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Ausgesucht schöne barocke Raritäten

Das Tavernaro-Trio mit (v. l.) Elisabeth Thallinger, Michael Tavernaro und Peter Tavernaro im Streichenkircherl. (Foto: Kaiser)

Elisabeth Thallinger, Querflöte, und ein Brüderpaar, Peter Tavernaro an Oboe und Englischhorn und Michael Tavernaro am Fagott, bescherten den Zuhörern im übervollen Kircherl am Streichen »Raritäten nicht aus der Schublade, die dort liegen, weil sie niemand hören mag«, sondern sorgfältig zusammengesuchte und für die drei Holzblasinstrumente adaptierte Kostbarkeiten aus der Hochzeit der Barockmusik.


Am Anfang des Konzerts stand das »Kanonische Trio« F-Dur BWV 1040, das Johann Sebastian Bach keiner bestimmten Besetzung zugeordnet hatte. Beweglich und frisch machte es mit dem feinen Klang des Holzbläsertrios bekannt und weckte die Lust auf mehr. Die drei Sätze aus der Sonate Nr. 3 für zwei Violinen und Basso continuo des frühvollendeten Giovanni Battista Pergolesi, aus der Strawinsky Teile für seine »Pulcinella«-Suite verwendet hat, erklangen frech, andächtig und interessant fugiert. Die einzige Originalkomposition für Flöte, Oboe und Fagott im Programm, das Concerto g-Moll von Antonio Vivaldi, nannte Peter Tavernaro in seiner informativ-witzigen Moderation »eigentlich ein Flötenkonzert, bei dem Sie sich das Fagott als musikalisches Grundgerüst, die Oboe als das Orchester vorstellen müssen«. Es begann schwungvoll in einem »Allegro ma cantabile«, ein inniges Largo folgte, und ein Allegro non molto mit prächtigen imitatorischen Einfällen, die blendend rüberkamen, beschloss es.

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Bei der Triosonate D-Dur von Jean-Marie Leclair, eigentlich einer »Sonata da Chiesa« mit der Satzfolge langsam - schnell - langsam - schnell, griff Peter Tavernaro zum angenehm näselnden Englischhorn, das zu einer neuen, bezaubernden Klangmischung beitrug. In punktiertem Rhythmus fließend, sehr behutsam und verspielt kamen die langsamen Sätze, wie hingetupft das Allegro dazwischen und von einem markanten Hauptmotiv geprägt der letzte Satz. Aus dem reichen Schaffen des Georg Philipp Telemann folgte dessen Concerto a tre, original für Traversflöte, Waldhorn und b. c. Auch hier kam das Englischhorn zum Einsatz (»es steht in der selben Tonart wie das Waldhorn«) in dem vorwärtsdrängenden 1. Satz ohne Bezeichnung, mit weit ausschweifenden Dreier-Rhythmen im 2. Satz mit der Bezeichnung »Loure« und einem lebfrischen »Menuet« zum Schluss.

Bei der Sonata a tre von Johann Adolph Hasse war die »Rarität« der Komponist selbst, weil man seine Musik heutzutage viel zu selten aufführt. Zu seiner Zeit war er sehr gefragt und bekannter als J. S. Bach; die Italiener (Hasse starb 1783 in Venedig und liegt dort begraben) nannten ihn gar »Il divino Sassone«. Seine Sonata bot elegant komponierte und köstlich vorgetragene Musik in drei Sätzen, eine raffiniert gebaute Fuga beschloss sie – eine echte Rarität! Die erste aus den sechs Triosonaten »für zwei Manuale und Pedal« einer Orgel BWV 525 hatte Bach tatsächlich für die drei Blasinstrumente konzipiert; sie klang in der Rückbesinnung auf die ursprüngliche Intention sehr durchsichtig, edel und kunstvoll.

Die Ovationen des begeisterten Publikums belohnte das Trio mit der »Aria sopra la Bergamasca« von Marco Ucellini, mit sehr virtuosen Variationen über ein Hirtenlied, wie ein Perpetuum mobile. »Wir können leider nicht mehr schneller«, so »entschuldigte« sich der Oboist, »dafür versuchen wir: schöner«, und die Drei gaben noch das »Largo« von Vivaldi zu – sagen wir mal: mindestens genau so schön! Engelbert Kaiser