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Bayern zwischen Edelweiß und Starkbier

Hellauf begeistert zeigte sich das Publikum im vollbesetzten Salettl der Traunsteiner Gastwirtschaft Aubräu, als Robert Sattler und Dieter Kellner dort ihr absurdes Lustspiel mit Musik »Die Bayern – ein eigenwilliger Volksstamm« aufführten.

Dieter Kellner (links) und Robert Sattler begeisterten im Gasthaus Aubräu in Traunstein mit ihrem absurden Lustspiel »Die Bayern – ein eigenwilliger Volksstamm«.

Robert Sattler gab dabei den etwas zerstreuten Experten für bayerische Volkskunde, Professor Dr. Feinsein, während Dieter Kellner, Schlagzeuger aus ihren gemeinsamen Hot-Hoagascht-Tagen und versiert an einer Vielzahl von Instrumenten, mit Dirndl und falschen Zöpfen die Münchener Volkssängerin Bally Prell (»Schönheitskönigin von Schneizlreuth«) verkörperte. Ein Duo, das sich bestens ergänzte, auch wenn Kellner, pardon: Prell, den »sehr verehrten Professor« immer wieder mal aus dem Konzept brachte, sei es durch zweideutige Anmerkungen oder indem sie ihren Rock lüftete und dabei haarsträubende Einblicke gewährte.

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Aber was macht die Eigenwilligkeit der Bayern nun aus? Was in ihrer Geschichte, Kultur und Moral ist so besonders? Sind sie wirklich Nachkommen der Wikinger, wie der Versuch, mit dem Bau des Rhein-Main-Donau-Kanals wieder Anschluss ans Meer zu finden, nahe legt. Robert Sattler meinte ja, auch wenn die Bayern endlich das Träumen von »Deine Heimat ist das Meer« lassen und stattdessen den Berg als Heimat annehmen sollten. Apropos Berg: Da interpretierten die zwei das »Edelweiß«-Lied ein wenig eigenwillig mit »Herz, Hirn und auch der Darm liegen in der Wand, aber das Edelweiß, das hält er fest in der Hand«.

Aber auch ihre Vorliebe für Leberkäs und Weißwurst zeichne die Bayern aus, so der Herr Professor weiter, ebenso ihre Leidenschaft für Schwammerl, die auch durch Tschernobyl nicht gelitten habe. Und dann erst das heimische Bier! Hier warnte der Referent eindringlich vor ausländischen Erzeugnissen, verwies darauf, dass man »Unterbier« möglichst vermeiden solle und beschwor die so demokratiefreundliche wie friedensstiftende Wirkung des Getränks, denn »vor dem Rausch sind alle gleich«. Dazu erklang mit »Hey, i bin da Luggi und sog zu meiner Leber, duck di« ein Klassiker der »Hot Hoagascht«.

Hart zur Sache ging es auch bei den Themen Liebe und Sex, angeheizt durch Kellners Bally Prell, der das mit der Schönheitskönigin recht eigenwillig auslegte. Zum Lied von »Unserer oiden Kath«, die es auch noch einmal wissen will, hörten wir da: »lieber eine feste Schnalle als eine lose Beziehung« und »Liebe vergeht, Hektar besteht«. Und wie entscheidet sich ein Bayer, wenn ihm eine Köchin und zwei Models zur Wahl stehen? Er nimmt die Köchin, denn »essen muss ich dreimal am Tag«.

Weitere musikalische Einlagen handelten vom Wildschütz Jennerwein, vom Waldmann, der ins Holz fährt, und davon, dass auf den Bergen die Freiheit wohnt. Abschließend räsonnierten die Zwei als Stammtischbrüder noch über dies und das, etwa über einen Bekannten, der bei einem Unfall gerade einen Arm und ein Bein verloren hat: »Es werd ihm doch nix passiert sein …«

Weitere Aufführungen finden am Samstag und am 9. November statt, Beginn ist jeweils um 19.30 Uhr. Karten gibt es an der Abendkasse. Wolfgang Schweiger