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ARD-Preisträger faszinieren mit jugendlichem Elan

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Schlussapplaus für (von links) Thomas Hutchinson, Vita Kan, Marina Grauman, Diyang Mei und Marius Urba im Seeoner Festsaal. (Foto: Aumiller)

Mit dem Kammerkonzert der ARD-Preisträger gab der »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« wieder ein glanzvolles Leuchtsignal inmitten der musikalischen Perlen der traditionellen Konzertreihe.


Der Festsaal im Kloster Seeon war damit zwar nur dieses eine Mal die Spielstätte unter den übrigen zahlreichen Musiksommer-Aktivitäten. Umso mehr genossen die Konzertbesucher die fabelhaften Darbietungen der fünf jungen Musiker in dem stimmigen Ambiente. Mit ihrem souveränen Spiel, ihren virtuosen instrumentalen Fertigkeiten und ihrer Gestaltungsintensität im fein tarierten Miteinander lieferten sie Beweis für ihre musikalischen Qualitäten, die bereits mit mehrfachen internationalen Auszeichnungen belohnt wurden, zuletzt 2018 beim renommierten Münchner ARD-Wettbewerb.

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Das Trio Marvin, bestehend aus der Pianistin Vita Kan, der Geigerin Marina Grauman, beide aus Russland, und dem in Litauen geborenen deutschen Cellisten Marius Urba spielte hier wechselweise aufgemischt mit dem neuseeländischen Oboisten Thomas Hutchinson und dem chinesischen Bratscher Diyang Mei. In München wurde Mei mit einem ersten Preis, dem Publikumspreis und dem Preis für die beste Auftrags-Interpretation gewürdigt. Er ist Student der Münchner Musikhochschule und machte 2018 außerdem beim Abschlusskonzert des Reichenhaller Festivals Alpenklassik Furore.

Das Programm war interessant zusammengestellt und brachte die musikalischen und spieltechnischen Facetten der Preisträger exzellent zum Ausdruck. Robert Schumanns »Märchenbilder«, op. 113 für Viola und Klavier erwiesen sich als liebenswerte poetische Miniaturen liedhaften Charakters. Mit elastisch samtigem Ton gestaltete Mei in einfühlsamer Phrasierung romantische Farben. Den virtuoseren Passagen setzte er immer wieder lyrische Bögen in satten Tönungen entgegen, fein gesponnen und stimmungsvoll im gestalterischen Ausdruck im langsamen Finalsatz. Kan korrespondierte am Klavier mit Eleganz, war aber auch mit forscher Rhythmik und zupackender Kraft präsent, die stellenweise etwas zu lautstark die Balance gefährdete.

Beim Streichtrio für Violine, Viola und Violoncello von Gideon Klein, dem 1945 im KZ ermordeten Komponisten, erreichten die Streicher einen intensiven Mischklang von teilweise großer Dichte im Wechsel mit schwebender Lyrik und feingliedriger Transparenz. Mit ihrem aufmerksamen Zusammenspiel erzielten sie eine beeindruckende Wirkung. Von besonderem Reiz zeigten sich die Kompositionen, bei denen die Oboe zum Einsatz kam: Bohuslav Martinus Quartett für Oboe, Violine, Violoncello und Klavier, 1947 komponiert, zeigte insgesamt eine melancholisch besinnliche Stimmung, die Sonate für Oboe und Klavier von Francis Poulenc, 1962 eines der letzten Werke des Komponisten, berührte in ihrer schlichten Eleganz in elegischer Tönung. Beim Oboisten fiel die gute Atembeherrschung auf, mit der er feine Glanzlichter in ruhiger Linienführung setzte.

Manche Passage zwischen Oboe und Violine mutete wie feines Vogelzwitschern an und fröhliche Bewegtheit kennzeichnete das Zusammenspiel mit dem Klavier. Bei Poulenc pendelte die Oboe zwischen traumverloren schwärmerischer Lyrik und hochvirtuosen Schärfen, die Pianistin warf immer wieder kraftvolle Akkorde dazwischen. Bemerkenswert war ihr klarer Anschlag, der mit hochpräzise hämmernder Motorik aufwarten konnte, aber im Gegenzug auch überraschend fein differenzierende Zwischentöne parat hatte.

Mozarts Klavierquartett g-Moll KV 478, eine lebhafte Mischung aus Kantabilität, dramatischem Zugriff und schlichter Innigkeit, gab das Trio Marvin mit Mei an der Viola gut balanciert und stilvoll, mit Elan und frischer Verve musiziert. Elisabeth Aumiller

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