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Bayerische Geschichte in Reimform

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Josef Obermüller schreibt die bayerische Geschichte in Versen. Jetzt brachte er damit einen unterhaltsamen Abend in den Gasthof Zellerwand. (Foto: Flug)

Bayerische Geschichte nicht wissenschaftlich diskutiert, sondern in Reimen vorgelesen, das bringt einen unterhaltsamen Abend. So denkt der Heimat- und Geschichtsverein Achental und lud Josef Obermüller in den Gasthof Zellerwand.


Die Zuhörer fanden es besonders und freuten sich über amüsante vorgetragene Höhepunkte bayerischer Historie. Volksmusik von der »Mietenkammer Stubnmusi« der Musikschule mit den drei jungen Schwestern Brunke rundete den Abend ab.

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In der Zeit römischer Besatzung und bei den Bajuwaren begannen die ersten Reime, die Obermüller im Licht zweier Kerzen las. Obermüller beschrieb den cholerischen und störrischen Heinrich den Löwen, Herzog von Sachsen und Bayern und Vater von Barbarossa. Er sieht, wie der für wirtschaftliche Macht die Isarbrücke einreißt. Über Barbarossa kam Obermüller zu Agnes Bernauer. Verärgert über die nicht standesgemäße Verbindung seines Sohnes verfolgte Herzog Albrecht III. die junge Frau und ließ sie in der Donau ertränken, Stoff für Theaterspiel und Musik.

Die Macht der Fugger und Anekdoten herum, die Landshuter Hochzeit und das Reinheitsgebot rief Obermüller in seinen Versen in Erinnerung. Wie Adele Spitzeder mit ihrer Dachauer Bank acht Millionen Gulden Schulden machte, erzählte ein weiteres humorvolles Gedicht. Besonderen Raum nahmen Ludwig II. und Franz-Josef Strauß ein. »Was der Strauß für Bayern war, mag ein jeder selbst ermessen, er jedenfalls ist unvergessen.« Dieser Satz am Ende stand auch für das kritische und die subjektive Sichtweise, die Obermüller an vielen Stellen einfließen ließ, wenn er Unverständnis gegenüber rigoroser Herrschaft oder Gewalt äußerte. Das Lachen der Zuhörer in der Gaststube bewies, alle fühlten sich bestens unterhalten und deshalb machte es auch Obermüller sichtlich Spaß, seine Schreibmühen so gewürdigt zu sehen.

Der ehemalige Landwirt aus Prien musste aus gesundheitlichen Gründen mit Anfang 60 seinen Beruf aufgeben, erzählte Hans-Jürgen Grabmüller, der Vorstand des Heimat- und Geschichtsvereins. Grabmüller beschrieb, dass Obermüller kein Thema auslässt, sei es aus der Politik, der Wirtschaft, der Philosophie oder dem menschlichen Miteinander. 600 Texte sind es inzwischen. Grabmäler erzählte, wie Obermüllers Gedicht zum transatlantischen Freiheitsabkommen über eine bayerische Landtagsabgeordnete den Weg die bis ins Münchner Landwirtschaftsministerium gefunden hat. Der Heimatforscher dankte Obermüller am Ende mit einem kleinen Geschenk: »Ich lese immer wieder Bücher zur Geschichte, habe die aber selten zuvor so lebendig und spannend erlebt, wie in deinen Gedichten.«

Obermüller selbst schien ein wenig überrascht zu sein über den Beifall der Zuhörer und die lobenden Worte. Im Gespräch mit unserer Zeitung schilderte er, dass er seine Gedichte nicht planmäßig angeht. Irgendwann denke er über geschichtliche Ereignisse oder Nachrichten der Neuzeit. »Und dann bricht es heraus und ich muss es aufschreiben.«

Drei Jahre hat es gebraucht, bis sein Buch fertig war »De boarische G’schicht, zsammagreimt und mit da Hand gschriebn« ist eine 225 Seiten starke Gesamtdarstellung der bayerischen Geschichte in Versform und Mundart.

Am Ende hob Grabmüller noch einmal die drei Schwestern Brunke heraus, die mit ihrer Mietenkamer Stubnmusi die nötigen Lesepausen mit Volksmusik füllten und dafür kräftigen Beifall ernteten. Ludwig Flug