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Strukturreiche und gemischte Wälder aus mehreren Laub- und Nadelbaumarten kommen am besten mit dem Klimawandel zurecht. (Foto: ALEF)

Auf die passende Mischung kommt es an – Waldumbau unverzichtbar für Zukunftssicherung und Klimaschutz

Berchtesgadener Land – Der Wald ist Bayerns grüne Lunge und der wichtigste Klimaspeicher überhaupt. Die etwa 1,6 Milliarden Bäume, die auf rund 2,6 Millionen Hektar wachsen, entziehen der Atmosphäre jedes Jahr rund 27 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlenstoffdioxid und speichern es im Holz. Gleichzeitig ist der Wald Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, schützt Siedlungen und Infrastruktur vor Naturgefahren oder liefert den klimafreundlichen und regionalen Öko-Rohstoff Holz. Der Wald kann seine Funktion in Zukunft nur erfüllen, wenn er in seiner Zusammensetzung und Struktur den Klimaänderungen standhalten kann.


Deshalb unterstützt die Forstverwaltung die Waldbesitzer in Bayern mit Hochdruck beim dringend notwendigen Waldumbau. Auch in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden ist es vielerorts erforderlich, klimaempfindliche Reinbestände aus Fichte und/oder Kiefer in widerstandsfähige Mischwälder umzubauen und frühzeitig klimatolerantere Baumarten zu pflanzen.

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft hat für den Zuständigkeitsbereich des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Traunstein (AELF) in einer Studie 2019 ermittelt, dass fast 4 500 Hektar Fichten- und Kiefern-dominierte Privatwälder vordringlich umgebaut werden müssen. Dabei gibt es ein markantes Nord-Süd-Gefälle. Vereinfacht gesagt: Je weiter der Wald vom Gebirge mit sei-nen höheren Niederschlägen entfernt ist, umso dringlicher ist der Waldumbau.

Passende Baumart

Die Wahl der passenden Baumarten ist nach den Worten von Alfons Leitenbacher, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Traunstein, eine zentrale Stellschraube. Dabei sollten Waldbesitzer vorrangig auf heimische Baumarten wie Rotbuche, Weißtanne und Bergahorn oder im Norden des Amtsbereichs Eiche, Vogelbeere oder Elsbeere setzen, die mit der zunehmenden Wärme und Trockenheit besser zurecht-kommen als die derzeit vorherrschenden Fichten und Kiefern.

Alternative klimaresistente Baumarten aus anderen Ländern können diese vorsichtig ergänzen. Dabei kann die schon lange in den heimischen Landkreisen angebaute Douglasie aus Nordamerika teilweise die deutlich empfindlichere Fichte und Kiefer ersetzen. Aber auch andere, eher exotisch anmutende Baumarten wie Edelkastanie, Robinie, Roteiche, Libanonzeder oder Schwarzkiefer können in dosierten An-teilen zur Streuung und damit Verminderung des Ausfallrisikos beitragen. »Grundsätzlich sind Waldbesitzer gut beraten, auf Vielfalt im Wald zu setzen, denn auch hier gilt das Motto: Wer streut, der rutscht nicht«, so Alfons Leitenbacher. Er empfiehlt, vier bis fünf verschiedene Laub- und Nadelbaumarten je Hektar Wald kleinflächig zu mischen.

»Digitaler Baumexperte«

Eine wichtige Hilfestellung bei dieser schwierigen und wegweisenden Entscheidung bietet seit Kurzem der sogenannte »Digitale Baumexperte«. Waldbesitzer können sich auf der Internetseite www.waldbesitzer-portal.bayern.de einen Überblick verschaffen, welche Baumarten sich in bestimmten Regionen (Wuchsbezirke) für den Anbau eignen oder welche sich nicht eignen. Für die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land sind die Wuchsbezirke Trostberger Altmoräne und Hochtrasse, Oberbayerische Jungmoräne und Molassevorberge, Chiemgauer Alpen, Oberbayerische Flysch-Voralpen und Berchtesgadener Hochalpen einschlägig. Zusätzlich bieten Steckbriefe ausführliche Informationen zu den jeweiligen Baumarten.

Voraussetzung für den Waldumbau ist auch in Zukunft, dass der Einfluss des Wildes in einem vertretbaren Maß gehalten wird, sodass der junge Mischwald auch aufwachsen kann. Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Waldbesitzern und Jägern ist gefragt. In etwa drei Vierteln der heimischen Wälder ist inzwischen der Wildverbiss erfreulicherweise als tragbar oder sogar günstig einzustufen. Auf der restlichen Fläche müssen die Jäger noch mehr tun, um auch hier dem Zukunftswald ohne teure Schutzkosten eine Chance zu geben.

Neben der richtigen Baumartenwahl und Mischung hilft auch frühzeitige und regelmäßige Pflege und Durchforstung, den Wald vitaler und widerstandsfähiger zu machen. Dadurch kann die Baumartenzusammensetzung noch etwas nachgesteuert und die Vitalität und Stabilität der vom Konkurrenzdruck entlasteten Bäume verbessert werden. Die zuständigen Förster der Bayerischen Forstverwaltung beraten. Sie klären auch über Fördermöglichkeiten beim Waldumbau auf. Der zuständige Ansprechpartner ist zu finden auf der Internetseite www.foersterfinder.de. Für den Raum Berchtesgaden ist das Anton Ernst vom Forstrevier Berchtesgaden, Telefon 08652/656855.

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