weather-image
17°

Analyse: Kluft zwischen China und Nordkorea wächst

0.0
0.0
Kim Jong Un mit chinesischer Delegation
Bildtext einblenden
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un empfängt eine chinesische Delegation. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern ist inzwischen auf einem Tiefpunkt. Foto: North Korean Central News Agency (KCNA) / Archiv Foto: dpa

Peking (dpa) - Der neue Atomtest lässt die Beziehungen zwischen Nordkorea und China auf einen Tiefpunkt fallen. Die Kluft zwischen den traditionellen Verbündeten hat sich schon seit dem Raketenstart im Dezember vergrößert.


Doch der neue, junge Machthaber Kim Jong Un setzte sich auch diesmal wieder über die Bedenken seines einzigen Freundes China hinweg und zündete trotz der wiederholten Warnungen aus Peking einen nuklearen Sprengsatz. «Die Beziehungen zwischen beiden Nationen werden noch weiter in den Keller sacken», prophezeit Professor Shi Yinhong von der Volksuniversität in Peking.

Anzeige

«China ist in einem Dilemma», sagt der außenpolitische Experte der Nachrichtenagentur dpa. Einerseits will es gute Beziehungen zu Pjöngjang pflegen und die Kooperation ausbauen, um das isolierte und völlig verarmte Land zu einer Reform- und Öffnungspolitik im chinesischen Stil zu bewegen. Andererseits verschärft es den Druck auf das Regime - allerdings ohne sonderlichen Erfolg.

Trotzdem wird Nordkorea zunächst weiter mit mäßigender Schützenhilfe der Vetomacht China in den Vereinten Nationen rechnen können, auch wenn es am Ende den Strafmaßnahmen zustimmen dürfte, wie die Experten glauben. «Die USA, die scharfe Sanktionen fordern, werden mit China, das weniger strenge Strafmaßnahmen will, ein bisschen ringen, bevor eine Entscheidung fällt», glaubt Shi Yinhong.

In China wächst aber das Unverständnis über den störrischen Nachbarn. «China hat alles versucht, um Nordkoreas Interessen zu schützen, aber Pjöngjang weiß das offensichtlich nicht zu schätzen», sagt der Experte Sun Zhe von der Qinghua Universität der dpa. «Die Situation ist jetzt ziemlich misslich.»

Ungewöhnlich kritische Töne gegenüber Nordkorea gab es in den vergangenen Wochen schon in Chinas Staatsmedien. Ein Kommentar der «Global Times», die zum Parteiorgan «Volkszeitung» gehört, forderte sogar, Nordkorea «muss einen hohen Preis zahlen», wenn es tatsächlich den nuklearen Sprengsatz testen sollte. Chinas Unterstützung für Nordkorea sollte dann verringert werden. «Pjöngjang ist wichtig für China, aber nicht so wichtig, dass es seine Grundsätze aufgibt.»

Kein Zweifel, der neue Atomversuch wird das Krisenmanagement des neuen chinesischen Parteichefs Xi Jinping testen, der im März auf den Präsidentenstuhl aufrücken wird. Die Probleme der Nordkorea-Politik Chinas liegen nach Einschätzung ausländischer Experten aber in der Reihenfolge seiner Prioritäten: So wolle China in erster Linie einen Krieg auf der Halbinsel verhindern, an zweiter Stelle fürchte es Instabilität oder einen Zusammenbruch Nordkoreas und erst an letzter Stelle wolle es eine atomare Bewaffnung Nordkoreas verhindern.

Dabei schwindet der ohnehin geringe Einfluss, den China noch hat. Die chinesische Unterstützung für die letzten UN-Sanktionen nach dem Raketenstart hat Nordkorea erkennbar verärgert. Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA übte seltene Kritik, die auf China und Russland abzielte: «Jene großen Länder, die verpflichtet sind, die Führung bei der Schaffung einer gerechteren Welt zu übernehmen, geben unter dem willkürlichen und selbstherrlichen Einfluss der USA ohne Zögern ihre Grundsätze auf».

Angesichts des Scherbenhaufens in der Nordkorea-Politik wirkte die erste Reaktion des Außenministerium in Peking auf den Atomtest auch etwas hilflos. China erklärte seinen «entschiedenen Widerstand» und forderte Nordkorea auf, sich an seine frühere Zusagen zu halten, auf eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel hinarbeiten zu wollen. Doch davon spricht Pjöngjang schon lange nicht mehr.

Die Verhandlungen unter chinesischer Vermittlung mit Nordkorea, den USA, Südkorea, Russland und Japan über das Atomwaffenprogramm seien «längst gestorben», sagt Professor Shi Yinhong. Auch der Experte Sun Zhe sagt: «China hat das Scheitern der Gespräche erkannt.» China sei am Ende seiner Bemühungen. «China hat getan, was es konnte, aber ohne Erfolg.» Der Frust ist spürbar, aber ein neuer Ansatz in Chinas Nordkorea-Politik ist bislang nicht erkennbar.