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Analyse: Militär und Muslimbrüder

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Abdel Fattah al-Sisi und Mohammed Mursi
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Islamisten und Armee sind die mächtigsten Gegenspieler im Land am Nil: Ex-Präsident Mohammed Mursi (l.) und Verteidigungsminister Abdel-Fattah al-Sissi. Foto: Khaled Elfiqi/Archiv Foto: dpa

Istanbul/Kairo (dpa) - Beide sind mächtige Akteure in Ägypten, doch Muslimbrüder und Militärs sind Vertreter zweier völlig verschiedener Welten. Die Armee vertritt das säkulare Ägypten, die Muslimbruderschaft das religiöse.


Der islamistische Präsident Mohammed Mursi war der erste Zivilist an der Spitze des ägyptischen Staates. Seine Vorgänger Gamal Abdel Nasser, Anwar el Sadat und der «Kampfpilot» Husni Mubarak hatten alle eine Militärkarriere hinter sich. Soldaten waren jahrzehntelang die strahlenden Helden des Landes am Nil. Die Islamisten hingegen agierten im Untergrund - ihre Bewegung war verboten.

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Nach dem Arabischen Frühling wendete sich das Blatt. Der Militärrat übernahm die Führung des bevölkerungsreichsten arabischen Landes - damit aber auch ein kaputtes Land mit massiven Wirtschaftsproblemen. Wieder kam es zu Massenprotesten gegen die neuen Herrscher, und die Generäle gingen brutal gegen die Demonstranten vor. Dutzende starben. Ein «Jungfräulichkeitstest» an festgenommenen Aktivistinnen sorgte weltweit für Empörung. Als schließlich die Muslimbrüder mit Mursi die politische Führung übernahmen, war die Armee beinahe erleichtert, die Verantwortung wieder abgeben zu können.

Die Islamisten und die Soldaten arrangierten sich nach einem kurzzeitigen Machtgerangel im Stillen. Gemunkelt wurde über einen «Deal», der vorsah, dass die Armee weitreichende Autonomie erhielt - und ein Staat im Staat bleibt. Politisch hielt sich das Militär zunächst zurück und vermied so weitere Konfrontationen mit dem ägyptischen Volk.

Doch die Muslimbruderschaft schaffte den Sprung von der Kaderorganisation zur Volkspartei nicht. Zwar wurde sie mit großer Mehrheit ins Parlament gewählt. Doch die Strukturen der Organisation blieben streng hierarchisch. Offene Diskussionen über den künftigen Kurs des Landes ließen die Islamisten nicht zu, vielmehr legte ihre Führung weiterhin das politische Programm fest. Der gerade bei der Jugend beliebte gemäßigte Islamist Abdel Moneim Abul Futuh wurde aus der Muslimbruderschaft ausgeschlossen, weil er gegen den Willen der Führer als Präsidentschaftskandidat antrat. Es dauerte nicht lange, bis die Muslimbrüder wieder an Vertrauen verloren.

Nun hat wieder die Stunde der Armee geschlagen. Und nach der Absetzung Mursis sieht es zunächst so aus, als würde nach den alten Regeln gegen die Muslimbruderschaft vorgegangen: Gegen die Führer der Organisation Mohammed Badia und Chairat al-Schater wurden Haftbefehle erlassen, Mursi selbst nahm das Militär in Gewahrsam. Der ägyptische Historiker Chalid Fahmi sieht die Bewegung in ihrer bisher schlimmsten Krise. Der «New York Times» sagte er, den Ägyptern gehe es nicht um islamisch gegen säkular. «Es geht um Ägypten gegen eine Clique.»

«New York Times» zu Muslimbruderschaft