weather-image
23°

Aura unbeschwerter Musizierfreude

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die ARD-Preisträger ernteten für ihre virtuosen Leistungen im Festsaal des Klosters Seeon jubelnden Applaus: Andrea Obiso (Violine), Wataru Hisasue (Klavier), Katarzyna Budnik-Galazka (Viola), Wies de Boevé (Kontrabass) und Bruno Philippe (Violoncello). (Foto: Benekam)

Seit 1952 ist der ARD-Musikwettbewerb ein Karrieresprungbrett für viele weltberühmte Künstler. Als einer der renommiertesten Wettbewerbe für Nachwuchsmusiker unterschiedlicher Instrumente und Kategorien genießt er durch seinen großen Anteil von Bewerbern aus dem europäischen wie außereuropäischen Raum ein beachtliches internationales Ansehen.


Im Wettbewerbsjahr 2017 wurden ein erster, acht zweite sowie drei dritte Preise vergeben. Nach einer Probenphase gehen dann die Preisträger mit einem attraktivem Programm auf Tournee: Im Mai diesen Jahres geben sie insgesamt 14 Konzerte an elf Spielorten. Dass einer dieser privilegierten Spielorte der ausgezeichneten Spitzenmusiker das Kultur- und Bildungszentrum Kloster Seeon war, empfanden die Konzertbesucher im fast ausverkauften Festsaal als großes Glück. Obwohl man annehmen könnte, dass man bei einem derart strammen Tourplan – und zwischen den einzelnen Konzertorten liegen oft mehrere hunderte Kilometer – den jungen Virtuosen eine gewisse Erschöpfung anmerkt, überzeugten die sechs mit frischer Musizierfreude und sichtbarem Vergnügen am gemeinsamen Musizieren.

Anzeige

Blindes Vertrauen in die exakten Einsätze, schlafwandlerische Sicherheit im Zusammenspiel, immer wacher und enger Austausch innerhalb des Ensembles und leidenschaftliche und energiegeladene Ausgestaltung der gespielten Werke sind richtungsweisende Indikatoren für den Erfolgskurs, den die Nachwuchsmusiker längst eingeschlagen haben. Mit einem Intermezzo für Streichtrio des ungarischen Komponisten Zoltán Kodály (1882 bis 1967) begeisterten der Franzose Bruno Philippe (Violoncello), die Polin Katarzyna Budnik-Galazka (Viola) und der aus Italien stammende Andrea Obiso (Violine).

Im Anschluss kam das »Poeme für Violoncello und Klavier op. 16« des belgischen Komponisten Joseph Jongen (1873 bis 1953) zu Gehör; ein variationsreiches Stück mit romantisch-melancholischem Grundtenor. Die beiden Musiker hatten diese Komposition offenbar verinnerlicht, die Themen flossen aus ihrem Innersten, als seien es die ureigensten Gefühle, die sie in Noten nach außen transportierten. Dementsprechend groß war die Ergriffenheit der Zuhörer. Nicht minder angetan waren die Klassik-Liebhaber von dem selten gehörten Trio für Horn (Katerina Javurková), Violine (Andrea Obiso) und Klavier (Wataru Hisasue) op. 40 von Johannes Brahms (1833-1897), in dem das Trio sowohl mit höchster Virtuosität als auch mit überbordendem Vergnügen am gemeinsamen Spiel gefiel.

Nach der Pause wurden die Konzertbesucher von seltsamen, eigentlich für dieses Konzert eher unerwarteten Klängen, der »Melodia de los suenos« von Håkon Thelin (1976) überrascht. Wies de Boevé (aus Belgien) am Kontrabass und Katerina Javurková am Horn gingen an ihren Instrumenten in einen eigenwillig modernen Dialog. De Boevé zupfte die Saiten mit beiden Händen, schlug dann perkussiv mit der hölzernen Bogenseite die Basssaiten an, erzeugte ein stakkatoartiges Streichen, wobei die Hornistin immer wieder mit schrägen Dissonanzen parierte. Ein spannendes »musikalisches Experiment«, für das das Duo reichlich Applaus kassierte.

In Franz Schuberts (1797 bis 1828) Quintett für Klavier, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass, A-Dur. D 667 waren dann noch einmal alle Musiker (bis auf die Hornistin) auf der Bühne vereint. Schuberts »Forellenquintett« ist ein Meisterstück in fünf Sätzen – eine ideenreiche Variation über das Lied »Die Forelle«, dessen heiterer Tonfall das gesamte Quintett auf eine Aura unbeschwerter Musizierfreude festlegt. Die Programmauswahl hätte nicht besser sein können: Zum Abschluss ein echter Stimmungsmacher, in den die »jungen Wilden« einmal mehr all ihr Können und ihre spürbare Liebe zur Musik hineinlegen konnten. Riesenapplaus und großer Jubel für große Talente, denen zweifellos eine große Karriere bevorsteht. Kirsten Benekam