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Auf dem musikalischen Olymp

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Ein Riesenerfolg für Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker war das Konzert bei den Salzburger Festspielen. (Foto: Aumiller)

Ein Klangmagier und sein Zauberinstrument, das waren an diesem Abend Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker bei den Salzburger Festspielen im Großen Festspielhaus.


Die Zuhörer erlebten ein hochkarätiges Klangfest in bestechender Brillanz und glänzendem Feinschliff, minutiös durchgeformt, ob in der raumfüllenden Volltönung oder im subtilsten Ziselieren der Töne, ob in federnder Rhythmik oder in solistischen Qualitäten. Der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper und designierte Chefdirigent der Berliner und dieses Orchesters zogen das Publikum aber nicht nur in den Sog betörenden Klingens, sondern vermittelten die Tondichtungen »Don Juan« op. 20 und »Tod und Verklärung« op. 24 von Richard Strauss sowie die Symphonie Nr. 7 A-Dur op. 92 von Ludwig van Beethoven derart überzeugend und beeindruckend, als könnten alle drei Werke nur genau so und nicht anders von den Komponisten gedacht sein.

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Das Tongedicht »Don Juan« des 24-jährigen Strauss gilt als eines der virtuosesten Stücke der gesamten Orchesterliteratur. Mit vollem Impetus stürzte sich Petrenko in die aufwühlende vertonte Legende des frustrierten Helden nach dem Gedicht von Nikolaus Lenau und Paul Heyses Tragödie »Don Juans Ende«. In der reichhaltigen Melodik des fantastischen Klangrausches ließen dazwischen die Solovioline und wechselweise die Holzbläser beruhigende Kantilenen aufblitzen. Herausragend waren die vier Hörner, ebenso die Trompeten, die die von Strauss auferlegten technischen Forderungen wie selbstverständlich mit leuchtendem Glanz beantworteten. Spannend die wuchtige Finalakkordik, der nach einer Generalpause ätherisches Verklingen folgte und das Ende des »Helden« symbolisierte.

Mit »Tod und Verklärung« zauberten die Musiker feine Tongespinste mit Harfen, Flöte, traumschöner Oboe und fabelhaften Streicherschattierungen im Wechsel mit großen dramatischen Ausbrüchen mit Posaunen und Paukenschlägen. Der verinnerlichte c-Moll-Beginn entwickelte sich schließlich hin zu einem »verklärten« C-Dur. Die Schönheit der Schlüsse bei Strauss-Werken ist immer ein besonderer Hochgenuss und war hier in diesem grandios schillernden Opus von berührender Delikatesse.

Bei der 7. Beethoven-Symphonie wurde Petrenko zum personifizierten tänzerischen Rhythmus. So genuin rhythmisch und dynamisch als großes Ganzes hat man die Symphonie seit Langem nicht wahrgenommen. Wunderbar klar konturiert die Modulationen, voller Spannung die Pausen, die erneut in einen Tanzstrudel mündeten. Die sieghaften Elemente strahlten Freude aus, dem symbolhaften Trauermarsch haftete befreite Schwerelosigkeit an. Das Furioso-Finale gipfelte in einer Rasanz, in der die Musiker fast an die Grenze des Spielbaren gebracht wurden. Die Wirkung war fulminant und konnte nur in Applaustaumel und stehenden Ovationen enden. Elisabeth Aumiller

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