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Ballacks stiller Abgang - Zeit für «neues Kapitel»

Berlin (dpa) - Der «Capitano» ist endgültig Geschichte: Ohne großes Aufsehen und nicht ganz unerwartet hat Michael Ballack seine aktive Karriere beendet.

Auf Wiedersehen
Michael Ballack beendet seine Fußball-Karriere. Foto: Federico Gambarini Foto: dpa

«Mit 36 Jahren blicke ich auf eine lange und wunderbare Zeit im Profifußball zurück, von der ich als Kind nie zu träumen gewagt hätte», erklärte der langjährige Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. «Auf dem Platz strahlte er immer eine große Dominanz aus, für den Erfolg hat er alles getan», würdigte Bundestrainer Joachim Löw seinen Ex-Kapitän und zeigte sich erneut versöhnlich. Das Verhältnis der beiden galt mit dem unwürdigen Auswahl-Ende Ballacks als zerrüttet.

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Der 4:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg am 5. Mai dieses Jahres mit Bayer Leverkusen war das letzte seiner 267 Bundesliga-Spiele. Still hat sich der einstige Chef nun verabschiedet - mit einer Erklärung über seinen Anwalt. «Es war ein Privileg, mit erstklassigen Trainern und fantastischen Mitspielern zusammenzuarbeiten. Sicher wird es mir fehlen, nicht mehr vor 80 000 Fans zu spielen oder ein Tor zu schießen», sagte der Sachse zu seinen 17 turbulenten Profi-Jahren. Einen schleichenden Abschied in der Zweitklassigkeit, in den USA, Katar oder China, wollte er nicht mehr.

In den vergangenen Monaten hatte es immer wieder Gerüchte über die Fortsetzung seiner illustren Karriere im Ausland gegeben. Zuletzt war ein Wechsel nach Australien im Gespräch. «Die letzten Monate ohne aktiven Fußball haben mir aber gezeigt, dass die Zeit reif ist aufzuhören», sagte Ballack. «Ich freue mich jetzt auf ein neues Kapitel in meinem Leben und danke meiner Familie und all den großartigen Menschen, die mich gefördert, gefordert, begleitet und unterstützt haben. Sie alle haben großen Anteil an meinem Erfolg.»

Für DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bleibt Ballack ein «außergewöhnlicher Spieler, der für den DFB und den Stellenwert des gesamten deutschen Fußballs enorm viel geleistet hat». Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, mit dem Ballack noch zusammen in der DFB-Elf gespielt hatte, sieht für den ehrgeizigen und oft auch unbequemen Fußballer nun «auch neue Chancen».

Über die Stationen Chemnitzer FC, den 1. FC Kaiserslautern und Bayer Leverkusen stieg Ballack zu einem Superstar des deutschen Fußballs auf. Nach seiner Meisterschaft mit Kaiserslautern wurde er während seiner Zeit bei Bayern München noch dreimal deutscher Meister und dreimal Pokalsieger. Mit dem FC Chelsea gewann er zudem den englischen Titel, verpasste aber im Champions League-Finale 2008 erneut den ganz großen Wurf. 2002 hatte er bereits mit Leverkusen ein Endspiel in der Königsklasse, damals gegen Real Madrid, verloren. Seine Rückkehr 2010 in die Bundesliga zu Leverkusen wurde nach zahlreichen Verletzungsproblemen zu einem großen Missverständnis.

In der Nationalmannschaft war er viele Jahre der unumstrittene «Big Boss». Ballack bestritt 98 Länderspiele, wurde Vize-Weltmeister 2002, Vize-Europameister 2008 und WM-Dritter 2006. Von 2004 bis zum unrühmlichen Ende seiner Auswahl-Karriere war er Kapitän der DFB-Elf. Am 3. März 2010 absolvierte Ballack beim 0:1 gegen Argentinien sein letztes Länderspiel. «Ich hoffe, dass Michael dem deutschen Fußball erhalten bleibt - als Manager oder Trainer. Das traue ich ihm zu», unterstrich der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts.

Die WM 2010 hatte Ballack wegen einer schweren Fußverletzung nach einem Foul von Kevin-Prince Boateng verpasst. Danach war er von Löw nicht mehr berücksichtigt worden. «Auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, sind wir uns stets mit gegenseitiger Wertschätzung begegnet, wie es sich unter Sportlern gehört», meinte Bierhoff in der Stunde des endgültigen Abschieds.

«Das Einzige, was ich hätte machen können, wäre vielleicht konsequenter zu mir gewesen zu sein und eher zurückzutreten», hatte der gebürtige Görlitzer zu seinem unfreiwilligen Abschied im DFB-Team gesagt. Das vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) angebotene Abschiedsspiel im Sommer 2011 hatte er ausgeschlagen. Es seien «beide Seiten nicht ganz unschuldig», an der damaligen Situation gewesen, so Ballack vor ein paar Monaten.

Seit seinem Bundesliga-Abschied hat sich der ehemalige Spielmacher mit seinen beruflichen Plänen zurückgehalten. Während der EM in Polen und der Ukraine sammelte er als Experte des US-Sportsenders ESPN erste journalistische Erfahrungen. «Er war einer der Größten, die der deutsche Fußball je hervorgebracht hat», würdigte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den ehemaligen «Capitano» und fügte an: «Ich ziehe meinen Hut vor ihm und finde es gut, dass er jetzt aufgehört hat und nicht noch drei Jahre irgendwo in der Provinz drangehängt hat.»

Vogts sieht es genauso: «Ich glaube, er hat erkannt, dass er nicht mehr für einen großen Club spielen kann. Sein Karriereende ist richtig. Was soll er in Australien?» Auch Verbandsboss Niersbach wünscht sich ein Comeback von Ballack auf anderer Ebene: «Es wäre schön, wenn Michael mit seiner großen Erfahrung dem Fußball erhalten bleibt, in welcher Funktion auch immer.»