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Münchner Arzt und Psychotherapeut will in Seebruck eine Psychosomatische Reha-Klinik betreiben

Auszeit für die Seele am Chiemsee

Seeon-Seebruck. Nach der Schließung der Herzklinik in Seebruck vor einigen Monaten hat sich jetzt ein erfahrener Münchner Arzt und Psychotherapeut gefunden, der dort eine Psychosomatische Reha-Klinik betreiben möchte. Nach den Vorstellungen von Professor Dr. Markus Backmund, wäre die traumhafte Lage am Chiemsee geradezu ideal, um der Seele eine Auszeit zu gönnen. »Einen ruhigeren Therapieplatz gibt es nicht«, sagte Backmund bei einer Informationsveranstaltung im Gasthaus zur Post in Seebruck.

Bei einer Informationsveranstaltung im Gasthaus zur Post in Seebruck wurde das Konzept für eine Psychosomatische Reha-Klinik in der ehemaligen Herzklinik vorgestellt. Die Skizze zeigt, wie die »Klinik Seebruck« nach dem Umbau aussehen könnte. (Foto: Rasch)

Bevor das geplante Vorhaben, dem bereits viele Gespräche mit Fachbehörden vorausgegangen waren, konkret weiterverfolgt werden soll, hatte die Gemeinde den Besitzer der Klinik und die künftige Klinikleitung darum gebeten, das Konzept in einer Informationsveranstaltung darzustellen und zu erläutern.

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100 Bürger kamen zur Infoveranstaltung

Rund 100 Bürger und Gemeinderäte waren gekommen. Wie Bürgermeister Bernd Ruth erklärte, sei die Herzklinik seit über 40 Jahren für Seebruck ein Alleinstellungsmerkmal, das auch weiter Bestand haben sollte. »Wir sollten es unterstützten, wieder eine Klinik am Ort zu haben«, betonte Ruth. Gleichzeitig räumte der Bürgermeister aber auch ein, dass die im Zusammenhang mit dem Projekt geplanten Umbaumaßnahmen seitens des Kreisbauamts kritisch gesehen werden. Die Behörde im Landratsamt sehe vor allem das Bauvolumen als grenzwertig an, würde das Vorhaben aber mittragen, wenn die Gemeinde dahinterstehe.

Nach Angaben des Bauamtsleiters der Gemeinde Seeon-Seebruck, Andreas Bichler, könnte der Bereich im Bebauungsplan als »Sondergebiet Klinik« deklariert werden. Damit würde auch den Spekulationen aus der Versammlung Rechnung getragen werden, sollte die Klinik nicht funktionieren, auf dem Grundstück Wohnungen zu ermöglichen. Wie Ruth weiter mitteilte, habe sich die Gemeinde von der Investorin und Grundstücksbesitzerin Eva Brühl auch Zahlen zeigen lassen. Das Konzept sei zwar »sportlich«, es sollte aber zu stemmen sein.

Brühl, die in der Gemeinde lebt, hat die Herzklinik vor etlichen Jahren erworben und auch viel Geld in Umbaumaßnahmen investiert. Trotzdem sei die Klinik nicht wettbewerbsfähig geblieben, sagte Brühl. Wie mehrfach berichtet, musste das seit 1968 etablierte Therapiezentrum Ende Januar 2014 schließen.

Ein »kleiner renommierter Betrieb« mit etwa 60 Betten

Zwischenzeitlich hatten sich viele Betreiber gemeldet, darunter auch Professor Markus Backmund, der in München ein Praxiszentrum betreibt und sich unter anderem auch als Psychoanalytiker einen Namen gemacht hat. Der Professor an der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) München ist seinen Angaben nach seit einigen Jahren auf der Suche nach einem geeigneten Therapieplatz für sogenannte Burnout-Patienten.

Der Standort sei ideal für sein Konzept, nämlich den Patienten in einer herrlichen Umgebung eine Auszeit für die Seele zu ermöglichen. Um langsam wieder in den Alltag rein zu finden, würden Burnout-Patienten in der Regel durch die Natur inspiriert: Wasser, Berge und nicht zuletzt Freizeitaktivitäten wie Segel- oder Golfsport lägen direkt vor der Haustür. Backmund schwebt ein »kleiner renommierter Betrieb« mit etwa 60 Betten vor.

Um das Projekt nach den Vorstellungen des Betreibers umzusetzen, sind aber umfangreiche Umbaumaßnahmen notwendig. Der mit der Planung beauftragte Architekt Karlheinz Waller aus Truchtlaching erläuterte, wie die behindertengerecht ausgestattete »Klinik Seebruck« nach dem Umbau aussehen könnte.

Das an der Römerstraße bestehende Haupthaus im Villenstil sowie das Bettenhaus Ost (Querbau) sollen laut vorläufigem Planentwurf saniert und umgebaut werden. Das Bettenhaus Süd soll abgerissen und durch ein neues Gebäude im Villenstil ersetzt werden. Der Neubau würde allerdings rund elf Meter näher an den See heranrücken. Die Abstandsflächen zu den Nachbarn könnten uneingeschränkt eingehalten werden, wurde versichert. Ein weiteres Bettenhaus, das sich auf der gegenüberliegenden Straße »Am Seefeld« befindet, soll ebenfalls abgerissen und neu gebaut werden.

70 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden

Angesichts dieser räumlichen Trennung wurden in der sehr sachlich geführten Diskussion jedoch Zweifel laut, dass das Gesamtprojekt als solches auch funktioniere. »Ich bezweifle, ob das gelingt, was gewollt ist«, so der Einwurf eines Architekten. Mit Nachdruck wurde auch auf die Parkplatzsituation aufmerksam gemacht. Nach Angaben der Investorin werden insgesamt 34 Stellplätze benötigt. Zehn Stellplätze werden an dem angestammten Grundstück bereits vorgehalten. Die restlichen Stellflächen müssen noch an anderer Stelle nachgewiesen werden.

Der Vorschlag aus der Versammlung, mit der Gemeinde im Zuge des Rathausneubaus eine Tiefgarage zu bauen, wurde nicht näher diskutiert. »Wir sind noch ganz am Anfang«, warf Ruth ein. Zunächst müsse der Gemeinderat im Herbst das Vorhaben absegnen. Erst dann könne die Feinplanung des Konzepts weiter verfolgt werden. Wie den weiteren Wortmeldungen aus dem Publikum zu entnehmen war, könnte der Ort durch eine Wiederbelebung der Klinik, die auch 70 Arbeitsplätze schaffen würde, nur profitieren. ga