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Auf dem Gipfel angekommen

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Am Gipfel angekommen (v.l.): TRBK-Vorsitzender Franz Rasp, Peter und Dr. Jitka Ptacek, Milos und Milos jr. Ptachek sowie BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel. (Fotos: Meister)
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Der neu angebaute Teil des »Schwabenwirts«, in dem unter anderem 44 neue, moderne Gästezimmer Platz fanden.

Berchtesgaden – Am 4. März des Jahres 1919 meldete der »Berchtesgadener Anzeiger«, dass Schneidermeister Weber seine Kaninchen und Ziegen bei »Schwabenwirt« Josef Karlsreiter unterstellen kann. Nun, im jetzigen »Schwabenwirt« wäre wohl kaum Platz zu finden für das bizarre Kleinvieh, dafür aber sehr reichlich für künftige Gäste, die sich in mehr als 70 Zimmern wohlfühlen dürfen.


Nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit wurde das Haus in Bahnhofsnähe offiziell eingeweiht. Nach einem kleinen Festakt in der neuen Lobby des Hotelbereiches fanden die äußerst zahlreich erschienenen Gäste auch genügend Platz im neu gestalteten Restaurant.

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Die Erde für ein Beet mit Koniferen und Stauden wurde erst am Eröffnungstag verzögert angeliefert, die bestellten Pflanzen nur zum Teil in letzter Minute geliefert. Ein rot-weißes Band umgrenzt eine Restbaustelle. Solche kleinen Widrigkeiten sind vermutlich normal bei einem Projekt dieser Größenordnung. Das Haus ist so gut wie fertig und viele, meist einheimische Menschen waren gekommen, um zu feiern und erste Blicke auf Neugeschaffenes zu richten.

Der »Schwabenwirt« ist ein Familienunternehmen und Sohn Peter Ptacek als Geschäftsführer bedankte sich auch zuerst bei Mutter Dr. Jitka Ptacek, die zudem noch einem »Nebenjob« im Kreiskrankenhaus nachgehe, bei Vater Milos, der im »Auerwirt« in der Oberau nebenher den Dienst verrichte, und letztlich auch bei Bruder Milos jr.. Nun sei man nach langer Bauzeit an einem Gipfel angekommen. Peter Ptacek verglich die lange Bauphase mit seiner ersten Besteigung des Watzmanns, bei der er bereits am Anfang wusste, dass es eine lange Schinderei werden würde und vielerlei noch unbekannte Widrigkeiten lauern könnten. Aber man dennoch immer den Gipfel als Ziel im Auge habe. Bezogen auf den »Schwabenwirt« sei man nun dort angekommen.

Mehrere Millionen Euro seien notwendig gewesen, um das Haus so zu gestalten, wie es nun dasteht. Neu entstanden seien 44 Zimmer, die auch per Fahrstuhl erreichbar sind. Ganz nebenher wären auch neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Bei Hochbetrieb werde man wohl mit rund 30 Mitarbeitern agieren. Man habe kein Luxushotel im Auge gehabt, betonte Peter Ptacek, sondern ein bayerisches, uriges, das gute Unterkunft bietet und einen entsprechenden Service.

An die symbolische Bergtour knüpfte auch Marktbürgermeister und TRBK-Vorsitzender Franz Rasp an und erinnerte, dass das Erreichen des Gipfels die eigentliche Halbzeit sei, weil der Abstieg bevorstehe. Auf das Hotel bezogen, beginne nun die harte Arbeit des Alltags. Er freue sich, so Rasp, dass sich ein bestehender Betrieb erweitert habe, was auf einem eng begrenztem Grundstück und auch im Hinblick auf die Nachbarschaft nicht einfach sei.

Gute Wünsche hatte auch BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel parat, der das umgestaltete und erweiterte Haus als sehr gelungen empfand: Bayerisch und modern zugleich. Nun hoffe er, dass die richtigen Leute gefunden würden, um ein starkes Team aufzustellen, was bei dem allgemein beklagten Fachkräftemangel sicher nicht einfach wäre. Nagel wollte innerhalb der Beherbergungsbetriebe in der Region keine Konkurrenz sehen. Konkurrenz seien Urlaubsangebote oder Kreuzfahrten, denen man ein gut funktionierendes System entgegenstellen müsse, in dem sich der Gast rundum wohlfühle.

Dann spendete Pfarrer Bernhard Bielasik den göttlichen Segen dem Haus, den Menschen, die darin arbeiteten und allen, die hier einkehrten. Für die Gäste der Einweihung gab es die Möglichkeit, »hinter die Kulissen« zu schauen, die neuen Zimmer zu begutachten, auch mithilfe des neuen Fahrstuhls. Letztlich lud der neue »Schwabenwirt« auch zur reichhaltigen Kostprobe dessen, was künftige Gäste zu erwarten haben. Die Urteile waren jedenfalls durchweg positiv. Dieter Meister