere der Heilige Geist, den man mit der Taufe empfange. Jesus lege uns die Welt offen. Was ihn bewege, habe er uns mitgeteilt beziehungsweise offenbart. Er schenke uns dadurch sein Vertrauen und habe uns seine Schwäche gestanden: Seine Liebe ist bedingungslos.

Nach dem Festgottesdienst geleiteten die Gebirgsschützen den Erzbischof wieder zurück zum Pfarrhof, wo er noch am Pfarrfest von St. Oswald teilnahm. Bjr