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Aufbruch in die neuen 20er Jahre: Vorreiter bei Mobilität und Klimaschutz werden

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Schönau am Königssee will Vorreiter bei Mobilität und Klimaschutz werden
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Das kostenlose Busfahren mit Kurkarte wie hier am Königssee boomt, doch die Qualität des Öffentlichen Personennahverkehrs ist verbesserungswürdig. Die Gemeinde Schönau am Königssee will das Problem nun möglichst gemeindeübergreifend angehen. (Foto: Gemeinde Schönau am Königssee)

Schönau am Königssee – Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee setzte zum Ende des Jahres 2019 im Gemeinderat noch einmal ein Ausrufezeichen. Auf der letzten Jahressitzung stellte der Rathauschef seine Visionen zum Projekt »Aufbruch in die neuen 20er Jahre« vor.


Mobilität und Klimaschutz will Rasp in den kommenden Jahren völlig neu denken und dabei, wenn möglich, auch die anderen Talkessel-Gemeinden mit ins Boot holen. Im Gemeinderat nahm man das Thema positiv auf und beschloss einstimmig die Gründung eines Arbeitskreises.

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»Viel nachgedacht« habe er in letzter Zeit, leitete Bürgermeister Hannes Rasp seinen Vortrag im Gemeinderat ein. Die »Fridays for Future«-Bewegung sehe er durchaus kritisch, räumte er ein, teile aber durchaus die Forderung vieler Menschen nach mehr Umweltbewusstsein. Rasp wünscht sich in dieser Sache für die kommenden 20er Jahre »eine Aufbruchstimmung wie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts«. Er setze auf zukunftsweisende und umweltfreundliche Projekte, damit die Gemeinde lebenswert bleibt.

Genervt sind laut Hannes Rasp aktuell viele Bürger und Gäste wegen des starken Individualverkehrs, wegen des teils mangelhaften ÖPNV-Angebots und teilweise restlos überfüllter Busse. »Und immer wieder höre ich den Unmut der Bürger wegen der gefühlten Ungleichbehandlung von Einheimischen und Gästen, die mit der Kurkarte kostenlos Busfahren können.«

Gleichstellung von Gästen und Einheimischen

Eine ganze Reihe von Visionen, die zur Verbesserung der Situation beitragen und in den 20er Jahren nach und nach umgesetzt werden könnten, präsentierte Bürgermeister Hannes Rasp dem Gemeinderat. Ganz oben sollte die Reduzierung des Individualverkehrs durch die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrsnetzes sein.

»Vor allem sollte es dabei auch um die Gleichstellung von Einheimischen und Gästen gehen«, sagte Rasp. Man müssen sich mit alternativen Antriebssystemen wie Elektromobilität und Wasserstoff befassen, eine intelligente Verkehrslenkung auch für den Individualverkehr anbieten. Hannes Rasp denkt an einheitliche Bus- und Parkgebühren für Einheimische und Gäste oder kann sich »vielleicht sogar komplette Gebührenfreiheit« vorstellen. Alternative Bezahlmöglichkeiten in den Bussen wie Handytickets sollten das Busfahren erleichtern und beschleunigen. Auch die Anlegung von eigenen Busspuren könnte das Busfahren attraktiver machen, darüber hinaus kann sich Rasp die Einsetzung von kleineren Ortsbussen vorstellen, die die Leute auch in den Ortszentren abholen und zu den Tourismusschwerpunkten bringen.

Weitere Vorschläge waren die Anlegung eines zentralen ÖPNV- und Carsharing-Platzes oder die Installierung von autonom fahrenden Bussen. »Man könnte auch einmal darüber nachdenken, ob wir uns zu gegebener Zeit die Schönauer Buslinie sichern«, sagte Rasp. Diese Linienkonzessionen werden von der Regierung von Oberbayern vergeben, bislang ist hier die Regionalverkehr Oberbayern GmbH am Zug.

Auch touristisch kann sich Hannes Rasp Projekte vorstellen. So plane aktuell der Tourismusverein Schönau am Königssee mit ihrer Vorsitzenden Gabi Springl die Förderung von klimafreundlichen Übernachtungsbetrieben. »Die ersten Maßnahmen könnten wir vielleicht sogar zeitnah umsetzen«, zeigte sich der Bürgermeister optimistisch und schlug die Gründung eines Arbeitskreises vor. Eine richtige Strahlkraft bekomme das Projekt aber wohl nur, wenn man auch die anderen Gemeinden des Berchtesgadener Talkessels mit ins Boot hole.

Sich das Projekt »nicht zerreden lassen«

Insgesamt lobten die Gemeinderäte in der folgenden längeren Aussprache die Initiative Rasps, wenngleich einige die Euphorie ein wenig bremsten. Beppo Maltan (Freie Wähler) hielt es zwar für notwendig, dass man auch die anderen Gemeinden miteinbeziehe, warnte aber davor, sich »das Projekt zerreden zu lassen«. Für Rudi Schwaiger (CSU) ist bei der Umsetzung vor allem Flexibilität wichtig, denn der Landkreis sei beispielsweise in Punkto ÖPNV »so beweglich wie eine Eisenbahnschiene«. Und Martin Hofreiter (Freie Wähler) gefiel in erster Linie die Aussicht auf günstigere Jahresbustickets für Schüler und Studenten.

Die Vision einer intelligenten Verkehrslenkung lobte Andreas Pfnür (SPD). Für ihn macht eine Umsetzung allerdings nur gemeindeübergreifend Sinn. Von »guten Gedanken« sprach auch Thomas Janzen (Freie Wähler). Er warnte aber davor, »radikale Positionen« einzunehmen, sondern lieber »mit wirtschaftlichem Sachverstand« anzupacken.

»Die Gemeinde sollte den Vorreiter machen«, empfahl 2. Bürgermeister Richard Lenz. Man sollte zwar auch mit den anderen Gemeinden reden, dürfe sich aber auch nicht einbremsen lassen. Christa Brandner (CSU) fragte sich, woher denn der ökologische Strom kommen solle, wenn man auf Elektromobilität umstelle. »Wasserkraftwerke werden ja von grüner Seite abgelehnt und so holen wir uns den Strom von den Atomkraftwerken im Ausland«. Bürgermeister Hannes Rasp nannte daraufhin eine Reihe von Vorschlägen, wo in der Gemeinde noch Wasserkraft- und Fotovoltaikanlagen entstehen könnten.

Ohnehin produzieren die Bürger in Schönau am Königssee aktuell schon 47 Prozent ihres Strombedarfs selbst, unter anderem durch das Heizkraftwerk am Bergfriedhof.

Ulli Kastner

Schreibwaren Miller