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Bad Reichenhaller Georg Ringsgwandl mit Dialektpreis ausgezeichnet

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Lieder als Gastgeschenk hatte der gebürtige Reichenhaller Kabarettist und Liedermacher Dr. Georg Ringsgwandl bei der Übergabe des Dialektpreises dabei. (Foto: Höhn)

Bad Reichenhall – »Ich empfinde den Dialektpreis als Anerkennung und Hinweis darauf, dass Dialekt kein Makel ist, den man verbergen muss, sondern als eine Bereicherung des Lebens und wichtige Heimat für die Seele«, bedankte sich der Reichenhaller Kabarettist und Liedermacher Dr. Georg Ringsgwandl. Während eines Festakts erhielt er von Heinz Schober, dem Vorsitzenden des Landschaftsverbands Rupertiwinkel im Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD) den 8. Rupertiwinkler Dialektpreis.


Für die musikalische Einstimmung sorgte die »Kaltenbach Zithermusi«. Eindrucksvoll demonstrierten Martin Hinterseer, Roland Behrens, Gerhard Lexhaller, begleitet von Falk Lexhaller an der Kontragitarre, die hohe Kunst des Zitherspiels. Als »großen Sohn der Stadt Bad Reichenhall« bezeichnete Oberbürgermeister Dr. Herbert Lackner den Preisträger. »Herr Dr. Rings-gwandl, mir sand alle richtig stoiz auf Sie, weil Sie zoagn, wos ma werdn ko, wenn ma einfach boarisch redt.«

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Siegfried Bradl, zweiter Vorsitzender des FBSD, hob den Stellenwert des Dialekts als einmaliges Kulturgut hervor. Dialektsprechen sei in Bayern lange Zeit verpönt gewesen, in den 60er Jahren an Schulen und Kindergärten sogar verboten. Nicht zuletzt durch die Aktivitäten des vor 30 Jahren gegründeten FBSD seien die Menschen zunehmend für die Bedeutung der Mundart sensibilisiert worden.

Bradl zitierte aus dem Koalitionsvertrag der Bayerischen Regierung: »Mundart ist ein Teil unserer Identität, daher führen wir einen Unterrichtsschwerpunkt 'Mundart und regionale Kultur' in der Schule ein.« Dass der Teisendorfer Sigi Ram-stötter bald seinen 90. Geburtstag feiert, merkte man ihm in keiner Weise an, als er mit fester Stimme die 21 Strophen des »Wirtssepperl z' Garching« vortrug.

»Mit Georg Ringsgwandl dürfen wir heute einen außergewöhnlichen Preisträger ehren, eine bairische Legende, die seit über 40 Jahren im gesamten deutschen Sprachraum auf der Bühne steht und dabei seine Heimat und deren Mundart nie verleugnet hat. Im Gegenteil, er ist mit dem Dialekt berühmt geworden«, betonte Schober in seiner Laudatio. Er beschrieb den Werdegang des Preisträgers vom ‚Buam aus Staffabruck, der’s ned imma leicht ghabt hod’, zum ‚gschdudiertn Doktor und Oberarzt’ bis hin zu einem der renommiertesten Musiker, Liedermacher, Kabarettisten, Buch- und Bühnenautoren im deutschsprachigen Raum.

Schober rief das künstlerische Wirken des Preisträgers in Erinnerung: Zwölf Musikalben, Bühnenstücke, Tourneen im gesamten deutschen Sprachraum, Radio- und Fernsehauftritte und vieles mehr. Für sein Werk wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, unter anderem mit dem Salzburger Stier, dem Bayerischen Kabarettpreis und dem Deutschen Kleinkunstpreis. Obwohl seine Heimat inzwischen die großen Bühnen sind, habe Ringsgwandl seine Reichenhaller Wurzeln und »des Boarische« nie verleugnet. Er erinnerte an das Album »Staffabruck« und an Songs, wie »Winter«, »Buale« oder »Mei Oma«. Zahlreiche Lieder aus der Anfangszeit seien inzwischen Kult.

»I gfrei mi wirklich über den Preis, weil Reichenhall oiwei nu mei Heimat is und alles, wos i im Lauf der Jahre gmacht und gschriebn hob, kimmt aus am Fundus von Kindheitserfahrungen und -erlebnissen«, sagte Ringsgwandl. Weiter erinnerte sich Ringsgwandl an seine Reichenhaller Oberschulzeit: »Der Lehrer hat meine schriftlichen Arbeiten ständig rot angestrichen und 'Dialekt!!' dazugeschrieben. So hat es nicht heißen dürfen 'wir haben das Zimmer geweißelt', sondern 'wir haben das Zimmer getüncht'.« Doch sei er im Laufe der Zeit zu der Einsicht gekommen, dass man sich am leichtesten in der Sprache ausdrücken kann, in der man aufgewachsen ist, zumal es für viele Mundartausdrücke gar keine Entsprechung im Hochdeutschen gäbe. »Für mich als Künstler ist Dialekt auf jeden Fall ein großer Vorteil, weil man sich dadurch einen weiteren sprachlichen Ausdrucksraum erschließt.«

Logisch, dass der »Schorsch« einige seiner Lieder als Gastgeschenk dabei hatte. Bei seinen Songs »Der Konsumverweigerer«, »Feng Shui Liadl«, »Ratzen« und »Dreeck« zeigte er nicht nur sein musikalisches Können, sondern auch sein kabarettistisches Talent. Die Lacher auf seiner Seite hatte er auch am Ende: »Es war scho ois kloana Bua mei großer Wunsch, dass i amoi im Bürgerbräu auftretn derf.« nh