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»Aus dem tiefen Klang der Farbe schöpfen«

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Farbe ist das Thema in den Bildern von Hermann Wagner, die noch bis Sonntag in der Schloss-Ökonomie in Grabenstätt ausgestellt sind. (Foto: Morgenroth)

Im Rahmen des Chiemgau Symposion 2015 stellt der Seeoner Maler Hermann Wagner siebzehn Werke aus seinem umfangreichen Kunstschaffen in der Schloss-Ökonomie in Grabenstätt aus. Mit dem Titel »Aus dem tiefen Klang der Farbe schöpfen« sind Arbeiten zu sehen, deren Inhalt und Ausdruckskraft allein durch die Farbe bestimmt wird.


Das ausschließliche Thema von Hermann Wagners Arbeiten ist die Farbe. Noch in den 60er Jahren malte er informelle und gestische Bilder mit impulsivem Pinselstrich. Ab den 90er Jahren gelangte er zu den für ihn so charakteristischen Arbeiten, bei denen die Farbe, ihr Verlauf und ihre Wirkung im Zentrum seines Interesse stehen.

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Fünf Exponate als Schlüssel für die Entwicklung

Fünf ausgestellte Exponate, bei denen die Farben Blau, Braun, Schwarz, Gelb und Orange dominieren, stehen als eine Art Schlüsselbilder für die Entwicklung des 87-jährigen Künstlers: Sie besitzen noch deutliche landschaftliche Bezüge, zugleich aber auch eine rational-konstruktive Komponente beinhalten. Die Anordnung der Farben ist zwar streng, zugleich aber wird diese Eigenschaft durch die unterschiedlichen Farbverläufe teilweise auch wieder aufgehoben. Die Farben selbst evozieren Erinnerungen an Landschaftliches wie Himmel, Berge oder Wiesen.

Es geht dem Maler Wagner ausschließlich um die Farbe. Zum einen als Wirkung der Farbe als in sich differenzierte Farbfläche, zum anderen aber auch um das Zusammenspiel mit der benachbarten Farbe, die häufig in Form des farbigen Begrenzungsstreifens mit der »zentralen« Farbe in eine Art Dialog tritt. Sie baut ein Spannungsverhältnis auf und potenziert die Wirkung der Hauptfarbe, begrenzt diese zugleich aber auch.

Der augenscheinlichen Einfachheit der Bilder steht ein sehr langwieriger Malprozess entgegen, da die Gemälde in über zehn Malschichten aufgebaut sind. Farbige schmale oder breite horizontale Streifen, die von Gelb, Grün, Rot und Blau mit unterschiedlichen und unregelmäßigen Schattierungen verlaufen, gliedern die Gemälde.

Die vielfach hoch aber auch breit angelegten Kompositionen mit dem Farbfeldern und Farbstreifen verleihen den Gemälden den Charakter von Stille und innerer Ausgewogenheit, obwohl manchmal die Binnenstruktur durchaus vital und abwechslungsreich ist und Assoziationen an Landschaften evoziert, ohne dabei aber konkret etwas abbilden zu wollen. Dabei ist die Farbpalette immer harmonisch austariert.

Farbigkeit soll Spannungen erzeugen

Häufig weisen die großformatigen Werke eine belebte innere Struktur auf: polare Spannungen, die von warmen und kalten Tönen gebildet werden, oder hellere und dunklere Partien. Hermann Wagner will mit Hilfe der Farbigkeit Spannungen erzeugen. Die matten Farben erzeugen zugleich auch eine innere Bildtiefe. Man nähert sich den Bildern und entfernt sich zugleich von ihnen.

Hermann Wagner macht das Eigenleben und das Leuchten der Farbe sichtbar. Seine Farbigkeit ist wie ein Musikinstrument, das eine bestimmte Stimme hat und einen Klang zu erzeugen im Stande ist. Farbe ist für Hermann Wagner Bewegung, Formlosigkeit und Unendlichkeit.

Die Ausstellung mit den Gemälden von Herrmann Wagner ist bis zum 18. Oktober zu sehen – heute und morgen von 9 bis 12 Uhr, am Donnerstag auch von 14 bis 16 Uhr. Samstag und Sonntag nach Vereinbarung. Gabriele Morgenroth