weather-image

Auch Komiker haben es nicht leicht

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Sagt stopp zum Deppentum: Der Kabarettist Günter Grünwald im Traunreuter k1. (Foto: Heel)

Der Mario Barth hat's vorgemacht, mit seinem Nachbau der S-Bahn-Station Prenzlauer Berg als Bühnenbild. Da wollte sich der Grünwald nicht lumpen lassen – und ließ den Flughafen München-Riem nach den Original-Bauplänen aus den 20er Jahren wieder errichten, wo er dann mit einer Cessna auf der Bühne landen wollte. Nur blöd, dass er keinen Pilotenschein hatte und der Aufbauhelfer, der im Tower den Fluglotsen spielte, dies mitbekam. Und ihm unverschämterweise in letzter Sekunde die Landung verweigerte. Denn merke: »Der Depp ist oiwei schon vor einem da!«


Nach Traunreut ist er deswegen mit einer eigens für seinen Auftritt gebauten U-Bahn gekommen. Die könne man jetzt leider nicht sehen, so der Kabarettist mit leisem Bedauern, aber gleich hinter der Bühne würde eine Rolltreppe hinab zu den Gleisen führen, wo die Züge schon bereitstünden. So dass die Traunreuter nach der Vorstellung bequem damit nachhause fahren könnten.

Anzeige

Ganz klar, dass Günter Grünwald mit dieser Eröffnung das Publikum im ausverkauften Traunreuter k1 im Handumdrehen für sich gewinnen konnte. Zumal er anschließend versicherte, dass er im Gegensatz zu manch einem Kollegen keine Besucher in sein Programm einbinden und böse Scherze mit ihnen treiben werde. Nein, seine Scherze machte er an diesem Abend auf Kosten anderer. Mit hochkomischen Geschichten über die Deppen vom Dienst, die ihm ständig über den Weg laufen würden in diesem »Plemplem-Land«, und »wo der Grünwald stopp sagt«, wie auch der Titel seines aktuellen Programms lautet.

Etwa während einer Fahrt mit dem ICE, die er ganz entspannt angetreten habe, nur um dann von seinen Mitreisenden mit Turnübungen, Dönerverzehr und Endlos-Telefonaten malträtiert zu werden, zu denen sich zum Überdruss auch noch ein sächselnder Schaffner gesellte. Sein Fazit daraus: »Das Schlimmste im Leben ist, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden.« Keine Gnade vor seinen Augen fanden auch die Zuschauer von TV-Sendungen wie »Bauer sucht Frau«, die Figuren wie Katzenberger, Feldbusch & Co. toll finden und sich ihren schlechten Geschmack schönreden mit Anmerkungen wie »Ich glaub, die ist gar nicht so dumm«.

Zwischendurch entdeckte er die Bibel als Inspirationsquelle für Kabarettisten, polemisierte über die »Neuen Männer«, die entweder als Putzlappen oder als Halbaffe von sich reden machten, mokierte sich darüber, dass nun sogar schon Künstler über Burn-out klagen würden, und empfahl, Pyromanen zusammen mit Bettnässern ins Internat zu stecken.

Und wer kennt sie nicht, die Situation im Supermarkt, wenn man seine paar Pfandflaschen, die sich während der Woche angesammelt haben, in den Automaten stopfen möchte. Und dann stundenlang warten muss, weil der Vormann nicht wöchentlich, sondern einmal im Jahr seinen gesammelten Scheiß hier anschleppt. Denn wie gesagt, überall, wo man hinkommt, der Depp ist schon da! Wolfgang Schweiger