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Aufruhr in Kraglfing

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Selbstbewusst gibt sich »Die Spanische Gräfin« (Christine Neubauer) vor Gericht. (Foto: M. Heel)

Viel Beifall erhielt die Aufführung der Komödie »Die Spanische Gräfin oder Lola Montez und Ludwig Thoma vorm Amtsgericht«, die im Rahmen der Salzach-Festspiele stattfand.


Präsentiert wurde das Stück allerdings nicht wie vorgesehen auf Schloss Triebenbach, sondern witterungsbedingt in der (vollbesetzten) Salzachhalle Laufen. Angelehnt an die TV-Serie »Das Königlich Bayerische Amtsgericht«, spielte sich das turbulente Geschehen auch hier in einem Gerichtssaal ab, und zwar anno 1910 in dem oberbayerischen Städtchen Kraglfing.

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Hier soll Amtsrichter Zwicknagl im Eilverfahren einen verzwickten Fall klären. Eine angeblich spanische Tänzerin hat im örtlichen Postsaal mit der freizügigen Darbietung ihrer »Tanzkünste« für Aufsehen gesorgt und damit die sittenstrengen Damen des Städtchens auf den Plan gerufen. Doch damit nicht genug: Auch ein Sensationsjournalist aus München hat von dem Eklat erfahren und wittert nun eine (umsatzträchtige) Story. Und welche Rolle spielt der Geheimagent des Justizministeriums, der sich ebenfalls eingeschaltet hat? Befürchtet man einen Zusammenhang mit der berüchtigten »Spanischen Gräfin«, die als »die neue Lola Montez« seit Kurzem in München für Unruhe sorgt?

Eine möglicherweise hochpolitische Affäre also, und das im idyllischen Kraglfing. Entsprechend schwer fällt es Richter Zwicknagl dann auch, sich ein Bild von den Vorgängen zu machen. Zumal neben den bereits Genannten auch der schlitzohrige Gastwirt (und Bürgermeister des Städtchens) und ein freidenkerischer Bauer, der zugleich als Verteidiger fungiert, auftreten und sich zu profilieren suchen. Ganz zu schweigen von der »Spanischen Gräfin«, die zur Überraschung aller ebenfalls auftaucht und die Verwirrung auf die Spitze treibt, als sie sich unvermutet für das Frauenwahlrecht stark macht. Bis Zwicknagl auf die Idee kommt, Ludwig Thoma ins Spiel zu bringen bzw. in den Zeugenstand zu rufen. Da klärt sich die Sache endlich: Die »Tanzkünste« im Postsaal sollten als öffentliches Ärgernis vor Gericht landen, damit die Angeklagten und ihre Sympathisanten publikumswirksam Reklame für die Gleichberechtigung der Frauen machen können.

Im Mittelpunkt der Aufführung stand natürlich die TV- und Theaterschauspielerin Christine Neubauer in ihrer Rolle als »Gräfin« respektive Femme fatale mit honorigen Absichten, auch wenn diese Rolle eher klein war. Über die anderen Mitwirkenden kann ich leider wenig sagen, da unverständlicherweise kein Pressematerial zur Verfügung gestellt wurde. Sie füllten ihre Rollen jedenfalls überzeugend aus, und auch die Inszenierung, obwohl dramaturgisch nicht immer ganz schlüssig, war zügig und abwechslungsreich, erfreute mit präzise gezeichneten Charakteren, scharfzüngigen Dialogen und viel Situationskomik. Wolfgang Schweiger